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Aktuell - Sonderthema 2009

Achterbahnfahrt im Zickzackkurs

Wie ein Sindelfinger Unternehmer abstürzte und weitermachte

Für die Probleme, mit denen Georgios Triantafiloudis einmal zu ringen hatte, bedurfte es keiner Wirtschaftskrise. Die kamen einfach so und hätten ihn beinahe seine Existenz gekostet. Aber eben nur beinahe, denn der Gebäudereinigungsmeister ist aus eigener Kraft wieder auf die Beine gekommen. Seine Geschichte kann Mut machen.

Porträt: Georgios Triantafiloudis
Bild: HwK

Georgios Triantafiloudis ist Der Reiniger. Heute jedenfalls. Doch das war nicht immer so und muss auch keinesfalls immer so bleiben. Die berufliche Laufbahn des Sindelfinger Gebäudereinigungsmeisters hat mehr Ähnlichkeit mit einer Achterbahnfahrt als mit dem Spurt auf einer Zielgeraden. Georgios Triantafiloudis hat viel investiert und sehr viel verloren. Er hat aber auch manches gewonnen. Vor allem Erfahrung.

Am 1. März war es vier Jahre her, dass Georgios Triantafiloudis wieder selbstständig geworden ist. Das Einzelunternehmen, das er führt, ernährt neben seinem Inhaber drei fest angestellte Mitarbeiter und einige Teilzeitkräfte, mal mehr, mal weniger, je nach Auftragslage. Der Bereich, auf den sich der Unternehmer aus Sindelfingen spezialisiert hat, ist die "Unterhaltsreinigung", also die fortlaufende Pflege und Betreuung von Gewerbeimmobilien.

Kfz-Mechaniker war der Beruf, den Georgios Triantafiloudis ursprünglich einmal gelernt hatte, und bis zum Gesellen hat er es darin gebracht. 1989 machte er dann noch eine Lehre, diesmal im Gebäudereinigerhandwerk, wo er nach dem Gesellen- auch noch den Meisterbrief erwarb. Alles lief gut, damals, und weil das so war, machte Triantafiloudis in jenem Unternehmen, das er noch immer seinen "Mutterbetrieb" nennt, gleich noch eine Ausbildung zum Bürokaufmann. Damit verfügte er handwerklich wie kaufmännisch über genug Hintergrund, um den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. So gründete er im Sommer 2000 sein erstes eigenes Unternehmen, scheiterte aber damit. Hatte ihn seine Ehescheidung aus dem Tritt gebracht? Vielleicht. Jedenfalls kehrte Georgios Triantafiloudis vorübergehend wieder in seinen ersten Beruf zurück, arbeitete nochmals als Kfz-Mechaniker und dann wieder als Gebäudereiniger. Ein Zickzackkurs.

Und dann kam das, was besser nicht gekommen wäre. Mit einem Bekannten zusammen witterte er eine Chance, die keine war. Der in Stuttgart ansässige Telekommunikationsdienstleister Alcatel ließ sein bisheriges Hauptgebäude abbrechen. Ein international tätiges Bauunternehmen mit Hauptsitz in Stuttgart verpflichtete ein Abbruchunternehmen aus Esslingen, das Alcatel-Gebäude zu entkernen, und dieses Unternehmen wiederum teilte die Arbeiten unter kleineren Auftragnehmern auf. Georgios Triantafiloudis und sein Bekannter waren solche Auftragnehmer. "Der Auftrag hat einiges kaputt gemacht", sagt Triantafiloudis heute, "an Kapital, an der Gesundheit und auch an Nerven." Der Auftrag nämlich sei "in die Hosen gegangen". So tüchtig, dass die Partner hinterher auf einem Berg Schulden saßen. "Das war eine unfaire Sache. Die haben uns total auseinandergenommen." Während der Abbrucharbeiten weitete sich der Umfang des Auftrags immer weiter aus, während die Bezahlung unverändert blieb. Am Schluss hatten wir Lohnkosten von 135.000 Euro zu bezahlen. Bekommen haben wir aber nur 100.000 Euro." Der Unternehmer fühlte sich über den Tisch gezogen von den Großen. Ein Arbeitsunfall gab ihm den Rest: Auf der Baustelle büßte er einen Teil seinen linken Mittelfingers ein und konnte drei Monate lang nicht mehr arbeiten.

"Es ist wichtig, alles zu dokumentieren"

Georgios Triantafiloudis stand bei Null. Einige Forderungen waren noch offen, doch seine Verbindlichkeiten übertrafen sie bei Weitem. Wenn er auf diese Zeit zurückblickt, weiß er, was damals am schlimmsten für ihn war. Nicht das Geld, das ihm fehlte: "Was ganz arg schwierig ist, ist dieses emotionale Alleinesein! Man findet keine Ruhe, man kann auch keinen normalen Gedanken fassen." Genau das konnte er dann aber doch: "Es ist wichtig, alles zu dokumentieren: Wie viele Verbindlichkeiten habe ich, was ist da an Forderungen? Und was brauche ich zum Leben?" Nur schönrechnen dürfe man nichts, sagt Triantafiloudis, sonst werde alles noch viel schlimmer. "Danach weiß ich dann, dass ich entweder mehr arbeiten muss oder meine Kosten reduzieren."

Das mit dem Kostenreduzieren war leichter gesagt als getan. Denn nach der Scheidung von seiner ersten Frau war er für sie und ein gemeinsames Kind unterhaltspflichtig geworden, die Pleite mit dem Alcatel-Auftrag lastete schwer auf ihm und seinem Konto, und den einen oder anderen Fehler machte er auch noch. "Ja, jetzt im Nachhinein weiß ich es", antwortet der Unternehmer, wenn er heute gefragt wird, ob er seinerzeit nicht die kostenlose Betriebsberatung der Handwerkskammer hätte annehmen sollen. Damals allerdings wusste er von ihr ebenso wenig wie von der Existenz einer Bürgschaftsbank, die ihn vielleicht vor seiner Hausbank kreditwürdig gemacht hätte. Georgios Triantafiloudis allerdings wusste sich nur durch Arbeit, Arbeit und noch mehr Arbeit zu helfen. Deshalb war ihm auch klar, dass er es erneut als Unternehmer versuchen musste: "Als Angestellter hätte ich es nicht geschafft mit den Schulden." Also sagte er sich "Ich ziehe das durch. Man braucht ein starkes Ego." Das hatte er wohl, und machte seinen Neubeginn auch noch an einer symbolischen Handlung fest: "Ich habe aufgehört, zu rauchen. Ich habe die Zigarette ausgedrückt und dann nie wieder geraucht!"

Dazugelernt - in jeder Hinsicht

Wenn es einem Unternehmen schlecht geht, sagt der Sindelfinger Unternehmer im Nachhinein, gibt es eigentlich nur einen, der den vollen Überblick hat: "Das ist die Bank. Meine Hausbank hat mir damals das Leben gerettet." Das klingt dramatisch. Was die Bank getan hat: Sie erhöhte den Dispokredit. Trotz aller Dankbarkeit hätte sich Georgios Triantafiloudis aber mehr Beratung gewünscht. "Es wäre schön gewesen, wenn einer von denen gesagt hätte: Setz dich mal, wir reden miteinander." Das blieb aus. Weiter ging es trotzdem. Ganz langsam. Mit einem neuen Unternehmen, das er 2005 gründete. So nach und nach habe er das dann "hochgepäppelt".

In der Zukunft möchte Georgios Triantafiloudis einiges besser machen. Im Januar 2009 hat er deshalb einen Turbokurs an der Akademie des Handwerks in Stuttgart-Weilimdorf belegt. Damit will er dieses Jahr den Betriebswirt im Handwerk schaffen. Sein Ziel ist auf lange Sicht aber nicht mehr die Selbstständigkeit. Lieber würde er im Angestelltenverhältnis arbeiten: Facility-Management, Controlling, Betriebsleiter - mal sehen. Dazugelernt hat er jedenfalls im Laufe der Jahre. Betriebswirtschaftliche Fehler? Ja, die habe es gegeben: "Von mir auch persönlich!" Aber wenn er das Wissen von heute damals schon gehabt hätte, das Wissen aus den Seminaren in der Akademie und das Wissen aus seinen schmerzhaften Erfahrungen, dann hätte er einiges ganz anders gemacht, sagt er.

Wenn er heute erzählt, dass er sich beruflich verändern werde, dann meint Georgios Triantafiloudis damit auch, dass er künftig mehr Zeit für die Familie haben will. "In der Vergangenheit habe ich viel mit meiner jetzigen Frau gekämpft. Man fügt in so einer Situation dem anderen wirklich viel Leid zu mit seinen Launen, mit seinen Depressionen, und erkennt das gar nicht. Später lebt man immer noch mit diesen Ängsten, obwohl sie gar nicht da sein sollten." Georgios Triantafiloudis hat sich finanziell konsolidiert, betriebswirtschaftlich neues Wissen erworben und ein neues Unternehmen aufgebaut. Jetzt arbeitet er an seinem momentan wichtigsten Projekt: "Mehr Zeit für die Familie!"


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