Aktuell - Sonderthema 3/2002
"Scheu vor dem Unbekannten ablegen"
Erfahrungen und Empfehlungen eines Netzwerkers
Manfred Müller, Vorstand der BIEGE 21, kennt sich mit Kooperationen bestens aus. Das 1988 gegründete Unternehmen hat zahlreiche nationale und internationale Bauprojekte wie den Themenpark auf der EXPO 2000 und auf der großen Schweizer Landesausstellung EXPO.02 abgewickelt.
"Flexibilität ist Trumpf", weiß Müller und hat ein engmaschiges Netzwerk aus qualifizierten Unternehmen und Experten verschiedener Fachgebiete aufgebaut.
Stehen Handwerksbetriebe Kooperationen reservierter gegenüber als andere Branchen?
Müller: Handwerksfirmen tun sich schon etwas schwerer als Unternehmen in anderen Branchen. Das liegt zum einen an der Struktur der Betriebe, zum anderen an der mangelnden Erfahrung. Hier ist noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Die muss allerdings weniger theoretisch als vielmehr praktisch im Sinne eines Coachings erfolgen. Drucksachen und Bücher zum Thema gibt es genug.
Wann sind Kooperationen sinnvoll?
Müller: Kooperationen bieten die Chance, aus mehreren Kleinen einen Großen zu machen. Mit "Größe" verbinde ich drei positive Effekte: wachsende Kompetenz der Partner, mehr Effizienz für alle Beteiligten und die Fähigkeit, neue Aufträge zu generieren, also neue Potenziale zu öffnen.
Was macht Kooperationen erfolgreich?
Müller: Es gibt eine ganze Reihe von strukturellen und technischen Voraussetzungen. Kapazitäten, Methoden, Verfahren, Gerätschaften müssen zu einander passen. Aber am wichtigsten ist: Man muss Wollen wollen! Ehrliches Engagement, Fairness und Teamgeist sind entscheidend. Man muss sich auf Termine, Preise und Qualitätszusagen blind verlassen können.
Also verlangen Kooperationen zunächst Investitionen?
Müller: Ja, aber weniger im finanziellen Bereich. Im Wesentlichen braucht es Zeit. Zeit für Meetings, für Planung und Abstimmung, für die gegenseitige Unterstützung bei der Akquisition. Diese Aufgaben können nicht nebenbei und deshalb halbherzig erfüllt werden. Die Zusammenarbeit erfordert stetigen Einsatz, etwa einen Kooperations-Manager.
Viele Kooperationen erfordern eine neue Rechtsform. Worauf sollten Betriebe achten?
Müller: Nicht jede Rechtsform wird von jedem Auftraggeber akzeptiert, da die Haftung je nach Unternehmensform unterschiedlich geregelt ist. Für den Auftragnehmer bieten GmbH und AG, also Kapitalgesellschaften, die geringste direkte Haftung. In jedem Fall sollten sich Handwerksbetriebe fachkundigen Rat einholen.
Auch wenn es offensichtlich keine Patentrezepte gibt, was können Sie Handwerksbetrieben empfehlen?
Müller: Legen Sie die Scheu vor Unbekanntem ab! Suchen Sie nach geeigneten Partnern und beginnen Sie mit risikoarmen Projekten. Lassen Sie sich nicht von einem Misserfolg entmutigen, sondern analysieren Sie, woran es gelegen hat. Der Aufbau funktionierender Kooperationen braucht Zeit.
Ich empfehle aber auch, dass sich Handwerksfirmen - am besten mit Unterstützung der Kammern - über die Marktentwicklung informieren. Ohne entsprechende Marktpotenziale nützt auch die durch Kooperation gewonnene Größe nichts.




