Handwerkskammer Region Stuttgart

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Aktuell - Sonderthema 1/2003

Andreas M. Viebig, Geschäftsinhaber

Herausforderungen annehmen

Ab 2006 sind Rating-Verfahren Pflicht. Das dauert noch, mag mancher denken. Also doch lieber erst einmal zurücklehnen und abwarten? Nicht so Andreas M. Viebig. Der Betriebswirt hat sich bereits informiert und erwartet, dass die Vorteile für Unternehmen überwiegen werden.

Dokumentation: Andreas M. Viebig

Die Begriffe Strategie, Planung, Controlling kennt jeder. Nur nicht unbedingt in der Verbindung mit Handwerksbetrieben.

Viebig: Wir müssen umdenken. In Zukunft wird es so sein, dass Handwerker sich stärker mit Führungsaufgaben beschäftigen müssen als bisher. Aufgaben wie Marketing und Personal werden wichtiger. Ich denke, dass Rating diese Entwicklung beschleunigen wird.

Was haben Sie sich vorgenommen?

Viebig: Ich versuche, mir erst einmal darüber klar zu werden, was aktives Steuern in meinem Betrieb heißt. Das sind oftmals einfache Fragen: Welches Profil hat der Betrieb? Was können wir besonders gut? Was erwarten unsere Kunden? Sich für die richtige Antwort entscheiden, ist schon schwieriger.

Und die Umsetzung?

Viebig: Einige Schritte haben wir schon hinter uns gebracht. Wir haben zum Beispiel unser Dienstleistungsangebot erweitert, sind Spezialisten für Brandschadensanierung von Textilien. In Mitleidenschaft gezogene Kleidungsstücke werden mit einem Spezialverfahren von Ruß und Gerüchen befreit. Damit heben wir uns von anderen Anbietern ab. Unsere Filialen wurden jeweils auf einen Produktionsbereich hin spezialisiert. Wenn Sie so wollen, sind das strategische Elemente.

Wie sehen Sie dem Rating entgegen?

Viebig: Bislang habe ich noch kein Rating-Gespräch mit meiner Bank geführt. Das Konzept, ein Unternehmen in einer Gesamtschau zu bewerten, halte ich für richtig. Das Verfahren ist zwar mit Aufwand verbunden, kann aber dazu beitragen, dass Handwerker erfolgreicher werden. Ich bin davon überzeugt, dass die Vorteile für die Unternehmen auf lange Sicht hin überwiegen werden.

Natürlich macht man sich Gedanken über seine Marktstellung und die Branchenentwicklung, man achtet sowieso auf die Beziehung zur Hausbank. Das Neue ist, dass diese Aufgaben systematischer und intensiver bearbeitet werden müssen.

Also gewissermaßen ein willkommener Druck zur Veränderung?

Viebig: Die Bank setzt sich mit meinem Unternehmen auseinander. Das Rating-Gespräch beschränkt sich ja nicht auf die Bewertung, sondern verdeutlicht die Stärken, die Schwächen. Wenn ich Anregungen erhalte, was nicht optimal läuft und wie es besser laufen könnte, umso besser.

Eine neue Rolle für Kreditinstitute?

Viebig: Der Blick von außen auf mein Unternehmen ist für mich eine Chance. Deshalb ist es wichtig, den Kontakt zur Hausbank aktiv zu gestalten. Mein Sachbearbeiter erhält unaufgefordert und regelmäßig die aktuellen Zahlen, ist deshalb immer auf dem Laufenden. Wenn wir Aktionen starten, bekommt er beispielsweise eine Anzeige zugeschickt. Die Bank soll wissen, was bei uns läuft.

Oftmals wird Neues skeptisch beurteilt, weil es an Information fehlt.

Viebig: Handwerker haben selten Zeit für ein ausführliches Literaturstudium. Deshalb sind knappe Zusammenstellungen mit praxisnahen Tipps hilfreich. Von Seminaren erwarte ich Know-how, das ich im Alltag verwerten kann.


Udo Steinort/stichwortmedien


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