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Aktuell - Sonderthema 3/2002

Arbeitskreis Ludwigsburger Bauhandwerker (A. L. B.)

Spezialisierung als Perspektive

"Leistungen aus einer Hand sind mittlerweile Standard in der Baubranche" - für Bernd Kirnbauer, Geschäftsführer des Arbeitskreises Ludwigsburger Bauhandwerker (A.L.B.), ein Anlass, den eingespielten Verbund auf mehreren Feldern weiter zu entwickeln. Mit neuen Produkten und einer verbesserten Ablauforganisation will der A.L.B. auch in Zukunft bestehen.

Symbolbild: Arbeitskreis Ludwigsburger Bauhandwerker

Eine Idee hat sich durchgesetzt. Was Ende der 70er Jahre noch als innovatives Konzept in der Baubranche galt - daran orientiert sich heute der gesamte Markt: Bau- und Renovierungsprojekte aus einer Hand, auf der Grundlage eines gemeinsamen Angebots, mit verbindlichen Terminen. Kunden fragen mehr als nur die hochwertige handwerkliche Ausführung nach, sie wünschen einen reibungslosen und bequemen Ablauf der Baumaßnahmen, an denen verschiedene Gewerke beteiligt sind.

Eben die mangelhafte Kommunikation zwischen den beteiligten Firmen und nicht eingehaltene Terminabsprachen seien zwei Argumente für die Gründung des A.L.B. gewesen, erinnert Bernd Kirnbauer. Hinzu kamen Qualitätsprobleme in der Zusammenarbeit der Gewerke. "Die Lösung bestand darin, die Abläufe zu ändern", fasst der Schreinermeister das A.L.B.-Konzept zusammen.

Dokumentation: Bernd Kirnbauer

Heute bietet der A.L.B. unter der Überschrift "Bauleistungen aus einer Hand" eine umfassende Produktpalette an. Bis zu zwölf verschiedene Gewerke arbeiten im Verbund. Die Leistungen können entweder einzeln oder über den A.L.B. als Generalunternehmer abgerufen werden. Auch Kooperationen mit anderen Handwerksbetrieben sind möglich. Hinzu kommen weitere Dienstleistungen im Vorfeld eines Bauvorhabens, wie zum Beispiel zu Planungs- und Genehmigungsfragen.

Welche Anforderungen sich in der Praxis stellen können, erläutert Kirnbauer an einem früheren Auftrag: Umbau einer Unternehmenskantine während des ganz normalen Vollbetriebs mit rund 4000 Essen pro Tag. "Hier sind reibungslose Abläufe zwischen den Gewerken und termingenaues Arbeiten Pflicht. Und das bieten wir mit unserem Verbund an."

Kooperationen erfordern Umdenken

Bernd Kirnbauer ist seit 1982 im A.L.B. engagiert, seit 1989 als dessen Geschäftsführer. Eine langjährige Erfahrung mit Kooperationen. Es komme vor allem auf das Engagement der Partner an, zumal die ersten Jahre im Verbund aus wirtschaftlicher Sicht nicht lukrativ gewesen seien. "Durch den Zusammenschluss sind die Kosten gestiegen", sagt Kirnbauer. Wer Leistungen aus einer Hand anbiete, müsse viel Zeit aufbringen.

Nicht alle beteiligten Firmen waren dazu in der Lage. Aus diesem Grund hat sich die Zusammensetzung des Verbundes verändert. Bei der Auswahl der Partner müsse darauf geachtet werden, dass Konkurrenzsituationen vermieden werden, empfiehlt Kirnbauer. Die praktische Konsequenz im A.L.B.: jedes Gewerk wird nur durch einen Betrieb repräsentiert. Auch zur Frage, über welche betrieblichen Voraussetzungen die Partner verfügen müssen, haben die Ludwigsburger Bauhandwerker ihre Erfahrungen gemacht. Bernd Kirnbauer ist sich sicher: "Kooperationen eignen sich nicht als Rettungsanker für schwächelnde Firmen." Der durch den Verbund erreichte Umsatz sollte bei den einzelnen Unternehmen 15 Prozent nicht überschreiten. Mehr würde sich als problematisch erweisen. Die Terminsicherung sei nur möglich, wenn die Betriebe über "genügend Luft" verfügten.

Absolute Termintreue und die Bereitschaft, die vereinbarten Spielregeln einzuhalten, gehören ebenfalls zum Fundament des A.L.B. Allerdings mussten diese Grundlagen erst einmal erarbeitet werden. Mit dem Eintritt in eine Kooperation verändere sich auch die Selbstständigkeit des einzelnen Handwerksbetriebes, so Kirnbauer: "Die Mehrheit entscheidet. Über die Ziele des Verbundes wie über den Weg dorthin." Bei aller Routine seien deshalb regelmäßig kritische Phasen zu durchlaufen. Da sei es völlig gleich, ob es sich konkret um eine neue Werbekampagne oder um die Preisgestaltung handele, weiß Kirnbauer.

Der eigene Betrieb, dazu noch die Arbeit des Geschäftsführers des A.L.B - wie verteilt sich der persönliche zeitliche Aufwand? In etwa zu gleichen Teilen, schätzt Kirnbauer: "50 Prozent für den eigenen Betrieb, 50 Prozent für den Verbund." Es sei letztlich eine Frage der Organisation.

Strukturen verändern, neue Produkte entwickeln

Um die Zukunft des A.L.B. in der hart umkämpften Baubranche sicher zu stellen, will sich der Verbund neu ausrichten. Das Konzept "Ein Ansprechpartner für verschiedene Gewerke" soll modifiziert werden. Künftig werden die verschiedenen Bauleistungen sieben Produktgruppen zugeordnet. Für jede dieser Gruppen stehen Ansprechpartner zur Verfügung. "Somit wird der A.L.B in Zukunft über mehrere Kontaktbüros verfügen", erläutert Bernd Kirnbauer. Vorteil für die Kunden: Von Anfang an stehen die jeweiligen Spezialisten beispielsweise für Dach- oder für Fassadenarbeiten zur Verfügung. Vorteil für die beteiligten Unternehmen: Kosteneinsparungen durch eine standardisierte Produktpalette, die als Preisvorteil weiter gegeben werden können.

Außerdem plant der A.L.B., sich in ein neues Marktsegment zu bewegen. Das aktuelle Projekt heißt Zukunftsorientiertes Bauen und befasst sich mit dem Anforderungen an behindertengerechten Wohnraum. Kirnbauer skizziert die typische Ausgangssituation: "Wir erhalten einen Anruf: 'In zwei Wochen kommt mein Mann aus dem Krankenhaus und ist ein Pflegefall.'" Hier komme es auf Flexibilität und eine reibungslose Zusammenarbeit der Gewerke an. Die entsprechenden Produkte werden zurzeit erarbeitet und in einem Geschäftsplan formuliert.

Als weiteres Etappenziel soll die Zertifizierung sowohl des Verbundes als auch der einzelnen Partnerfirmen angegangen werden. Ein unverzichtbares Projekt, so Kirnbauer, denn ohne diesen Qualitätsnachweis sei es heute kaum noch möglich, Gewerbekunden zu gewinnen oder an Aufträge der öffentlichen Hand zu kommen.

Udo Steinort/stichwortmedien


Arbeitskreis Ludwigsburger Bauhandwerker


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