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Aktuell - Sonderthema 2009

Krisen vermeiden

Risikoanalysen sind eine gute Vorbeugung

Wenn die Weltwirtschaft einbricht, kann ein einzelner Unternehmer dagegen nichts tun. Er kann aber abwägen, in welchen Geschäftsfeldern er sich künftig vermehrt oder ab sofort weniger stark engagiert. Er kann über die Kooperation mit anderen Unternehmen nachdenken oder in Erwägung ziehen, sein Angebotsspektrum an veränderte Kaufgewohnheiten anzupassen. Doch was immer er plant: Mit einer eingehenden Risikoanalyse lassen sich Entscheidungen besser vorbereiten.

Symbolbild: Krisenprävention
Bild: olly © fotolia.com

Risikoanalysen gibt es in allen erdenklichen Lebensbereichen. Banken entscheiden damit über die Vergabe von Krediten an einzelne Kunden, Computertechniker planen mit ihnen die Sicherheitsarchitektur von IT-Netzwerken, Wissenschaftler strukturieren vor allem im Bereich der Soziologie Versuchsanordnungen mit ihnen vor. Von höchstem praktischem Nutzen sind Risikoanalysen besonders in der Betriebsführung. Dort sind sie ein probates Verfahren, Entscheidungsprozesse vorzubereiten, Perspektiven des eigenen Unternehmens realistisch einzuschätzen, drohende Gefahren rechtzeitig zu erkennen und durch geeignete Strategien auf veränderte Gegebenheiten zu reagieren.
Als systematisches Verfahren gliedert sich eine klassische Risikoanalyse in drei Teilschritte:

  • Risikoidentifizierung
  • Risikobewertung
  • Risikomanagement

Risikoidentifizierung

Zunächst geht es darum, herauszufinden, mit welchen Gefahren ein Unternehmen überhaupt konfrontiert ist. Die können ganz nahe liegen. Eine Schreinerei sollte sich verstärkt mit der Frage befassen, wie gut Lager und Produktionsstätten vor Bränden geschützt sind, eine Konditorei sicherstellen, dass die Frische ihrer Produkte nicht durch Widrigkeiten des Raumklimas beeinträchtigt wird. Es gilt aber auch Faktoren in Erwähnung zu ziehen, die weniger augenfällig sind: Sorgen bestimmte Modetrends dafür, dass bestimmte Warengruppen in absehbarer Zeit nicht mehr verkäuflich sein werden? Ist ein wichtiger Großkunde in Schwierigkeiten geraten und wird er womöglich bald als Abnehmer wegbrechen? Hat sich ein Zulieferer als wenig verlässlich erwiesen und sollte er durch andere Geschäftspartner ersetzt werden? - Die möglichen Risiken sind vielfältig und von Betrieb zu Betrieb höchst unterschiedlich. Denkbare Spannungsfelder sollten aber ehrlich und umfassend ermittelt werden.

Risikobewertung

Dieser zweite Schritt ist das Herzstück der Risikoanalyse. Nun geht es darum, die zuvor ermittelten Risiken zu gewichten. Denn vielleicht ist es weniger schlimm für ein Unternehmen, wenn sich Zulieferer A als nicht besonders verlässlich erweist, während es existenzbedrohend sein könnte, wenn Großkunde B vom Markt verschwindet. Aufgabe der Risikobewertung ist dabei vor allem, die Wahrscheinlichkeit zu ermitteln, mit der ein bestimmtes Risiko eintreten oder ausbleiben dürfte. Also: Sprechen viele Gründe dafür, dass es Großkunde B bald nicht mehr geben wird? Deuten viele Indizien darauf hin, dass eine von uns vertriebene Warengruppe bald keine Käufer mehr findet? Legen viele Anhaltspunkte nahe, dass Lieferant A nicht so verlässlich ist wie andere Lieferanten?

Im Detail gibt es eine ganze Reihe unterschiedlicher Methoden, die zur Beurteilung von Risiken herangezogen werden können. Welche auch immer dabei zum Einsatz kommen mögen: Wichtig ist in der Phase der Risikobewertung, dass nicht nur Eintrittswahrscheinlichkeiten für bestimmte Risiken ausgemacht, sondern auch mögliche Schadenshöhen ermittelt werden. Wenn bekannt ist, in welchem Auftragsvolumen Großkunde B jährlich einkauft, ist auch bekannt, wie viel Geld verloren gehen wird, wenn es diesen Kunden nicht mehr gibt. Weiß ein Unternehmer, wie gut eine bestimmte Warengruppe in der Vergangenheit abgesetzt wurde, muss er aber damit rechnen, dass die Kunden das Interesse an diesem Produkt verlieren, ist für ihn auch ersichtlich, wie viel Gewinn ihm schlimmstenfalls wegbricht.

Somit mündet die Risikobewertung in bezifferbare Schadenshöhen, die mit einem vorhersagbaren Grad an Wahrscheinlichkeit zu befürchten sind - falls das Unternehmen nicht gegensteuert. Das aber kann es im dritten Schritt durchaus versuchen.

Risikomanagement

Dieser letzte Schritt dient dazu, Aktivitäten vorzubereiten, durch die das Unternehmen die Folgen erkannter bestehender Risiken vermindern kann. Das geschieht entweder präventiv, indem das Unternehmen bestimmten Risiken aus dem Weg geht. So kann die Einführung eines neuen Produkts vielleicht abgesagt oder der Bau einer neuen Lagerhalle auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.

Alternativ dazu kann das Unternehmen aber auch korrigierende Maßnahmen einleiten, also Schadensbegrenzung betreiben, wo manche Gefahren schon reale Auswirkungen hatten. Oft werden Kombinationen von präventiven und korrigierenden Maßnahmen die beste Möglichkeit sein, auf veränderte Gegebenheiten zu reagieren.

Die Phase des Risikomanagements sollte von einem oder mehreren Risikomanager(n) gesteuert werden. Nur dann ist sichergestellt, dass das Risikomanagement mit der nötigen Gründlichkeit betrieben wird. Grundsätzlich kann sich ein Unternehmen dabei der Hilfe externer Dienstleister bedienen oder intern eine Arbeitsgruppe gründen oder einen Projektverantwortlichen benennen.

Grenzen der Methode

Risikoanalysen ermöglichen einen nüchternen Blick auf das eigene Unternehmen und auf das Umfeld, in dem es momentan tätig ist. Dadurch lassen sich Gefahren erkennen und Risiken vermindern. Risikoanalysen sind deshalb nicht nur in Krisenzeiten ein wertvolles Planungsinstrument, sondern auch eine empfehlenswerte Grundlage für jede Projektplanung. Die Ergebnisse einer Risikoanalyse liefern Unternehmen außerdem solide Gesprächsargumente für Verhandlungen mit der Hausbank.

Bei allen Vorteilen haben aber auch Risikoanalysen ihre Grenzen. Die grundlegenden Annahmen nach denen Risiken beurteilt werden, sind immer Einschätzungen, die sich auf Ereignisse beziehen, die in näherer oder fernerer Zukunft mit einiger Wahrscheinlichkeit eintreten werden. All diese Ereignisse können aber auch ausbleiben. Deshalb gibt es in jeder Risikoanalyse einen nicht zu unterschätzenden Grad an Unsicherheit und Unwägbarkeit. Risikoanalysen liefern keine Gewissheit. Sie bieten aber Anhaltspunkte und Optionen. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten sollten weitblickende Unternehmer nicht auf diese Optionen verzichten.


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