Handwerkskammer Region Stuttgart

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Aktuell - Sonderthema 3/2002

Schwäbischer Handwerker Verbund (SHV)

"Man braucht Meilensteine, immer wieder neue Ziele"

Im Jahr 1999 fiel der Startschuss für das Kooperationsprojekt "Schwäbischer Handwerker Verbund" (SHV). Neun Spezialisten für Bau- und Renovierungsarbeiten aus der Region Stuttgart wagten den Schritt auf unbekanntes Terrain.

Symbolbild: Schwäbischer Handwerker Verbund

Die Firma Müller Fensterbau GmbH aus Bad Cannstatt gehört zu den Initiatoren. Geschäftsführer Dieter Müller zieht ein positives Fazit der vergangenen drei Jahre. Allerdings erfordere ein solches Projekt mehr als eine gute Idee. Ein Kooperationsverbund sei eben kein Selbstläufer, weiß Müller: "Man muss permanent schieben."

Erste Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Bereits im zweiten Jahr seines Bestehens wurde der SHV vom Bundesministerium für Bildung und Forschung für innovative Dienstleistungen im Handwerk ausgezeichnet. Als preiswürdig galten die gezielte Vorbereitung des Projektes, das strategische Konzept des Handwerker Verbundes und die Umsetzung in einem virtuellen Netzwerk. Müller, der Glasermeister und zugleich Betriebswirt ist, bringt diese Fachterminologie auf den entscheidenden Punkt: "Wir bieten einen Ansprechpartner für mehrere Gewerke und ein umfassendes Dienstleistungsangebot beispielsweise zum Thema Energieeinsparung. Dieser Service entlastet unsere Kunden und wird als Vorteil honoriert."

Dokumentation: Dieter Müller

Auch für den SHV waren zunächst veränderte Kundenerwartungen und die potenziellen Kosteneinsparungen die Impulsgeber, den Kooperationsverbund zu gründen, erinnert sich Müller. Zugleich sollte eine strategische Neuorientierung vorgenommen werden, um neue Geschäftsfelder zu erschließen. Die Wettbewerbssituation der einzelnen Handwerksbetriebe im Bau- und Ausbaubereich um gewerbliche Kunden gestaltet sich bei wachsendem Kostendruck zunehmend schwierig. So sind kleine und mittlere Unternehmen nur selten in der Lage, an lukrativen Großprojekten teilzuhaben. Für die SHV-Mitglieder war klar: Neue Ideen sind gefragt.

Ein klares Kompetenzprofil entwickeln

Der SHV hat an den Alternativen gearbeitet und präsentiert sich mit einem konturierten Geschäftsprofil. Seine Kompetenz liegt auf den Gebieten Energieeinsparung sowie dem behinderten- und seniorengerechten Bauen. "Wir konzentrieren uns mit unseren Dienstleistungsangeboten auf die veränderten Bedürfnisse der Privatkunden", erläutert Müller. Ein entscheidendes Kriterium für die Auftragsvergabe bei Bau- und Renovierungsvorhaben sei die umfassende Beratung zur Finanzierung und Fördermitteln sowie zur Energieeinsparung. Bewährt habe sich die Zusammenarbeit mit dem Energie-Beratungs-Zentrum Stuttgart e.V. (EBZ), einer Initiative der Stuttgarter Kommunalverwaltung. Der gemeinnützige Verein berät Hausbesitzer, Mieter und Handwerker zu allen Fragen rund um den Energieverbrauch. Erhalte der SHV einen Auftrag, würden die Beratungskosten den Kunden rückvergütet. Dieter Müller ist von den Vorteilen dieses Angebots überzeugt: "Bei der EBZ erhalten die Kunden eine unabhängige Beratung auf dem neuesten technischen Stand, wir bieten die termingerechte und qualitativ einwandfreie Ausführung."

Kooperation als Entwicklungsprozess gestalten

"Kooperation bedeutete in unserem Fall, die zehn Einzelstrategien der Gründungsmitglieder zu einer wirtschaftlich erfolgreichen Gesamtstrategie zusammen zu führen", erinnert sich der 36-Jährige. Für die praktische Umsetzung dieser Strategie in Produkte seien gemeinsame Qualitätsstandards unerlässlich. "Die entstehen nicht von heute auf morgen", betont Dieter Müller. Zu unterschiedlich seien die Partner hinsichtlich ihrer Betriebsgröße, Auftragsstruktur und der internen Abläufe.

Notwendig sei es deshalb, in einen langfristig angelegten Qualitätsmanagementprozess einzusteigen. "Schriftliche Vereinbarungen helfen, die einzelnen Etappen zu bewältigen", weiß Müller. Und auf den Blick von außen sollte kein Kooperationsprojekt verzichten. Von Beginn an habe man auf die Beratungsangebote der Handwerkskammer gesetzt. Auch wurde der intensive Erfahrungsaustausch mit anderen Projekten gesucht.

Das Kooperationskonzept des SHV ist projektorientiert. Je nach Auftrag wechselt die Zusammensetzung der Unternehmen. Je nach Größe des Auftrags werden externe Managementressourcen hinzugezogen. Das Büro PI Projektkoordination in Jettingen arbeitet ausschließlich projektbezogen, "als freier Mitarbeiter" im SHV. Dieter Müller empfiehlt, die Bedeutung der Abstimmungsprozesse und Ablaufplanung nicht zu unterschätzen: "Das ist keine Nebenbeschäftigung. Bei der Projektkoordination muss professionell gearbeitet werden."

Müller fasst seine Erfahrungen mit Kooperationen in drei Erfolgsfaktoren zusammen: eine funktionierende persönliche Basis der Partnerschaft, ein Konzept, das von allen Beteiligten getragen wird und die Bereitschaft der Partner, langfristig an dem Projekt zu arbeiten. "Der SHV hat die notwendigen konzeptionellen Vorarbeiten erledigt. Er verfügt über leistungsfähige Partner, ein attraktives Produkt und eine gemeinsam entwickelte wettbewerbsfähige Strategie", meint Dieter Müller.

Genauso wichtig sei aber die Bereitschaft, die Zusammenarbeit weiter zu entwickeln und zu optimieren. "Die Partner brauchen die Fähigkeit zum learning by doing - nicht nur in der Startphase", stellt der Glasermeister und Betriebswirt fest. Ziel sei die ständige Verbesserung des Verbundes, sowohl um die Qualität der Arbeit zu sichern als auch um die regelmäßigen Kooperationskosten gering zu halten.

Der Aufwand für das Kooperationsprojekt, das bei Müller Fensterbau inzwischen rund 20 Prozent des Gesamtumsatzes umfasst, sollte nicht unterschätzt werden. Die regelmäßigen Treffen finden heute im Sechs-Wochen-Rhythmus statt, die Gründung erforderte einen wesentlich höheren Einsatz neben dem Stammgeschäft. Nicht alle Gründungsmitglieder waren zu diesem Engagement bereit. Eine Firma hat sich deshalb für den Ausstieg aus dem SHV entschieden.

Dieter Müller sieht das Kooperationsprojekt auf dem richtigen Weg. Das Engagement in den Bereichen behinderten- und seniorengerechtes Bauen und Energieeinsparung soll weiter intensiviert werden. Für die nächsten Monate sind Marketingaktionen geplant. Der SHV will sein Leistungsspektrum auf Informationsveranstaltungen darstellen. Hinzu kommen Mailingaktionen und die Pflege des bestehenden Kundenstamms. Customer Relationship Management nennen dies die Experten. "In unserem Marktsegment stehen die Beziehungskunden im Mittelpunkt", sagt Müller. Denn auch das innovative Kooperationsprojekt SHV generiert die meisten Aufträge auf dem für das Handwerk klassischen Weg: durch Mund-zu-Mund-Propaganda.

Mehr über den Schwäbischen Handwerker Verbund unter www.shv-handwerk.de.

Udo Steinort

Schwäbischer Handwerker Verbund (SHV)

Müller Fensterbau GmbH

PI Projektkoordination


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