Aktuell - Sonderthema 5/2001
"Anwendbares Führungswissen für die Karriereleiter nach oben"
Was spricht für den Betriebswirt des Handwerks? - Gespräch mit Prof. Dr. Werner Rössle, Studienleiter der Landesakademie des Handwerks
Als Nachfolger von Prof. Dr. Hermann Förschler hat Prof. Dr. Werner Rössle im Frühjahr 2001 die Studienleitung der Landesakademie des Handwerks übernommen. Für diese Aufgabe war er schon seit 1987 in stellvertretender Funktion tätig.

Der promovierte Betriebswirt leitet außerdem seit 1988 die Fachrichtung Handwerk an der Berufsakademie Stuttgart, an der er seit 1993 auch für den Ausbildungsbereich Wirtschaft verantwortlich ist. - Wir fragten Prof. Dr. Rössle, was einen Handwerksmeister dazu bewegen soll, den Abschluss Betriebswirt des Handwerks zu erwerben.
Wer seinen Meister in der Tasche hat, hat eine ganze Menge erreicht. Generationen von Handwerkern hat das genügt, um ihren Betrieb zu führen, und nach wie vor ist nicht jeder erfolgreiche Unternehmer automatisch auch ein Betriebswirt. Welche Vorteile bringt denn die Zusatzqualifikation als Betriebswirt des Handwerks?
Zunächst muss man von der Tatsache des lebenslangen Lernens ausgehen. Der entscheidende Vorteil ist, dass der Studiengang Betriebswirt des Handwerks genau die Lücke schließt, die durch die rasante Entwicklung der letzten zwanzig bis dreißig Jahre zwischen dem Meisterwissen und den Management-Anforderungen im Handwerk entstanden ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob man sich selbstständig machen will oder eine Führungsaufgabe in einem Unternehmen anstrebt. Der Betriebswirt des Handwerks hat gelernt, das handwerkliche Können durch kaufmännisches Wissen zu ergänzen: Die Sozialkompetenz folgt der Fachkompetenz.
Interessant ist aber auch die berufsübergreifende Zusammensetzung der Teilnehmer. Dadurch entstehen unter den Absolventen betriebliche Kooperationen und wertvolle zwischenmenschliche Beziehungen, die sowohl berufliche als auch private Vorteile bringen. Daraus ist auch der Verein Betriebswirte des Handwerks in Stuttgart entstanden, der zwischenzeitlich in der ganzen Bundesrepublik das lebenslange Lernen durch attraktive Weiterbildungsangebote fördert und pflegt.
Ein Handwerksmeister ist ja normalerweise berufstätig. Wie soll eine Weiterbildung zum Betriebswirt dann zeitlich funktionieren. Müssen die Teilnehmer in der Zeit alles andere links liegen lassen?
Den Wünschen der meisten Teilnehmer entsprechend ist die Weiterbildungsmaßnahme in der Regel ein berufsbegleitendes Teilzeitstudium. Das heißt, sie gehen ihrem Beruf nach und studieren abends oder am Wochenende, also zum Beispiel Freitag Nachmittag und Samstag Vormittag.
Und am Ende des Studiums kommt dann der große Prüfungsstress?
Nein. Die seit vielen Jahren bewährte Prüfungsordnung sieht zeitlich gestaffelte Teilprüfungen in schriftlicher und mündlicher Form vor. Die Abschlussprüfungen in Betriebs- und Volkswirtschaftslehre werden nach dem fünften Semester, die Prüfung in Recht wird im Laufe des vierten Semesters abgelegt. Personalführung folgt dann im dritten Semester.
Wenn ich eine Abschlussprüfung nicht bestehe, gibt es dann Wiederholungsmöglichkeiten?
Jede Prüfung kann wiederholt werden. Erfreulicherweise muss wegen des Fleißes und des Engagements der Teilnehmer von dieser Möglichkeit relativ selten Gebrauch gemacht werden.
Wer oder was garantiert eigentlich für den Wert dieser Art von Weiterbildung?
Engagierte Dozentinnen und Dozenten, die das Handwerk aus eigener Anschauung kennen oder es beratend begleiten, vermitteln anwendbares Führungswissen und bereiten die Absolventen auf die Selbstständigkeit oder die Karriereleiter vor, die sie nach oben bringen. Der Studiengang, 1971 durch die Handwerkskammer Region Stuttgart ins Leben gerufen, ist durch den bundeseinheitlichen Rahmenlehrplan in der ganzen Bundesrepublik anerkannt. Der Betriebswirt des Handwerks gehört zu Recht der Elite in Handwerk und Mittelstand an.
Sind Aufbau und Ablauf des Studiengangs bei allen Handwerkskammern gleich?
Nein, und das ist gut so. Unser so genanntes föderales Bildungssystem wird von vielen Fachleuten als eines der besten in der ganzen Welt angesehen. Der vorher erwähnte Rahmenlehrplan im föderalen Bildungssystem bedeutet, dass durchaus von Kammer zu Kammer unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden können. Damit ist aber auch eine schnelle Anpassung an Veränderungen möglich.
Alles gut und schön. Aber wahrscheinlich kostet die Weiterbildung zum Betriebswirt des Handwerks auch was, nicht wahr?
Prinzipiell gilt auch hier wie überall: Qualität hat ihren Preis. Je nach Veranstaltungsform sind die Studiengebühren unterschiedlich hoch. Als Richtwert kann man von etwa 3.200 Euro ausgehen. In dieser Summe sind die Prüfungsgebühren und wesentliche Lehrgangsunterlagen wie Lehrbücher und Gesetzestexte enthalten.
Verbessern sich denn meine Einkommensverhältnisse als Betriebswirt des Handwerks?
Es ist schwer und gefährlich, dazu eine allgemein gültige Aussage zu machen. Interessanterweise kam bei der letzten Umfrage unter den bisherigen Absolventen heraus, dass das Einkommen nach dem Abschluss als Betriebswirt des Handwerks merklich gestiegen sei. Betriebsinhaber haben bestätigt, dass sie ihre Entscheidungen vom Risiko her besser abschätzen könnten und damit meist auch eine Ertragssteigerung verbunden sei. Generell ist es wie bei allen Weiterbildungsmaßnahmen: Es kommt immer darauf an, was der Einzelne aus den erworbenen Kenntnissen und Fähigkeiten macht und wie er sie erfolgreich in richtige Entscheidungen umsetzen kann.
Und wie bewerten die Absolventen selbst den Studiengang und den Abschluss Betriebswirt des Handwerks?
Als Maßnahme zur Qualitätssicherung gibt es über den Studiengang schon seit Jahren regelmäßige Umfragen der einzelnen Handwerkskammern und des Instituts für Technik der Betriebsführung in Karlsruhe (itb). Damit soll die Einschätzung durch die Absolventen ermittelt werden. Zuletzt geschah dies durch die Kammern Freiburg, Karlsruhe, Mannheim und Stuttgart. Die Ergebnisse waren ausgesprochen gut und bestätigten den beschrittenen Weg. Es wird immer wieder die Umsetzung des Gelernten in Praxisentscheidungen hervorgehoben und die schnelle Anpassung des Lehrplans an Veränderungen in Wirtschaft und Umwelt gelobt. Damit ist bewiesen, dass Kosten und Nutzen bei diesem Studiengang in einem hervorragenden Verhältnis stehen und damit als eine wertvolle Wissensinvestition anzusehen sind.
An wen wende ich mich, wenn ich noch weitere Fragen habe und kompetente Antworten haben möchte?
Die einzelnen Handwerkskammern beraten gerne. Aber auch der Verein Betriebswirte des Handwerks kann kompetente Auskünfte erteilen. Hier spricht der Fragende mit Absolventen und erhält damit Antworten aus erster Hand.




