Aktuell - Meisterfeier 2007 - Rückblick
Markus Merk
"Meisterhaft entscheiden"
Dass Dr. Markus Merk promovierter Zahnmediziner ist, merkte ihm das Publikum der Stuttgarter Meisterfeier 2007 höchstens daran an, dass er selbst auf gewisse Parallelen seiner Tätigkeiten auf dem grünen Rasen und in der weißen Praxis hinwies. An beiden Orten könne es schmerzhafte Situationen geben. Ansonsten war ihm seine dritte Berufung wesentlich deutlicher anzuspüren: Merk bewies sich als versierter Motivationstrainer.

Aus der Zahnarztpraxis hat sich Markus Merk 2005 zurückgezogen, als DFB- und FIFA-Schiedsrichter ist er aber weiterhin ein viel beschäftigter Mann. Als Motivationstrainer ebenso. Darum fiel es ihm auf der Stuttgarter Meisterfeier auch nicht schwer, einen Ton zu treffen, der das Publikum der Halle 4.0 ansprach. "Meisterhaft entscheiden" hieß der Vortrag, mit dem er zeigte, dass Führungskräfte mittelständischer Handwerksbetriebe mehr Ähnlichkeit mit Fußballschiedsrichtern haben als sie bislang ahnten.
Auf den richtigen Umgang mit Kunden und Mitarbeitern komme es an, stellte Merk fest, auf dem Spielfeld wie in der Werkstatt, denn immer stehe der Mensch im Mittelpunkt. Eine Neuigkeit für die Zuhörer? Wohl kaum. Die Konsequenzen, die sich aus diesem Ausgangspunkt ergeben, können für einen Entscheider aber immens sein. Vor allem, wenn er sich für die Einhaltung von Regeln des Zusammenlebens und
Dabei müsse gerade ein Schiedsrichter nicht selten Entscheidungen in Situationen treffen, in denen er eigentlich gar nicht genug Informationen haben kann, um das zu tun. "Denken Sie ernsthaft, ich kann immer unterscheiden, auf welcher Seite der Linie ein Ball landet? Entscheiden muss ich trotzdem." Das allerdings funktioniere dann deswegen, sagt Merk, weil es auch darauf ankomme, die Umgebung zu beachten. Den Spieler, seine Mitspieler und die Reaktionen des Publikums. Mit der Entscheidung müsse der, der sie getroffen hat, dann aber leben können.
Entscheider, sagt Merk, müssten zu dem stehen, was sie für richtig halten, auch wenn es alle anderen anders sehen. Stellt sich ein Urteil später womöglich gar als eine Fehlentscheidung heraus, muss eine Führungskraft trotzdem erhobenen Hauptes mit ihrem früheren Standpunkt umgehen können. Es komme darauf an, Fehler zu verarbeiten - und zwar so, dass die Persönlichkeit an ihnen reift.
Die Persönlichkeit dürfe ohnehin niemals unter der Aufgabe leiden, die Entscheider wahrzunehmen haben: "Entscheide nie gegen deine eigene Persönlichkeit und Willen", steht da etwas holprig auf einer der Powerpoint-Folien, die Merks Vortrag begleiten. Eine Maxime, an die sich Merk glaubhaft hält. Damit das auch anderen gelingt, empfiehlt er seinem Publikum unter anderem "konzentrierte Gelassenheit" und "beherrschte Konsequenz". Und wenn er am Schluss kräftig in die Trillerpfeife stößt, um den Abpfiff seines Vortrags zum Anpfiff der nächsten Karrierephase seiner Zuhörer auf der Meisterfeier zu machen, steht auf der letzten seiner Powerpoint-Folien ein Satz, den wohl die meisten gerne unterschreiben werden: "Das Leben findet heute statt."



