Handwerkskammer Region Stuttgart

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Aktuell - Sonderthema 2006

"Einfach besser leben"

Alltagshilfe im Verbund

Gemeinsam geht vieles leichter. In ihrem Bietigheimer Gebäudetechnik-Betrieb haben Ilse und Klaus Bolzhauser diesen Leitsatz verinnerlicht, und treten mit fünf befreundeten Unternehmen aus der Elektro-Branche gemeinsam als die "sechsschwaben" auf. Eine Kooperation, die sich besonders um das Kundensegment der Generation 50plus bemüht.

Porträt: Ilse und Klaus Bolzhauser

"Wir kommen aus dem klassischen Elektro- und Installationsbereich, aber im typischen Neubausektor machen wir fast gar nichts mehr", umreißt Ilse Bolzhauser in groben Zügen eine Skizze des Familienunternehmens, das ihr Mann und sie gemeinsam führen. Anstatt ihren 1982 gegründeten Betrieb "Elektro Bolzhauser" zu nennen, gaben sie ihm den Namen "ELBO". Der Zusatz "Gebäudetechnik" weist auf seine Spezialisierung hin.

Klaus Bolzhauser ist von Haus aus Elektromechaniker, kann aber auch zwei Weiterbildungszertifikate vorweisen, die von entscheidender Bedeutung sind: Er ist Gebäudeenergieberater und Gerontotechniker. Gerontologie ist Altersforschung. In Iserlohn hat die Deutsche Gesellschaft für Gerontotechnik ihren Sitz. Dort hat sich Klaus Bolzhauser Kenntnisse über Technik für alternde Menschen erworben. Eine wichtige Qualifikation für das Geschäftsfeld, das er heute mit der ELBO Gebäudetechnik bedient.

"Einfach besser leben" ist eine Broschüre betitelt, die ELBO und fünf kooperierende Unternehmen, die ebenfalls der Elektrobranche angehören, an ihre Kunden verteilen. Von richtiger Beleuchtung ist darin zu lesen. Von Lichtsignalgebern, die Schwerhörigen anzeigen, dass das Telefon klingelt. Von bedienerfreundlichen Telefonen und von Rauchmeldern. Oder von automatischen Antrieben für Rollläden, Markisen und Garagentore.

Sensibel reagieren und Bedürfnisse erkennen

Der Titel der Broschüre ist nicht nur eine Überschrift, sondern Programm und Bekenntnis für eine Handwerkerkooperation, die unter der Marke "sechsschwaben" auftritt. "Es ist ja nicht so, dass wir unsere Eigenständigkeit als Firma aufgeben, aber wir haben ein größeres Spektrum und eine größere Schlagkraft, indem wir uns in diesem Bereich vereinigen", erklärt Ilse Bolzhauser. Jedes der sechs Unternehmen bringt sein Wissen, sein Personal und seinen Ideenreichtum in die gemeinsame Sache ein, für die auch das Marketing auf einer gemeinsamen Schiene und unter der gemeinsamen Marke der "sechsschwaben" läuft. Aus dem gemeinsamen Engagement entwickeln sich dann die Aufträge der einzelnen Partner. Allerdings für eine gemeinsame Klientel. Mit "Einfach besser leben" wenden sich die Partner der Kooperation an Senioren.

"Nachdem ich früher mal in der Hospizbewegung tätig war, ist mir diese Klientel schon immer am Herzen gelegen", erzählt Ilse Bolzhauser. Sensibilisiert für die Belange älterer Patienten war ihr bewusst, dass für viele Menschen, die nach einem Krankenhausaufenthalt wieder in ihre eigenen vier Wände zurückkehren, Probleme ganz eigener Art beginnen: "Sie sitzen vielleicht plötzlich im Rollstuhl, brauchen breitere Türen, einen Badewannenlift oder eine ebenerdige Toilette. Sie brauchen jemand, der ihnen automatische Rollläden installiert oder elektrische Türöffner." Zusammengefasst leitet die Unternehmerin daraus ab: "Die brauchen einfach Hilfe; Lebenserleichterungen, damit sie möglichst lange selbstständig in ihrer eigenen Wohnung bleiben können. Und die bieten wir ihnen einfach."

Ganz so einfach ist das allerdings nicht. Viele Ältere möchten von den technisch machbaren Hilfen gar nichts wissen. "Die älteren Leute brauchen’s, aber sie gönnen es sich nicht. Die sagen sich: 'Jetzt ist es schon lange gegangen, das Bisschen, das ich noch lebe, das langt’s voll!'", fasst Ilse Bolzhauser eine weit verbreitete Haltung zusammen. Deshalb sind für ELBO die Kunden und die Auftraggeber nicht immer dieselbe Zielgruppe. Entscheidungsträger seien oft die Kinder, und eben nicht deren Eltern, die später mit den Installationen des Gebäudetechnik-Unternehmens leben werden. Die Kunst des Dienstleisters besteht dann in der richtigen Beratung. Von einer automatischen Herdabschaltung etwa profitieren danach beide Generationen: die ältere, weil es nicht mehr so gefährlich ist, den noch beheizten Herd zu vergessen - die jüngere, "weil sie ruhiger schlafen können, wenn sie nicht mehr jeden zweiten Tag nachschauen müssen, ob Oma an den Herd gedacht hat", wie Ilse Bolzhauser lächelnd anmerkt. Nur draufkommen muss man eben.

Stattfinden lässt ELBO die Beratung am liebsten dort, wo sich die Kundschaft befindet, in deren Wohnungen also. Nur dort wird deutlich, wie sich der Alltag eines Kunden gestaltet, wo Probleme auftreten und wie mögliche Lösungen dafür aussehen könnten. Was das Bietigheimer Gebäudetechnik-Unternehmen dann machen kann, bietet es an, für umfangreichere Aufträge gibt es die Unterstützung der anderen fünf der "sechsschwaben", die ihre wichtigsten Angebote in fertige Pakete geschnürt haben: Ein Paket "Klingelverstärkung" zum Beispiel oder ein Paket "Behindertentelefon" oder ein Paket "Rollladensteuerung". Fertig abrufbar und vom jeweils am besten darauf spezialisierten Betrieb betreut. Darüber hinaus existiert auch noch ein weiter verzweigtes Netzwerk: "Wir arbeiten mit Apotheken und mit Sanitätshäusern zusammen. Die wissen genau, wohin sie Kunden schicken können, die Hilfe brauchen."

Alt ist tabu

Die Website der "sechsschwaben" ist der zentrale Einstiegspunkt für alle Kooperationsangebote, daneben tritt jedes der beteiligten Unternehmen aber auch einzeln im Internet auf. Dieser doppelte Zugang ist Teil der Marketingstrategie, die Ilse und Klaus Bolzhauser für die Dienstleistungen von ELBO fahren: Die Kooperation bietet vieles, also muss es auch viele Wege geben, die Kundschaft das wissen zu lassen. Natürlich ist das Internet da nur ein Mosaiksteinchen.

Viel Zeit und Mühe geben sich die "sechsschwaben" mit speziellen Vortragsangeboten, für die sie mit bis zu vier Mailingaktionen pro Jahr werben. An Vortragsorten wie dem Stuttgarter Haus der Wirtschaft informieren dann extra dafür an Land gezogene Experten über Themen, die ein 50plus-Publikum interessieren könnten und sollten. Das Jahr 2006 steht dabei ganz unter dem Schwerpunktthema des Lichts: "Einfach besser sehen". Ein Thema, mit dem sich die Unternehmenskooperation auch schon auf der Bietigheimer Gesundheitsmesse präsentierte.

Ilse Bolzhauser ist zufrieden mit den gemeinsamen Marketingmaßnahmen der "sechsschwaben" und mit den Vorteilen, die die Zusammenarbeit dem Unternehmen ELBO bietet. Nur eines bleibt schwierig: Die richtigen Worte im Umgang mit der Kundschaft zu finden. Es gibt nämlich etwas, das ein Dienstleister, der sich dem 50plus-Marketing widmet, auf gar keinen Fall tun darf: Den Begriff "alt" auf die Kunden anwenden. "Das Wort wird höchstens im Seniorennachmittag benutzt - aber dann heißt das ja auch wieder 'Goldene Freizeit'".

ELBO Gebäudetechnik, Bietigheim-Bissingen

sechsschwaben


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50plus-Marketing, Seniorenmarketing, Praxisbeispiele, ELBO, Elektro Bolzhauser, Bietigheim-Bissingen, Gerontologie, Gebäudeenergieberater

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