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Aktuell - Meisterfeier 2006 - Rückblick

Michael Johannes Ochs: "Klinsmann ging, und wir bleiben"

Eine Stimme für eine Generation

In seiner Jungmeisterrede plädierte der Stuttgarter Maler- und Lackierermeister Michael Johannes Ochs unter anderem für die Verantwortung der neuen Führungsgeneration für die Ausbildung im Handwerk. Er forderte aber auch Spielraum für unternehmerisches Handeln, der nicht durch Bürokratie und andere Belastungen beeinträchtigt werden dürfe: "Gebt uns die Freiheit, dann bekommt Ihr Großes zurück." - Es gilt das gesprochene Wort.

Porträt: Michael Johannes Ochs

Liebe Meisterinnen und Meister des Jahrganges 2006,

liebe Gäste, liebe Freunde,

sehr geehrte Damen und Herren,
  
ich begrüße Sie herzlich, stellvertretend für meine Mitschülerinnen und Mitschüler der Meisterschulen.

Ganz besonders begrüße ich all die vielen lieben Angehörigen, die Eltern und Geschwister sowie all die Menschen, die heute hier in wahrhaft großer Zahl zu unserem Fest auf den Killesberg gekommen sind.

Bei so vielen Anwesenden überfällt mich doch etwas das Lampenfieber. Aber ich denke, es ist zum Aushalten. Für die kleinen und die größeren Fehler die ich mache, werden Sie sicherlich Verständnis aufbringen.

Ich beginne, mit dem was mir am Leichtesten fällt. Es ist sicherlich auch mit das Schönste für mich.

Ich möchte mich bedanken

  • bei unseren Dozenten und Lehrkräften für die Geduld und die Ausdauer mit uns.

Ich möchte mich bedanken

  • bei meinen Meisterschulabsolventinnen und Absolventen für das Zusammenwachsen und das tolle Gefühl 'Wir schaffen es gemeinsam' und die daraus gewachsenen Freundschaften. 

Ich möchte mich bedanken,

  • bei meinen Eltern und bei meiner Lebenspartnerin für die ideelle und materielle Bereitschaft immer dann da zu sein, wenn Not am Mann war, und dafür, dass manchmal ein gutes Wort Wunder bewirkt hat.

Dieser Dank gilt allen, die dazu beigetragen haben, unsere Weiterbildung zum Meister zu überleben und die Meisterprüfung zu bestehen!

Selbstverständlich kommt dieser Dank, im Namen aller Meisterinnen und Meister des Jahrganges 2006, hier und heute. Alleine hätten wir es vermutlich nicht geschafft.

Meine Damen und Herren,

heute ist für uns ein bedeutender, denkwürdiger Tag. Wir sind Meister! Ab heute! Ich glaub', ich glaub' es nicht!!

Wir sind an dem angestrebten Ziel angelangt und wissen bereits übermorgen, dass hier der eigentliche Weg - ins Leben - im Grunde erst beginnt.
 
Wir haben den Mut aufgebracht, vorzudenken in einer für das Handwerk schwierigen Gesamtsituation und haben uns trotzdem dafür entschieden, wir haben den Mut aufgebracht, an die Liebe zu unserem Handwerk zu glauben und ich bin der Überzeugung, das solche Menschen der Binnenwirtschaft den entscheidenden Aufschwung geben könnten.

Denn wir Jungmeister wollen,

  • Verantwortung übernehmen,

  • junge Menschen für das Berufsleben ausbilden,

  • kreativ die Zukunft gestalten,

  • und für unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen einen sicheren Arbeitsplatz erhalten und weitere schaffen!

Wir wollen Wort halten.

Wir stehen zu unseren ausgebildeten Fachkräften, wir schätzen sie und denken nicht an massenhafte Entlassungen. Denn wir wollen und können Qualität auch im eigenen Land produzieren.

Bisher waren wir die Spieler. Jetzt sind wir Klinsmann. Der Vordenker, der Planer, der Stratege. Meister eben.

Klinsmann ging, und wir bleiben.

Egal, welche Entscheidungen wir in Zukunft treffen, wir müssen die Entscheidungen selbst erfinden, selbst tragen und selbst ertragen.

Vielleicht haben wir das Glück, unsere Entscheidungen mit einem guten Team zu teilen.

Positives in unserer Welt und in unserer Gemeinschaft zu erkennen - um positiv reagieren zu können, ist sicherlich eine Grundvoraussetzung für unsere Zukunft als Vordenker, Planer und Stratege. 

Wir sind Jungmeister.

Gebt uns die Freiheit, dann bekommt Ihr Großes zurück. Erdrückt uns nicht mit unnötig viel Bürokratie, mit Statistiken, Formularen und Papier!

Eigentlich wollte ich nichts Politisches sagen. Aber es betrifft uns und all diejenigen, die die Meisterschulen noch besuchen werden. Es ist schon eigenartig, dass wir Semestergebühren und Prüfungsgebühren anstandslos und ohne  Murren bezahlen und bei den Studenten an den Hochschulen und Universitäten die Einführung von Studiengebühren schon zum Aufstand führt.

Ich denke, das Geld ist für alle sehr gut angelegt.  

Berufsbildung zum Nulltarif wäre schön, aber sicherlich nicht machbar. Es ist nur allzu menschlich zu glauben, - was man geschenkt bekommt, ist nur halb so viel wert. Oder? Denken sie nur an Ihr erstes selbst erarbeitetes und selbst bezahltes Fahrrad oder so.
 
Wir haben für das was wir jetzt erreicht haben, hart gekämpft, die Nacht zum Tag gemacht, geschafft und nicht zuletzt bezahlt. Der Nutzen rechtfertigt den Sinn, dass wir uns entschlossen haben, Meister zu werden.

Man muss nur was daraus machen. Mit Kopf und Hand und Sachverstand.

Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, die Bundesregierung nicht nur dem Titel  Exportweltmeister nacheilt, sondern dem so wichtigen Wirtschaftszweig Handwerk als großem Steuerzahler und Anbieter von Arbeits- und Ausbildungsplätzen vor Ort eine wirkliche Chance bieten würde, dann ginge es wirklich aufwärts.

Aufwärts mit dem Handwerk. Aufwärts mit unserer Heimat!

In einem schwierigen Umfeld hatten wir Meisterschüler den Mut, eine Ausbildung zum Meister zu riskieren und erfolgreich zu absolvieren.

Beim Studium der Literatur zu meiner Facharbeit bin ich auf ein Zitat gestoßen, das mich beeindruckt hat. Ich möchte es Ihnen nicht vorenthalten.

"Ein Haufen Steine hört in dem Augenblick auf, ein Haufen Steine zu sein, wo ein Mensch ihn betrachtet und eine Kathedrale darin sieht."

Mit diesem Satz von Saint-Exupéry, möchte ich schließen und gleichzeitig meinen Mitschülern Mut machen für den nun beginnenden Lebensweg als Meister im Handwerk. Aus vielen kreativen Ideen heraus, mit Herz und Hand und Sachverstand bleibende Werte zu schaffen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Ihr Michael Johannes Ochs.


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