Aktuell - Sonderthema 2008
Alkoholmissbrauch in der Ausbildung
Was tun, wenn Azubis trinken?
Neben fachlichen Inhalten soll eine Lehre auch so etwas vermitteln, was altmodisch "Lebensreife" heißt. Mit der Reife fürs Leben ist das aber so eine Sache: In einer Gesellschaft, in der der gemeinsame Konsum alkoholischer Getränke als gemeinschaftsstiftendes Erlebnis praktiziert wird, wirken Trinkverbote am Arbeitsplatz wenig glaubwürdig. Doch es gibt ein Problem in vielen Lehrbetrieben - den Alkoholmissbrauch in der Ausbildung.

Es ist ein altes Klischee, dass auf dem Bau das Bier so sehr zu den Arbeitsmitteln gehört wie der Zement. Natürlich stimmt das nicht. Aber natürlich stimmt es auch, dass es nicht stimmt, dass das generell nicht stimmt. Gefährlich wird es jedenfalls, wenn der Umgang mit Alkohol außer Kontrolle gerät. Wenn Betriebsinhaber nicht wissen, wie ihre Beschäftigten mit alkoholischen Getränken umgehen. Ein trotziges Verbot nach dem Schema "Wer hier trinkt, fliegt raus" mag entschlossen klingen, in der Praxis aber wenig bewirken.
Was schon im normalen Arbeitsalltag Probleme bereitet, wirft in der Ausbildung Jugendlicher noch viel größere Schwierigkeiten auf. Einiges deutet darauf hin, dass die Jugendlichen des frühen 21. Jahrhunderts mehr trinken als ihre Altersgenossen vor ein oder zwei Jahrzehnten. Und vieles deutet darauf hin, dass sie anders trinken. Hemmungsloser. Außerdem steht ihnen eine Bandbreite alkoholischer Getränke zur Verfügung, die frühere Generationen nicht kannten.
Wenn Ausbilder den Verdacht haben oder womöglich gar beobachten, dass ihre Lehrlinge leichtsinnig mit Alkoholika umgehen, sollten alle Alarmglocken schrillen. Auch klar. Aber was heißt das dann? Was genau kann ein Ausbilder tun, der bemerkt, dass die Jugendlichen seines Betriebs zu tief ins Glas schauen? Welche Konsequenzen gebietet die Aufsichts- und Fürsorgepflicht des Unternehmensinhabers, und welche Maßnahmen erfordert ein kluges und soziales Miteinander?
Unser Sonderthema geht der Frage nach, wie ein weitblickender und verantwortungsvoller Umgang mit Alkoholmissbrauch durch Jugendliche aussehen kann. Gerade dann, wenn Ausbilder verstanden haben, dass der klassische Anpfiff wahrscheinlich nicht den gewünschten Erfolg bringt.













