Aktuell - Sonderthema 2/2003
Metallbau Bößenecker
Ein Porträt
Dass Mülltrennung finanziell positiv zu Buche schlagen kann, wissen all jene, die eine gute Mülltrennung praktizieren. Die Firma Metallbau Bößenecker trennt auf engstem Raum zehn Abfallarten. Ihre ausgeklügelte Abfalltrennungspraxis erfüllt die gesetzlichen Anforderungen locker, wie Geschäftsführer Hans-Peter Fried zeigt.

Herr Fried, wie und was trennen Sie?
Wir trennen zehn Abfallarten. Da unsere Firma viel mit Alu und Glas arbeitet - wir stellen Wintergärten her und arbeiten viel im Wohnbereich, bauen Fenster, Türen ein - fällt bei uns viel Alu und Glas an. Die Alu-Träger werden in meterlangen Paketen angeliefert. Die Folien und Kartonagen, mit denen sie umhüllt sind, kommen in den Kunststoffsack oder in den Kartonagen-Container. Bei uns im Hof stehen je ein Alucontainer, ein Stahlcontainer, eine Deckelmulde für Glas, ein Umleerbehälter für Kartonagen und Papier und ein Container für Restmüll. Steine und Aufbruch werden recycelt. Außerdem sammeln wir die Sprühdosen vom Montageschaum. Holz und Paletten sowie Fensterrahmen sammeln wir auf einer Freifläche; für Sträucher haben wir eine Kompostieranlage.
Seit wann betreiben Sie Ihre Mülltrennung so mustergültig?
Bis vor etwa 12 Jahren hatten wir nur zwei Sammelbehälter: einen für Alu und den anderen für Restmüll. Kunststoffabfall, alte Fenster oder Schutt gingen damals noch in den Restmüll. Sukzessive haben wir unsere Mülltrennung spezialisiert: erst Alu und Stahl, dann das Holz, dann das Glas. So haben wir den Restmüll von der Menge her kräftig reduziert.
Wie lief die Umstellung in Ihrem Betrieb?
Die Änderungen auch im Verhalten durchzusetzen war schwierig und dauerte seine Zeit. Die Mitarbeiter kommen abends herein und müssen daran denken, dass nicht wie bisher alles an der gleichen Stelle landet, sondern dass man es trennt. Das eine hat hier seinen Platz und das andere da. Wenn das einmal eingespielt ist, dann läuft es von allein. Heute funktioniert es sehr gut, denn die Mitarbeiter machen mit.
Welche Nachteile sehen Sie?
Wenn man sich die Sache von der Arbeitszeit her anschaut, sieht man vor allem den Mehraufwand. Auf der anderen Seite hat man Wertstoffe oder andere Abfallarten, die von der Entsorgung her billiger sind. Dass man nicht alles in den Restmüllcontainer entsorgt, macht sich im Gesamtkostenvolumen bemerkbar. Von daher hat die Mülltrennung betriebswirtschaftlich Sinn. Der Nachteil ist, dass acht, neun, zehn Abfallsorten im Hof stehen. Für jede braucht man einen Behälter, der von der Größe her irgendwo optimiert werden muss. Wenn der leer steht, nimmt er eben Arbeitsfläche weg.
Wie funktioniert die Entsorgung?
Die meisten Abfallsorten werden selbst abgeholt - Altlacke zum Beispiel. Durch die Stadt oder ein Restmüllmobil. Samstags gibt es für uns die Möglichkeit, das bei der Stadt abzugeben. Die Müllunternehmen stellen uns den Container zur Verfügung. Wir rufen dann an, wenn der Container voll ist. Der Zyklus ist ja nicht immer gleich. Im Normalfall kommen sie am gleichen oder am nächsten Tag und holen das ab. Stahl kostet etwas mehr durch den Aufwand. Aber das Glas über den Restmüllcontainer zu entsorgen, wäre um einiges teurer. Auch bei Holz ist es günstiger, zu trennen. Das heißt, wenn man die Abfallsorten separat abholen lässt, kommt man am Ende günstiger. Das ist Tatsache.
Welchen Regelungen sind Sie unterworfen? Wieviel können Sie frei gestalten?
Nehmen wir zum Beispiel die Regelung vom Land. Für PU, PE und PVC hatten wir zwei grüne Großtonnen, die etwa 500 Liter fassten. Dann wurden plötzlich die Preise erhöht und man zahlte richtig Geld dafür. Deshalb ließen wir diese Tonnen abholen und haben wir jetzt zwei Kubikmeter große Plastiksäcke für den Kunststoffabfall. So betreiben wir trotzdem eine vernünftige Mülltrennung und verhalten uns ökologisch vernünftig. Abgeholt wird das vom gleichen Entsorger, der auch unseren Alu- und Stahlschrott abholt: Der entsorgt das separat und ist wesentlich günstiger. Da muss man schauen. Die Müllverwertung ist eben eine Branche, die natürlich auch versucht, entsprechend Gewinn zu erwirtschaften.
Wie schwierig war die Suche nach geeigneten Entsorgern?
Nicht sehr schwierig. Dafür haben wir einen Mitarbeiter, der mit den Firmen Kontakt aufgenommen hat. Die Entsorgungsfirmen schicken von sich aus Mitarbeiter. Von der Sache her haben wir uns nicht allein gelassen gefühlt. Da gibt es ja einen Markt, an dem von seiten der Entsorger Interesse besteht - und die beraten ihre Kunden. Die Frage ist natürlich, welche Container optimal sind vom Müllaufkommen und vom Platz her. Das ist schwer zu schätzen, das sind dann Erfahrungswerte.
Ihre Tipps in puncto Abfallentsorgung für andere Handwerksbetriebe?
Bei der Suche nach einem Entsorger zwei bis drei Unternehmen prüfen und sich nicht nur von einem beraten lassen. Preise vergleichen. Dann bekommt man ein Gefühl dafür. Am besten beim Restmüllentsorger anfangen - Restmüll fällt ja bei jedem Betrieb an. Wie gesagt - der Knackpunkt ist der Platz. Eine ordentliche Mülltrennung erfordert auch ihre Platzreserven. Und die Gewohnheit der Mitarbeiter: hier muss sich Mülltrennung praktisch bewähren.




