Aktuell - Sonderthema 8/2001
Elektro-Handwerk
Sonnenstrom aus Meisterhand
Um eine Photovoltaikanlage zu installieren, wird eine Fläche benötigt, auf der die Solarmodule montiert werden können. Hausdächer, Anbauten, Garagen, Wintergärten oder Überdachungen von Terrassen kommen dafür in Frage. Für eine Leistung von einem Kilowatt sind etwa 10 Quadratmeter Solarzellen erforderlich.

Planungsgrundlagen
Ein durchschnittlicher Vier-Personenhaushalt verbraucht etwa 3.800 Kilowattstunden (kW/h) Strom pro Jahr. Eine Zwei-Kilowatt Photovoltaikanlage kann etwa die Hälfte dieses Strombedarfs decken. Grundsätzlich gilt auch bei der Planung einer Photovoltaikanlage: Erst Strom sparen, dann Solaranlage planen. Wird mehr Energie mittels der Sonne erzeugt als benötigt, kann diese bei netzparallelem Betrieb in das öffentliche Netz abgegeben werden.
Die Ausrichtung des Daches
Um die maximale Energieausbeute einer Photovoltaikanlage zu erzielen, ist eine Dachausrichtung nach Süden erforderlich. Abweichungen nach Südwest oder Südost (bis maximal 45 Grad) sind zulässig, verringern aber den Ertrag geringfügig. Die Ausrichtung des Daches kann dem Bauplan entnommen oder mit einem Kompass festgestellt werden.
Die Dachneigung sollte zwischen 20 und 50 Grad gegenüber der Horizontalen betragen. Der zu erwartende Energieertrag ist von der Neigung des Daches abhängig.
Die Dachfläche muss schattenfrei sein bei allen vorkommenden Sonnenpositionen im Tages- und Jahresverlauf. Es darf also kein hoher Baum oder Schornstein Schatten auf die vorgesehene Montagefläche werfen, sogar eine Antenne kann sich negativ auswirken. Falls eine zeitweise Verschattung unumgänglich ist, Module geeignet verschalten, damit sich die Verschattung nicht auf die komplette Anlage auswirkt, sondern nur auf einzelne Strings.
Statische Anforderungen
Das zusätzliche Gewicht durch einen Photovoltaikanlage beträgt etwa 0,25 kN/m2 (25 Kilo pro Quadratmeter) und überschreitet damit in der Regel nicht die Gesamtlast, für die der Dachstuhl ausgelegt ist. Bei sehr steilen Dächern und windexponierten Standorten empfiehlt sich eine individuelle Prüfung der Dachstatik.
Hauselektrik
Der Wechselrichter ist das zentrale Bauteil von netzgekoppelten Photovoltaik-Anlagen. Seine Qualität und Effizienz sind wesentlich für den Energieertrag und die Haltbarkeit der Gesamtanlage. Um den Wechselrichter innerhalb des Hauses leicht zugänglich zu montieren, ist eine freie Wandfläche von etwa einem mal einem Meter erforderlich. Um die Kabellängen möglichst gering zu halten, sollte der Wechselrichter im Dachgeschoss installiert werden. Auf Reparaturfreundlichkeit achten (standardisierte Montagebauteile, leichte Zugänglichkeit insbesondere des Wechselrichters)!
Hochwertige und witterungsbeständige Verbindungstechnik für die Verkabelung verwenden.
Einfaches, schnell montierbares, witterungsbeständiges Montagesystem einsetzen.
Zur Erdung der Solaranlage muss eine Leitung zur Hauserdung verlegt werden. Diese befindet sich in der Regel in der Nähe des Zählerkastens.
Ein oder zwei zusätzliche Zähler sind für den Betrieb der Solaranlage beziehungsweise die Abrechnung des eingespeisten Stroms erforderlich. Diese sollten beim bereits vorhandenen Zähler montiert werden.
Mit einem Display - zum Beispiel am Wechselrichter oder besser in der Wohnung - sollte der Betreiber in einfacher Weise über Funktion, Störungen und Energieerträge informiert werden.
Baugenehmigung
Für eine Zwei-Kilowatt-Photovoltaikanlage ist in der Regel keine eigene Baugenehmigung notwendig (Ausnahme: Eventuell Anforderungen des Denkmalschutzes, ggf. Genehmigungen, lokal geltende Regelungen der Bauleitplanung oder Gestaltungssatzungen in der jeweiligen Kommune). Bei Großanlagen ist dies, vor allem hinsichtlich der Statik des Daches, anders. Ob im Einzelfall eine Baugenehmigung für eine Photovoltaikanlage erforderlich ist, ist bei der zuständigen Unteren Baubehörde zu erfahren. Sonderregelungen sind auch aus der Landesbauordnung ersichtlich.
Denkmalschutz
Bei alten Bauten können unter Umständen Denkmalschutzvorschriften berührt werden, die berücksichtigt werden müssen. Mit einer ästhetischen Integration der Solaranlage in das Erscheinungsbild kann die Akzeptanz jedoch gesteigert werden. Grundsätzlich sollte bei der Anlagenplanung die Platzierung der Module auch unter architektonischen Gesichtspunkten erfolgen. Dabei sind eventuell Dachfenster und die Möglichkeit, thermische Kollektoren anzubringen, zu berücksichtigen.
Arbeitsschutz
Zu beachten sind die Arbeitsschutz- und Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaften.
Bei der Installation von Photovoltaik-Anlagen gibt es - ähnlich wie bei Dacheindeckungsarbeiten - einige Gefahren. Deshalb sind beispielsweise die vorhandenen Regeln und Vorschriften bezüblich Absturzsicherung und Vorsichtsmaßnahmen bei elektrischen Freileitungen sorgfältig zu beachten.




