Handwerkskammer Region Stuttgart

Zum Bereichsmenü [N] | Zum Inhalt [C]

 


Aktuell - Sonderthema 5/2001

Wenn der Chef mitspielt...

Finanzierung durch den Arbeitgeber - Eine erwägenswerte Alternative

Rund 3200 Euro kostet die Weiterbildung zum Betriebswirt des Handwerks einen Teilnehmer unter dem Strich. Nachdem Fortbilden oft auch betrieblich kürzer treten bedeutet, kann diese Summe für manchen Interessenten recht abschreckend klingen. Vor allem dann, wenn er bislang noch abhängig Beschäftigter ist.

Dokumentation: Günther Mühlbayer

Gerade seine Nicht-Selbstständigkeit kann für den einen oder anderen Bildungswilligen aber ein großes Plus bedeuten - wenn der Chef mitspielt.

Der Vorteil liegt eigentlich auf der Hand: Wer einen Arbeitgeber hat, hat eine zusätzliche potenzielle Förderquelle. Sicher - es gibt auch die offiziellen Möglichkeiten, eine Weiterbildung in der Akademie des Handwerks fördern zu lassen. Ob die aber sprudeln, liegt im Ermessen der zuständigen öffentlichen Stellen. Ganz im Ermessen des Chefs liegt es dagegen, ob er etwas für die Fortbildung seines Arbeitnehmers beiträgt. Und wenn das Betriebsklima stimmt, steht dem eigentlich nichts im Wege, oder?

Dokumentation: Günther Mühlbayer

"Der Herr Streubel ist ein sehr flexibler Mensch. Er hatte wohl Anstöße aus dem privaten Umfeld erhalten, und dann ist er mit der Idee einfach auf uns zu gekommen," erzählt Günther Mühlbayer. "Mehr erreichen" wollte der seit 16 Jahren im Unternehmen angestellte Klavier- und Cembalo-Baumeister Uwe Streubel, sagt Mühlbayer, der als kaufmännischer Leiter zusammen mit seinem für die technische Seite zuständigen Bruder Rolf das Stuttgarter Piano Centrum Matthaes führt.

Nach einem Anruf hat's geklingelt

Dass er mehr erreichen wollte, wurde dem damaligen End-Dreißiger Uwe Streubel im Herbst 1999 klar. Obwohl er seinen Beruf mag, fragte er sich damals, welche Entwicklungsmöglichkeiten ihm seine Tätigkeit eigentlich noch zu bieten habe. Ein Endpunkt schien für den Handwerksmeister erreicht, der in seiner Beschäftigung vor allem zum Servicemitarbeiter geworden war, der im Dienstfahrzeug von Kunde zu Kunde fuhr, um dort Instrumente zu inspizieren, zu warten und zu stimmen. "Sollte das alles gewesen sein?" fragte sich Streubel, dem seinerzeit klar wurde, dass es so auf unbestimmte Zeit weitergehen könnte aber nicht durfte.

Dokumentation: Uwe Streubel

Eher zufällig kam dann die entscheidende Wende. "Ich hatte aus einem anderen Grund bei der Handwerkskammer angerufen, und im Gespräch mit dem Berater kam es dann zu einem Hinweis auf den Studiengang zum Betriebswirt. Ich habe mich dann ganz spontan angemeldet." Spontan genug, um erst hinterher über die Fakten nachzudenken. Doch es klingelte rasch bei Streubel nach diesem Anruf.

"Es war doch so:" rekapituliert Uwe Streubel heute, "Mit meiner Weiterbildungsmaßnahme wollte ich natürlich weiter kommen, mehr Verantwortung übernehmen, aber von meinem größeren Wissen profitiert doch in erster Linie das Unternehmen. Deshalb bin ich auf meinen Chef zu gegangen und habe ihn gefragt, ob die Firma nicht was zuschießen könnte."

Gemeinsam Vorteile nutzen, statt einseitig Ängste kultivieren

Viele Unternehmer beobachten die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter mit gemischten Gefühlen. Der höher qualifizierte Betriebswirt hat seine Karriere im Kopf, sonst hätte er sich ja mit dem Meister begnügt. Soll das Unternehmen nun auch noch in eine Maßnahme investieren, wegen der es später ein höheres Gehalt bezahlen muss? Oder schlimmer noch: Zusehen, wie der Mitarbeiter samt seinem verbesserten Wissen zu einem Wettbewerber abwandert oder sich gar als Konkurrent selbstständig macht?

Schwerwiegende Argumente sind das, die sich nicht so leicht vom Tisch wischen lassen. Die Reaktion seines Arbeitgebers war für Uwe Streubel umso verblüffender. Das Piano Centrum Matthaes schoss nicht bloß eine gewisse Summe zu, sondern finanzierte die Weiterbildung zum Betriebswirt des Handwerks ganz einfach komplett. Eine Investition von rund 6000 Mark für eine gemeinsame Zukunft. Mit Betonung auf gemeinsam - denn natürlich sicherten sich Günther und Rolf Mühlbayer ab. Günther Mühlbayer erzählt, wie der für beide Seiten tragbare Kompromiss aussieht: "Wir übernehmen die Kursgebühren für Herrn Streubel ganz. Dafür musste er uns vertraglich zusichern, dass er nach dem Abschluss der Weiterbildung noch mindestens drei Jahre in unserem Betrieb bleibt. Wenn er früher geht, muss er uns einen Teil der Kursgebühren zurück zahlen."

Uwe Streubel hat Verständnis für diese Auflagen, denn ihm kommen sie auch in anderer Hinsicht entgegen: Weshalb sollte das Unternehmen einen Mitarbeiter, in dessen Weiterbildung es investiert hat, künftig in der alten Position beschäftigen? Der Aufstieg scheint vorprogrammiert. Und auch in die Pläne der Eigentümer passt diese Sicht der Dinge gut. Das 1883 als "Klavierfabrik" gegründete Unternehmen ist ein klassischer Familienbetrieb, den die jetzigen Inhaber seit 1976 gemeinsam leiten. Für die von Rolf Mühlbayer begleitete technische Leitung steht aber innerhalb der Familie kein Nachfolger mehr bereit. So schlägt die Gunst der Stunde ganz für Uwe Streubel.

Noch bis zum Frühjahr 2002 drückt Uwe Streubel in den Räumen des Bildungs- und Technologiezentrums der Handwerkskammer Region Stuttgart in Weilimdorf die Schulbank. Dann darf er sich Staatlich anerkannter Betriebswirt des Handwerks schreiben. Bis dahin besucht der Klavier- und Cembalo-Baumeister tagsüber weiterhin die Kunden mit den verstimmten Instrumenten und am Abend Seminare über Recht und Personalführung, Marketing und Kostenrechnung: "Man tut was für den Kopf, und das tut gut."


Seite ausdrucken Seite weiterempfehlen Zum Seitenanfang


Service-Telefon: 0711 1657-0
 

Imagekampagne




 

Aktuell

Interner Link zur Seite InfoStream

Unter dem Namen InfoStream verschickt die Kammer jeden Freitag ihren kostenlosen Newsletter.
InfoStream



InfoStream Anmeldung



 

Termine

Veranstaltungen der Handwerkskammer
 

Social Media

follow

Die Kammer zwitschert täglich mit. Folgen Sie uns doch einfach auf "Twitter".
folgen



Facebook

Auch auf Facebook ist die Kammer zu finden. Vernetzen Sie sich doch einfach mit uns!
Fan werden




Kontakt | Impressum | Datenschutzhinweis | Newsletter | Servicezentrum | Inhaltsverzeichnis | Extranet


Zum Seitenanfang | Zum Inhalt

Weitere Stichworte zum Thema Aktuell - Sonderthema 5/2001:

Sonderthema 5/2001Betriebswirt Handwerk Finanzierungshilfe

Archiv mit älteren Beträgen der HWK-Startseite