Handwerkskammer Region Stuttgart

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Aktuell - Sonderthema 2008

Wann wird Alkoholkonsum zur Sucht?

Oder: Ist Alkohol etwa gesund?

Immer wieder wird behauptet, Alkohol fördere die Gesundheit und verlängere die Lebenserwartung. So soll Rotwein das Risiko für einen Herzinfarkt verringern oder Bier wie "flüssiges Brot" wirken und speziell Weißbier die Nieren gut durchspülen. Manche behaupten, ein Kräuterschnaps nach dem Essen fördere die Verdauung und Sekt rege den Kreislauf an. Doch was passiert, wenn sich der Körper beginnt, sich an den Zusatzstoff Alkolhol zu gewöhnen? Wann wird die Gewohnheit zur Sucht?

Fest steht, dass positive Wirkungen wissenschaftlich nicht eindeutig bewiesen sind. Was viele dagegen vergessen: Alkohol erhöht die Gefahr von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfällen. Alkohol ist kein Heilmittel; er fördert die Gesundheit nicht. Und er liefert dem Körper auch keine notwendigen Wirkstoffe und Mineralien, dafür aber jede Menge Kalorien. Fest steht auch, dass der Alkohol im Körper verarbeitet werden muss. Am meisten betroffen ist die Leber, denn sie ist das wichtigste Stoffwechsel- und Entgiftungsorgan unseres Körpers. Große Mengen Alkohol zerstören Leberzellen. Es bilden sich kleine Knötchen, die die Wirkungsweise der Leber beeinträchtigen.

Was passiert im Körper?

Gefährdet ist auch die Bauchspeicheldrüse. Sie ermöglicht die Verdauung im Darm und produziert das Insulin, das den Zuckerstoffwechsel im Blut steuert. Wenn die Bauchspeicheldrüse durch zu viel Alkohol erkrankt, führt das zu Diabetes mellitus, der Zuckerkrankheit. Bedroht ist auch das Gehirn. Hirnzellen werden durch den Alkohol zerstört. Die Folgen reichen von eingeschränkter Erinnerungs- und Denkfähigkeit, über geistigen Abbau bis hin zu Wesensveränderungen und Depressionen. Alkohol wird auch für Krebserkrankungen verantwortlich gemacht. So zum Beispiel in der Mundhöhle, im Rachen, im Kehlkopf und in der Speiseröhre. Frauen, die regelmäßig viel Alkohol trinken, haben ein erhöhtes Brustkrebsrisiko. Auch vorzeitiges Altern oder Veränderungen der Haut können Folgen eines übermäßigen Alkoholkonsums sein.

Wo liegt die Grenze?

Gesundheitsexperten empfehlen: Männer sollten nicht mehr als 20 Gramm, Frauen höchstens 10 Gramm Alkohol pro Tag trinken. Dabei gilt folgende Regel: In den üblichen Trinkgläsern - Bier 0,2 Liter, Wein 0,1 Liter - stecken jeweils rund 10 Gramm Alkohol. Absolut verboten ist Alkohol während der Schwangerschaft. Zu groß ist die Gefahr, dass das Kind geschädigt wird. Alkohol sollte also nur gelegentlich, nicht regelmäßig getrunken werden. Auch sollte niemand aus Langeweile zum Glas greifen oder weil er sich einsam oder gestresst fühlt. Zudem sollte man immer weniger trinken als man verträgt. Alkohol sollte außerdem nicht als Durstlöscher konsumiert werden.

Warum wird man süchtig?

Vom Pförtner bis in die Chefetage können Menschen betroffen sein. Was führt zur Abhängigkeit? - Auslöser können hohe psychische Belastungen, hohe Arbeitsanforderungen, damit verbundener Stress, aber auch monotone Arbeitsabläufe sein. Konzentrations- und Leistungsfähigkeit sind bereits nach geringem Alkoholkonsum beeinträchtigt. Die Reaktionszeit verlängert sich, Risikobereitschaft und Selbstüberschätzung nehmen zu. Weitere Folgen: die Arbeitsleistung sinkt, die Arbeitssicherheit ist gefährdet, es kommt zu Unfällen. Oft füllen andere Mitarbeiter die Lücken und Ausfälle aus. Damit decken sie den Alkoholabhängigen. Was sie nicht bedenken: sie nehmen damit in Kauf, dass der Kollege sich selbst und den Betrieb schädigt. Dass diese Person dringend notwendige Hilfe braucht, wird so weiterhin verdeckt.

Die Wirkung von Alkohol kennt fast jeder: Die Stimmung steigt, die meisten werden humorvoller. Zwischenmenschliche Grenzen werden überschritten. Alkohol betäubt, enthemmt. Fröhlichkeit mit Rededrang. Wird Alkohol getrunken, werden im Körper bestimmte Substanzen ausgeschüttet, die Wohlbefinden erzeugen. Im Laufe der Zeit lässt sich diese angenehm empfundene Wirkung nur noch erreichen, wenn mehr Alkohol getrunken wird. Doch Alkohol löst keine Probleme. Er verdrängt sie nur vorrübergehend. Sie kommen unweigerlich wieder, und durch das Trinken kommen neu Probleme hinzu. Die psychische Abhängigkeit von Alkohol ist meist schlimmer als die körperliche. Wird kein Alkohol mehr getrunken, erscheint der Alltag umso grauer, trostloser und erdrückender. Unlustgefühle, Unruhe, Angst und Depressionen machen sich breit. Das Verlangen, immer wieder und mehr Alkohol zu trinken, nimmt zu.

Wie lässt sich Alkoholabhängigkeit erkennen?

Erste Warnzeichen für eine Alkoholabhängigkeit sind Gedächtnislücken nach durchzechten Nächten, Einschlafstörungen und Gefühle der Unruhe, wenn jemand nichts getrunken hat. Die Betroffenen werden plötzlich unpünktlich, haben ihren Alltag nicht mehr im Griff und lassen Beziehungen schleifen. Sie verhalten sich zunehmend aggressiv und vernachlässigen ihre Körperpflege und Kleidung. Hinzu kommen Entzugserscheinungen wie das morgendliche Händezittern oder Übelkeit. Um diese Symptome zu dämpfen, wird die tägliche Dosis ständig erhöht. Das kontrollierte Trinken von Alkohol ist nicht mehr möglich. Zudem nimmt häufig die psychische Belastbarkeit ab und depressive Verstimmungen stellen sich ein.

Und dann?

Wer die ersten Anzeichen einer drohenden Alkoholkrankheit wahrnimmt, muss handeln. Bei sich selbst, wie bei anderen. Etwas zu unternehmen, ist besser als das Beobachtete herabzuspielen. Je offener der Umgang mit dem Problem stattfindet, desto eher lässt es sich mildern. Am gefährlichsten ist unkontrollierter Alkolholkonsum dann, wenn er heimlich geduldet wird.


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Kennzeichen Sucht, Abhängigkeit, Drogen, Alkoholsucht

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