Handwerkskammer Region Stuttgart

Zum Bereichsmenü [N] | Zum Inhalt [C]

 


Aktuell - Sonderthema 3/2001

Ein fortschrittlicher Dinosaurier

Norbert Schempp, Geschäftsführer der Schempp Bestandserhaltung und Sanierung, Korntal-Münchingen sowie der Schempp Buch- und Graphikrestaurierung, Kornwestheim

Norbert Schempp, Jahrgang 1965, Lehre von 1982 bis 1984, während der Gesellenzeit auch im Institut für Buch- und Handschriften-Restaurierung tätig, 1987 bis 1988 Meisterschule im Buchbinderhandwerk, 1988 Meisterbrief, 1989 Gründung der Buch- und Grafikrestaurierung Schempp und 1995 Zertifikat als Restaurator im Buchbindehandwerk. Das waren einige der nackten Fakten. Und selbst die sind noch nicht vollständig.

Dokumentation: Norbert Schempp

Zumindest käme noch hinzu, dass er drei erfolgreiche Unternehmen gegründet hat, eines davon hat er seinem damaligen Kompagnon überlassen. Bleiben also zwei: Schempp Buch- und Graphik-Restaurierung sowie Sanierungs- und Bestandserhaltung. "Den Buchbindern geht es wie den Dinosaurieren, sie sterben aus", sinniert Meister Schempp.

Dokumentation: Firma Schempp

Deswegen hat sich der Unternehmer aus Korntal-Münchingen viel einfallen lassen. Und das mit Erfolg: 1994 gewann er den 1. Preis im Gründer-Wettbewerb des handwerk magazin und 1996 dann nochmals den gleichen Preis. Buch- und Grafik-Restaurierung sowie Bestandserhaltung und Sanierung, daneben auch Konservierung, sind sein Metier.
Modernste Hightech gehört genauso zu seinem Repertoire wie Naturleim ohne jede Chemie. Zerfallsbedrohtes Papier, egal ob von Hand beschriftet oder bedruckt - er restauriert und konserviert, er stoppt den Zerfall aufgrund Säuregehalts, Schimmelschadens oder Wasser. Und selbst bei Brandschäden rettet er, was noch zu retten ist. Einscannen von Drucken und Handschriften ist noch die kleinste Übung, bereits Routine. Massenverfahren zur tonnenweisen Papierentsäuerung oder gar Gefriertrocknung nach Wasserschäden sind schon viel spezieller. Und genau das sind Schempps Stärken: außergewöhnliche Problemlösungen rund ums beschriebene oder bedruckte Papier.

Angst, dass ihm das Geschäft ausgehen könnte, hat Norbert Schempp nicht. Fraglich ist jedoch, ob genügend Geld für den Schutz der Kulturgüter, Handschriften und Bücher vorhanden ist und investiert wird. Eine von Schempp entworfene Lösung der Konservierung ist die CAD-Karton-Verpackung, die wie ein Maßanzug um das Schriftgut gekleidet wird. Wieder eine Schempp-Idee.

Der Meister seines Fachs ist allerdings mit dem Handwerk aufgewachsen. Schon sein Vater war Restaurator und Buchbindermeister, der den Grundstock für den Betrieb bereits 1956 legte, die Buchbinderei Eugen Schempp. Papa Schempp stand zudem in Diensten der Württembergischen Landesbibliothek, wo es in Sachen bedruckte Kulturgüter jede Menge zu tun gab. "Mit der klassischen Sortiments-Buchbinderei lässt sich kein Blumentopf gewinnen", unterstreicht Norbert Schempp. Überhaupt müsse sich ein Jungunternehmer im Handwerk etwas einfallen lassen.

 
Was, Herr Schempp, sollten Existenzgründer beachten?

Norbert Schempp: Sie sollten vor allem ihre Ideen und Entscheidungsprozesse kritisch begleiten und von anderen Personen auf Erfolgsaussichten prüfen lassen. Dazu gehört der Rat der Handwerkskammer genauso, wie die Prüfung durch Banken und Steuerberater sowie andere Experten. Die Schwierigkeiten liegen nämlich meistens außerhalb des eigenen Fachgebietes. So kann schon die Rechtsform des Unternehmens, etwa eine GmbH, einige Tücken ausweisen, die man kennen muss. Die eigenen Ideen realistisch, im Zweifel sogar etwas pessimistisch, einschätzen ist besser als mit blauäugigem Optimismus und Euphorie ans Werk zu gehen. Im Zweifel lieber vorsichtig sein, und nochmals: Externe Berater sind sehr, sehr wichtig.

Mit welchen Schwierigkeiten, Herr Schempp, ist zu rechnen?

Norbert Schempp: Es gibt eine Fülle von Schwierigkeiten. So ist beispielsweise der Faktor Freizeit zu bedenken, denn an einen Acht-Stunden-Tag ist nicht zu denken.

Dabei ist die physische Belastung eine geringere Hürde als die psychische. Und es kommen Dinge, die man nicht erwartet oder völlig anders eingeschätzt hätte. Der Staat und die Verwaltung machen einem das Leben nicht leichter. Krankenkasse und Renten- sowie Sozialversicherung bergen weitere Überraschungen. Vieles wird nicht so einfach, wie man es sich denkt. Deswegen sollten entsprechende Unterstützungen genutzt werden.

Wie beurteilen Sie die Chancen heute?

Norbert Schempp: Wenn ein Existenzgründer flexibel ist, dann besteht nach wie vor Aussicht auf Erfolg. Kreativität und viel Durchstehvermögen sind weiteres Rüstzeug auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Ich habe seinerzeit aus Tradition und aus gewisser Unkenntnis heraus begonnen, habe den Schritt jedoch nie bereut. Die Möglichkeit selbst zu gestalten, ist mir besonders wichtig. Und für wen dies Bedeutung hat, der hat kaum eine andere Möglichkeit als eine selbstständige Existenzgründung.

Text und Fotos: Jörg Stimpfig, werkzeugforum.de


Seite ausdrucken Seite weiterempfehlen Zum Seitenanfang


Service-Telefon: 0711 1657-0
 

Imagekampagne




 

Aktuell

Interner Link zur Seite InfoStream

Unter dem Namen InfoStream verschickt die Kammer jeden Freitag ihren kostenlosen Newsletter.
InfoStream



InfoStream Anmeldung



 

Termine

Veranstaltungen der Handwerkskammer
 

Social Media

follow

Die Kammer zwitschert täglich mit. Folgen Sie uns doch einfach auf "Twitter".
folgen



Facebook

Auch auf Facebook ist die Kammer zu finden. Vernetzen Sie sich doch einfach mit uns!
Fan werden




Kontakt | Impressum | Datenschutzhinweis | Newsletter | Servicezentrum | Inhaltsverzeichnis | Extranet


Zum Seitenanfang | Zum Inhalt

Weitere Stichworte zum Thema Aktuell - Sonderthema 3/2001:

Sonderthema 3/2001 Existenzgründung Betriebsübernahme Erfolgsgeschichten Norbert Schempp

Archiv mit älteren Beträgen der HWK-Startseite