Handwerkskammer Region Stuttgart

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Aktuell - Sonderthema 3/2002

Daten und Fakten

Kundenorientierung steht im Mittelpunkt

Es handelt sich um eine längst fällige Pionierarbeit. Denn über Kooperationen im Handwerk lagen bislang keine repräsentativen Daten vor. Gemeinsam mit 30 Handwerkskammern führte der ZDH im Frühjahr 2002 eine Sonderumfrage durch.

Symbolbild: Daten und Fakten

Und die Resonanz war beeindruckend. Es beteiligten sich rund 11.300 Betriebe aus dem gesamten Bundesgebiet mit über 200.000 Beschäftigten. Die Ergebnisse belegen eine seit Jahren zu beobachtende Entwicklung: Mehr als die Hälfte der befragten Betriebe kooperiert, um veränderten Kundenanforderungen besser gerecht werden zu können.

19 Prozent der befragten Handwerksbetriebe sind bereits an Kooperationen mit anderen Unternehmen beteiligt. Dieser Wert schwankt erheblich je nach Betriebsgröße und Gewerbegruppe. Eine Vorreiterrolle übernehmen Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten. Während in dieser Vergleichsgruppe 27,9 Prozent der befragten Unternehmen sich in Kooperationen engagieren, sind es bei Ein-Personen-Unternehmen lediglich 13 Prozent.

Nicht für alle Gewerke sind Kooperationen in gleichem Maße interessant. Die Extremwerte liegen zwischen 23,4 Prozent im Ausbau- bzw. 20,8 Prozent im Baubereich und 5,1 Prozent im Nahrungsmittelgewerbe.

Manchmal auch ganz unkompliziert

Die bevorzugten Kooperationspartner für Handwerksbetriebe kommen ihrerseits aus dem Handwerk. 58 Prozent der befragten Handwerker arbeiten mit Betrieben aus dem selben Gewerk zusammen. 55,2 Prozent fanden Partner aus anderen Handwerken. Kooperationen mit Industrie- oder Handelsunternehmen sind mit 17,1 Prozent weitaus seltener. Auch erleichtert eine vergleichbare Betriebsgröße die partnerschaftliche Zusammenarbeit. 57,1 Prozent der kooperierenden Betriebe suchen nach ausbalancierten Kräfteverhältnissen. 12,8 Prozent arbeiten mit größeren Partnern zusammen.

In den Kooperationsformen ist Vielfalt angesagt. Jedoch weist der ZDH auf zwei markante Trends hin: Eher befristet und vor allen Dingen unkompliziert soll die Zusammenarbeit sein. 41,4 Prozent der an einer befristeten und 22,3 Prozent der an einer unbefristeten Kooperation beteiligten Betriebe arbeiten deshalb auf Basis einer mündlichen Vereinbarung zusammen. Entsprechend gering ist die Zahl der aus Kooperationen hervor gegangenen Unternehmensgründungen. Für befristete Projekte tun dies 3,8 Prozent der befragten Betriebe, bei unbefristeten Kooperationen 8,5 Prozent.

Flexibel und kundenorientiert

Kooperationen sind kein Selbstzweck. Handwerksbetriebe reagieren auf veränderte Wettbewerbsbedingungen mit Zusammenschlüssen, Verbünden und Partnerschaften. Trotz aller branchentypischen Unterschiede ist ein verbindendes Leitmotiv erkennbar. Das vorrangige Kooperationsziel im Handwerk ist Flexibilität - wenn auch in verschiedenen Ausprägungen.

Das Ziel, mittels Kooperationen veränderte Kundenwünsche erfüllen zu können, nannten 61,4 Prozent der befragten Betriebe. Vor allem das Bau- und Ausbauhandwerk forciert diese Anpassung: rund zwei Drittel der Unternehmen arbeiten mit Partnern, um beispielsweise mit "Leistungen aus einer Hand" sich besser behaupten zu können.

Weitere Flexibilitätsgewinne durch Kooperationen: 50,9 Prozent der Betriebe erhoffen sich eine vergleichsweise abgesicherte Ab- und Umsatzentwicklung. 36,7 Prozent sehen in Kooperationen ein geeignetes Mittel, Auftragsspitzen auszugleichen.

Probleme in Kooperationen treten dann auf, wenn einzelwirtschaftliche Interessen die Zusammenarbeit belasten. 20 Prozent der befragten Betriebe haben diese Erfahrung bereits gemacht. Als weitere potenzielle Hürden werden die Abgrenzung der Gemeinkosten (17,8 Prozent) und langwierige Abstimmungsprozesse im Vorfeld und während des Projektes (16,9 Prozent) genannt.

Die weit verbreitete Skepsis gegenüber Kooperationen mag hier eine ihrer Ursachen haben. Zudem sind kleine und mittlere Handwerksbetriebe auf lokale und regionale Märkte ausgerichtet. 37,7 Prozent dieser Unternehmen sehen daher bislang überhaupt keine Notwendigkeit, eine Kooperation einzugehen. Noch ein knappes Viertel sieht seine unternehmerische Selbstständigkeit durch jedwede Form von Zusammenschlüssen grundsätzlich gefährdet (24,2 Prozent).

Manchmal scheitern Kooperationen auch einfach an dem Mangel an Gelegenheit. 14,1 Prozent der Betriebe geben an, bislang keinen geeigneten Partner gefunden zu haben. Der ZDH möchte deshalb Beratungsangebote nicht allein auf rechtliche und steuerliche Aspekte beschränkt wissen. Bereits 12,3 Prozent der Handwerksunternehmen fragen Hilfestellung bei der Partnersuche nach.

Die zitierte Studie des Zentralverbands des Deutschen Handwerks steht am Ende dieser Seite als pdf-Datei zum Herunterladen bereit.

Udo Steinort


ZDH-Umfrage "Kooperationen im Handwerk" (pdf-Datei, 423 KB)


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