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Aktuell - Meisterfeier 2007 - Rückblick

Martin Hein

Rückblick auf ein Sommermärchen

In seiner Jungmeisterrede an den Meisterjahrgang 2006/2007 betont Schreinermeister Martin Hein aus Friolzheim die Bedeutung, die Leistungswille und Leistungsbereitschaft für das Berufsleben haben. Dabei entdeckt er bemerkenswerte Parallelen zum Fußball-Sommermärchen des Jahres 2006 aus. - Es gilt das gesprochene Wort.

Porträt: Martin Hein

2006 war ein Sommermärchen. Deutschland hatte die WM und wir Schreiner kurz darauf unsere Meisterprüfung. Der VfB verlor sein erstes Spiel 0 : 3 gegen Nürnberg - und? Meister wurden wir trotzdem. Deutschlands Fußballer wurden Weltmeister der Herzen, der VfB Meister der Bundesliga - und wir Meister in unserem Handwerk.

Liebe Jungmeisterinnen und Jungmeister,
liebe Gäste,
sehr geehrte Damen und Herren,

nun ja, jetzt wo ich hier stehe, kommt sie langsam, die Nervosität. Ich hoffe Sie sehen es mir nach, wenn meine Vorstellung nicht ganz an die Souveränität eines Dr. Markus Merk heranreicht. Mit Holzwürmern zu reden, ist eben doch ein Stück einfacher, als hier ein Grußwort an Sie zu richten.

0 : 3! Eine herbe Schlappe für den VfB und ein Dämpfer für die Hoffnungen zum Saisonbeginn. Aber wie es im richtigen Leben eben so ist, es kann nicht alles glatt gehen. Ich war bestimmt nicht der einzige, der während der Meisterschule hin und wieder einen Rückschlag wegstecken musste. Und dennoch, hätten wir uns nicht aufgerappelt und weitergemacht, wir wären heute nicht hier.

Wir, die Jungmeisterinnen und Jungmeister, sind hier im Saal, weil wir eines gemeinsam haben. Wir waren motiviert, einen Schritt weiter zu gehen. Weiter zu gehen, an Grenzen zu gehen, sie auszuloten und manchmal auch zu überschreiten. Wir wollten für uns in eine neue Saison starten, um dann als Meister in der nächsthöheren Liga mitzumischen. Das ist uns gelungen.

Doch was hat uns denn eigentlich motiviert, mehr als nur 90 Minuten alles zu geben und durchzuhalten? Wir alle wollten mehr wissen, wollten uns beruflich weiterentwickeln, um diesem berühmten Rückschritt in Form von Stillstand zu entgehen.

Die einen von Euch sind in die Fußstapfen der Eltern getreten und haben den Familienbetrieb übernommen. Andere wagten den Sprung in die Selbstständigkeit und verwirklichten ihre eigenen Geschäftsideen. Dann gibt es noch diejenigen, die jetzt als Teamplayer die Position einer Führungskraft bekleiden und so ihren Teil zum Erfolg beitragen.

Jeder wird sicher seinen Weg gehen, jeder wird  zum unersetzlichen Stammspieler werden.

Dass wir uns damit aber auch selbst in die Pflicht nehmen, darf unserem Blick nicht verborgen bleiben. Unser Wissen gehört nicht uns allein. Um unser Handwerk am Leben zu erhalten, müssen wir auch lernen, unser Wissen zu teilen. "Wissen und wissen lassen." Der Meisterbrief ist der Anpfiff zum Spiel der Generationen. Die Auszubildenden von heute sind auf uns angewiesen, um so gute Fachkräfte zu werden - wie wir es selbst für uns in Anspruch nehmen.

Doch selbst als Führungskraft geht die eigene Entwicklung immer weiter. Man muss jede Gelegenheit ergreifen, die es einem ermöglicht, den eigenen Horizont zu erweitern. Damit meine ich, dass auch wir uns mit dem Meistertitel in der Tasche nicht zurücklehnen können. Wir brauchen weiterhin Informationen, wir brauchen weiterhin Qualifizierung. Warum nicht mal ins Ausland gehen? Die Fußballer machen es uns doch vor.

Ich denke mal, wenn Ihr Jungmeisterinnen und Jungmeister ehrlich seid, euch ging es doch ähnlich wie mir. Nach jedem abgeschlossenen Bildungsschritt war ich voller Tatendrang. Sei es nach der Schule, meinem  Abitur, der Lehre oder jetzt der Meisterschule. Jedes Mal dachte ich, ich sei der König der Welt, sie liegt mir zu Füßen, und alle Tore stehen mir offen.

So lange der Weg zum jeweiligen Abschluss auch war, so schnell fand ich mich auf dem Boden der Tatsachen wieder. Das Leben ging nahezu weiter wie bisher. Die Arbeit wurde mehr, es wurde mehr Engagement erwartet und die Freizeit wurde knapper. Und das alles ohne bemerkenswerten Lohnausgleich. Aber dennoch habe ich nichts bereut. Ohne die vielen Schritte, die ich gemacht habe, hätte ich weder mich, noch die Leute richtig kennen gelernt, mit denen ich erfolgreich gekämpft habe, und die mir größtenteils meine knappe Freizeit versüßen. Ich glaube, wir können unseren Familien und Freunden dankbar sein.

Bestimmt wird es mal nicht so gut laufen und die Zeichen können auch auf Sturm stehen. Aber eine Niederlage, oder gar der Abstieg in eine andere Liga ist nicht das Problem. Ein Problem wird es erst, wenn man sich selbst so mitreißen lässt, dass man den Weg nach oben aus den Augen verliert.

Ich wünsche uns allen das nötige Durchhaltevermögen, viel Glück und viel Erfolg auf unserem weiteren Berufs- und Lebensweg. Und jetzt wünsche ich uns beim heutigen symbolischen Anpfiff für einen neuen Lebensabschnitt noch viel Spaß und Freude bei der Überreichung der Meisterbriefe.

Vielen Dank!


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