Handwerkskammer Region Stuttgart

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Aktuell - Sonderthema 3/2002

Vielfalt ist Trumpf

Kooperationen bewähren sich in vielen Branchen

Genossenschaften gehören zu den traditionellen Kooperationen, die kleine und mittlere Unternehmen eingehen. Ein gemeinsamer Auftritt bringt Kostenvorteile bei Beschaffung und Vertrieb. In den letzten Jahren wurden neue und weitaus komplexere Formen der Zusammenarbeit entwickelt.

Symbolbild: Klassiker & Trends

Einkauf

Einkaufsgemeinschaften zählen zu den Klassikern unter den Kooperationsformen. Sie bieten kleinen und mittleren Unternehmen die Chance auf vergleichsweise günstige Konditionen bei der Beschaffung. Weitere Vorteile sind die Zeitersparnis durch Bündelung der Aktivitäten sowie die Erweiterung des Sortiments. So kann die Wettbewerbsposition gegenüber größeren Konkurrenten verbessert werden.

Vertrieb

Ebenfalls weit verbreitet sind Vertriebskooperationen. Dieser Typus fasst mit Verkauf, Werbung und Service drei zentrale Aufgaben zusammen. Entsprechend inhomogen und facettenreich ist die Praxis. Die Palette reicht von der projektbezogenen Bietergemeinschaft über gemeinsame Marketingaktionen bis hin zum Vertrieb baugleicher Produkte unter den etablierten Marken der einzelnen Partner oder gemeinsame Kundendienste. Neben den Kosteneinsparungen zählen die durch das erweiterte Angebot an Produkten und Dienstleistungen verbesserten Marktchancen und die Akquisition von Neukunden zu den Vorteilen der Vertriebskooperationen.

Leistungen aus einer Hand

Wer baut, modernisiert oder renoviert, lernt als Kunde viele Handwerke kennen. Immer mehr "Häuslebauer" verlangen allerdings Komplettleistungen der Bau- und Ausbaufirmen nach der Formel "Ein Ansprechpartner für sämtliche Arbeiten". Weiter wächst die Nachfrage nach zusätzlichen Dienstleistungen und Services. Dazu zählen die umfassende Beratung zu Energieeinsparmöglichkeiten, finanzieller Förderung und Versicherungsleistungen. Der Trend zur Kooperation im Bau- und Ausbaubereich hat sich in den letzten Jahren fortgesetzt. Verbünde verbesseren ihre Marktposition nicht zuletzt durch den internen Know-how-Transfer. Dieser eröffnet mehrere Möglichkeiten. Zum einen werden hohe Qualitätsstandards verbindlich eingeführt, zum anderen kann das Angebotsspektrum erweitert werden.

Produktion

Produktionskooperationen zielen grundsätzlich auf zwei Aspekte ab: die Verringerung der Fertigungs- und Personalkosten und die gleichmäßige Auslastung der vorhandenen Kapazitäten. Die Partner können so flexibel auf Marktchancen reagieren, ohne Überkapazitäten aufzubauen. Einen weiteren Vorteil bringt die Erweiterung des Produktspektrums bei höherer Qualität.

Völlig neue Wege geht das viel diskutierte und mehrfach ausgezeichnete Kooperationsprojekt Koncraft - Virtuelle Schreinerei. An dem Verbund beteiligen sich fünf Unternehmen aus dem süddeutschen Raum. Koncraft tritt gemeinsam gegenüber Zulieferern auf, betreibt einen Internetauftritt sowie eine internetgestützte Datenbank. Dieser Wissenspool enthält sämtliche produktionsrelevanten Daten der Unternehmen, die allen Partner zugänglich sind.

E-Kooperation

Die modernen Informations- und Kommunikationstechnologien verändern interne Arbeitsabläufe und Kundenbeziehungen gleichermaßen. Produktinformationen und technisches Know-how können ohne zeitliche und räumliche Begrenzung verfügbar gemacht werden. Kommunikationsprozesse zwischen Unternehmen und Unternehmen oder Unternehmen und Kunde werden durch das Internet revolutioniert. E-Kooperationen nutzen dieses Potenzial durch Internetpräsenzen und Online-Shops, zum Wissenstransfer und zu neuen Serviceangeboten.

Heute ist wohl kaum noch irgendeine Kooperationsform im Handwerk denkbar, die nicht zugleich auch über eine E-Komponente verfügt. Einkauf, Vertrieb, Komplettlösungen oder die Verteilung von Produktion auf mehrere Firmen sind bereits aus Kostengründen auf den schnellen Austausch von Informationen angewiesen. Kundenerwartungen haben sich verändert. Die Anforderungen an Handwerksbetriebe in punkto Erreichbarkeit, Servicezeiten und Information sind geeignet, die rasante Entwicklung der elektronischen Medien zu belegen.

Udo Steinort


Koncraft - Virtuelle Schreinerei


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