Aktuell - Sonderthema 2006
Senior - was heißt das schon?
Wünsche und Bedürfnisse der Älteren
Wer heute 50 Jahre alt ist, kann noch mit gut 30 Jahren Lebenszeit rechnen. Dass die Wünsche der Älteren über eine so hohe Zeitspanne hinweg nicht konstant bleiben, leuchtet ein. Es würde auch niemand die Bedürfnisse eines Kleinkindes mit denen eines Familiengründers vergleichen. Deshalb versucht die Forschung, verschiedene Zielgruppen der älteren Generation zu unterscheiden.

Denken wir bei Senioren nicht automatisch an gebrechliche Menschen im Rentenalter? Dabei bedeutet das lateinische Wort senior eigentlich nur älter - weiter nichts. Und nur das meinen Marketingexperten, wenn sie von der Zielgruppe Senioren sprechen. Nämlich jene, die älter sind als ein halbes Jahrhundert - die Generation 50plus. Das ist auch das Einzige, was wirklich alle Angehörigen dieser Marketingzielgruppe gemeinsam haben.
Aber wer mit 50 noch voll im Berufsleben steht, hat andere Bedürfnisse als ein 75-jähriger Pensionär. Die Generation 50plus ist in sich stark differenziert. Dennoch wird versucht, Gemeinsamkeiten von Älteren herauszubilden, um ihre Wünsche greifbar zu machen und sie gezielt am Markt ansprechen zu können. Verschiedene Zielgruppeneinteilungen sind entstanden, von denen wir zwei hier vorstellen.
Junge und alte Senioren
Eine einfache Unterteilung nach Lebensphasen bietet das Meyer-Hentschel Institut, indem es zwischen Vor-Senioren, jungen Senioren und älteren Senioren unterscheidet.
Vor-Senioren: 50plus
Menschen im Alter zwischen 50 und 59 Jahren ignorieren die ersten Anzeichen von Altersbeschwerden. Niemand möchte sich schon mit dem Senioren-Status identifizieren. Im Berufsleben bereiten sich die über 50-Jährigen bereits auf den Ruhestand vor, momentan haben sie allerdings wenig Freizeit. Die Kinder verlassen das Haus und ihre Rolle als Großeltern beginnt.
Junge Senioren: 60plus
Über 60-Jährige nehmen erste Altersbeschwerden bewusst wahr. Sie sind bereits pensioniert oder befinden sich im Übergang vom Berufsleben zum Ruhestand, die neugewonnene Freizeit zwingt sie zu einer Neuorientierung. In der Familie übernehmen sie eine aktive Großelternrolle, der Senioren-Status rückt erstmals in ihr Bewusstsein.
Ältere Senioren: 70plus
Mit über 70 Jahren schränken Altersbeschwerden die Aktivitäten ein. Das Berufsleben ist unbedeutend geworden und die Freizeit dominiert. Die Enkelkinder machen ihre Großeltern zu Urgroßeltern, die älteren Senioren werden zunehmend von ihrer Familie abhängig, sie erleben den Tod von Partnern oder Geschwistern, sie beginnen sich mit dem Senioren-Status zu identifizieren.
Traditionelle und lustorientierte Senioren
Das Marktforschungsinstitut TNS Emnid hat die psychologische Grundeinstellung und die Wertevorstellungen der über 50-Jährigen erforscht und kam zu dem Ergebnis, zwischen drei Gruppen unterscheiden zu können:
Passive Ältere (35 Prozent)
Mit mehr als 40 Prozent Über-70-Jährigen bilden die Passiven Älteren die betagteste unter den drei Gruppen. Ihre Repräsentanten haben eine geringe Schulbildung und ein niedriges Haushalts-Nettoeinkommen. Sie sind wenig aktiv und ihre Werte orientieren sich an Materiellem, Familie und Tradition. Ihr Konsumverhalten richten sie nach ihren Gewohnheiten.
Kulturelle Aktive (39 Prozent)
Ein hoher Frauenanteil prägt die Gruppe der Kulturellen Aktiven, die gerne Zeitungen, Zeitschriften oder Bücher lesen oder ins Theater gehen. Geselliges Miteinander ist dieser Gruppe besonders wichtig. Sie sind kulturell-sozial und verträumt. Sie interessieren sich unter anderem besonders für Kosmetika, Mode, Cerealien oder Gebäck.
Erlebnisorientierte Aktive (26 Prozent)
In dieser Gruppe überwiegen die Männer. Über die Hälfte der Erlebnisorientierten Aktiven sind zwischen 50 und 59 Jahre alt, deshalb bilden sie die jüngste der drei Gruppen. Sie sind deutlich höher gebildet und besitzen ein höheres Haushalts-Nettoeinkommen als die anderen. Sie möchten etwas erleben, gehen gerne aus und sind technik-affin, sie beschäftigen sich gerne mit Computer, Internet oder DVD. Sie leben genussvoll und lustorientiert, haben aber auch eine kritische Grundhaltung. Für ihr Konsumverhalten gilt, dass sie gerne etwas Neues ausprobieren. PC, Laptop, Handy, Unterhaltungselektronik oder Autos wecken ihr besonderes Interesse.




