Handwerkskammer Region Stuttgart

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Aktuell - Sonderthema 2009

"Insolvenz trifft den Betrieb selten unvermittelt"

Kammerberater Franz Falk umreißt Krisen

Welche Krisen können Betriebe erfassen? Wie ticken Banken und wie berät die Handwerkskammer Region Stuttgart zur Wirtschaftskrise? Franz Falk, Geschäftsführer der Betriebswirtschaftlichen Beratung der Handwerkskammer, vermittelt einen ersten Überblick.


Bild: HwK

Handwerkskammer: Wirtschaftlich problematische Zeiten bringen viele Betriebe aus dem Gleichgewicht. Oftmals beginnt aber eine Unternehmenskrise schon einige Jahre davor. Die Betriebswirtschaft unterscheidet drei Krisentypen, die zeitlich meist in Phasen aufeinander folgen: strategische Krise, Rentabilitäts- und Liquiditätskrise. Wie hängen die unterschiedlichen Typen miteinander zusammen? Bahnt sich eine unternehmerische Talfahrt vollkommen unerwartet an?

Franz Falk: Nein, eine Insolvenz trifft den Betrieb selten unvermittelt. In den meisten Fällen gibt es Vorzeichen. Die Krisenverläufe beginnen meist mit einer strategischen Krise. In dieser Phase verliert der Betrieb seine Marktstellung. Das fängt damit an, dass der Unternehmer nicht mehr in neue Produkte oder Leistungen investiert, sondern sein bisheriges Produkt- und Leistungsangebot weiterhin anbietet. Er setzt nicht auf moderne Maschinen, Werbung, Weiterbildungen, sondern glaubt, seinen bisherigen Stand unverändert halten zu können. Stillstand ist aber Rückschritt, und daraus folgt die Rentabilitätskrise: Der Betrieb wird von Wettbewerbern überholt und der Unternehmer gerät unter Preisdruck. Die Rendite des Betriebes wird geringer, was dann zur Liquiditätskrise führt, die oft das endgültige Aus bedeutet.

"Wettbewerb hat sich verschärft"

Sind Sie der Meinung, in den letzten Monaten ist dieser Verlauf typischer und häufiger geworden?

Die Prozesse laufen jetzt viel schneller ab. Der Wettbewerb hat sich verschärft, die Wettbewerbssituation ist für alle Betriebe schwieriger geworden. Einige Unternehmen befinden sich seit Jahren in der strategischen Krise, konnten sich aber über Wasser halten, weil sie von ihrer Hausbank weiterhin Kredite erhalten haben. In der aktuellen Situation sind die Banken bei der Kreditvergabe restriktiver geworden. Sie geben kein Geld mehr, wenn sie merken, dass der Betrieb in der Rentabilitätskrise steckt und nicht wissen, wie lange diese Situation noch anhält. Hart trifft es die metallverarbeitenden Zulieferbetriebe, die modernste Maschinen und hervorragende Mitarbeiter haben. Aber der Umsatz ist durch die Krise im Maschinenbau und in der Automobilindustrie innerhalb kurzer Zeit gewaltig eingebrochen.

Welche Rolle übernimmt die Hausbank?

Wenn der Betrieb einen Liquiditätsengpass hat, braucht er frisches Geld, damit er weitermachen kann. Der Unternehmer geht also zur Bank. Sie prüft, in welcher Phase und in welchem Lebenszyklus der Betrieb steckt, denn sie darf einem insolvenzgefährdeten Betrieb keinen Kredit mehr gewähren. Ansonsten ist sie in der Haftung. Vor einer Kreditgewährung muss eine Bank sorgfältig abwägen, ob der Betrieb den Kredit zurückzahlen kann. Diese Einschätzung ist heute außerordentlich schwierig, und es zeigt sich, wie wichtig eine hohe Eigenkapitalquote ist. Die Betriebe brauchen einen finanziellen Puffer, um schwierige Phasen zu überstehen.

Der Service der Handwerkskammer

Vor einem Bankgespräch kann das Unternehmen die kostenlose Beratung der Handwerkskammer in Anspruch nehmen. Was genau umfasst generell der Kammerservice für Betriebe, die in Not geraten sind?

Ein Betrieb kommt zu uns und lässt sich beraten, weil er Geld braucht. Wir prüfen zunächst, in welcher Situation sich der Betrieb befindet und inwieweit er schon in die Liquiditätskrise geraten ist. Daraus ergeben sich mögliche Ansatzpunkte, die dem Betrieb helfen könnten. Der erste Schritt ist also eine Bestandsaufnahme: Wie hoch ist der Betrieb verschuldet? Wie sehen die nächsten Wochen aus? Kommt Geld rein, wie viel Geld geht ab? Stehen dringend notwendige Investitionen an? So können wir feststellen, wie hoch der Betrag ist, den der Betrieb braucht. Meist ist es wesentlich mehr, als der Unternehmer zuerst angegeben hat. Stellen wir fest, dass der Betrieb insolvenzreif ist, müssen wir ihn auf die Konsequenzen einer Insolvenz, insbesondere auf die strafrechtlichen und haftungsrechtlichen Konsequenzen für Geschäftsführer einer GmbH oder GmbH & Co. KG, hinweisen. Hat der Betrieb jedoch noch einen gesunden Kern und es geht nur darum, einige Monate zu überbrücken, dann helfen wir ihm, einen Geschäftsplan zu erstellen. Darin muss stehen, was er in Zukunft vorhat, damit er den Kredit zurückzahlen kann.

Innerhalb Ihrer Beratung gibt es noch die Möglichkeit, die Servicegesellschaft des Baden-Württembergischen Handwerkstags - die BWHM - mit einzubeziehen. Warum ist das empfehlenswert?

Einen Geschäftsplan auszuarbeiten, vor allem für größere Betriebe, ist eine umfangreiche Arbeit. Da sind wir - vier Berater-Vollzeitstellen für 30.000 Mitgliedsbetriebe - mit unseren Kapazitäten überfordert. Fünf Tage sind schnell für einen Geschäftsplan mit den notwendigen Berechnungen, Rentabilitätsvorschlag und Liquiditätsplanung weg. Deshalb verweisen wir an die freiberuflichen Berater der BWHM, die diese Arbeit im Detail erledigen und mit ihren Kunden zur Bank gehen. Die BWHM bietet neben einem längerfristig angelegten Coaching nun auch ein neues Krisenprogramm an, das drei bis fünf Tage umfasst.

Eine weitere Hilfsaktion ist der Runde Tisch der KfW. Was kann sich ein Unternehmer darunter vorstellen?

Diese Aktion gibt es bereits seit einigen Jahren, bevorzugt in ostdeutschen Ländern und strukturschwachen Gebieten. Betriebe, die in einer schwierigen Lage sind, sollen durch externe Hilfe gerettet werden. Ein Pool von Beratern der KfW wird aktiv. Das Unternehmen muss Daten liefern, damit seine Situation einschätzbar wird. Das erledigt ein Erfassungsbogen, der stark darauf abzielt, wie der Unternehmer verschuldet ist und wie seine derzeitige Situation aussieht. Die Kammer ist als Filter vorgeschaltet um zu urteilen, ob dem Betrieb noch geholfen und er an den Runden Tisch gebracht werden kann - vorausgesetzt, die Hausbank macht mit. Der Berater wird eingeschaltet und hat zirka zehn Tage Zeit, um ein Sanierungskonzept zu erstellen. Billigen Gremium und Hausbank das Konzept, wird es umgesetzt. Die Beratung zahlt die KfW.

 

Beratungsangebot der BWHM

Runder Tisch der KFW


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