Handwerkskammer Region Stuttgart

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Aktuell - Sonderthema 12/2000

Ausbildung als Integrationsfaktor

Ohne deutsche Sprache läuft nix

Das Handwerk als Hoffnungsträger der beruflichen Integration von Ausländern hat seine Hausaufgaben mit Bravour erledigt. Es leistet auch in der Region Stuttgart einen überdurchschnittlichen Beitrag an Beschäftigung und Ausbildung. "Kollege Ausländer" ist bei den Chefs, den Kunden und Mitarbeitern geschätzt - wenn die Leistung stimmt.

Symbolbild: drei Jugendliche

Die Gruppe der nicht-deutschen Lehrlinge im Handwerk ist bunt gemischt: Türken, Griechen, Italiener, Spanier, Portugiesen, Polen, Serben, Russen, Kasachen und Kroaten gehören beispielsweise dazu. "Durch die Ausbildung leisten die Betriebe einen entscheidenden Beitrag zur gesellschaftlichen Integration der Jugendlichen und ihrer Familien", erklärt Uwe Schüle, Präsident der Stuttgarter Handwerkskammer. Immerhin haben ein Viertel der über 13.000 Lehrlinge in der Region einen ausländischen Pass.

Vor zehn Jahren waren es erst 18 Prozent. Dabei sind die jungen Türken deutlich in der Mehrheit. Italiener, Jugoslawen und Griechen folgen mit deutlichem Abstand. Viele Betriebe brauchen diese qualifizierten Fachkräfte - der Bedarf steigt. Entsprechend groß ist das Interesse, die Ausbildungsplätze im Handwerk mit Schulabgängern ausländischer Nationalität zu besetzen.

"Zuverlässigkeit, Arbeitstempo, Sozialverhalten und Können sind gut", beurteilt Ausbildungsmeister Erwin Brouwer im Bildungs- und Technologiezentrum (BTZ) der Kammer in Stuttgart-Weilimdorf die Leistung der Ausländer unter den Kursteilnehmern. Mancher berichte schon mal über einen rauheren Umgangston mit Ausländern im Betrieb. Nicht so im BTZ. Es gibt keine Nationenkämpfe oder Schmierereien im Haus, die Ausbildung steht im Vordergrund. "Die kämpfen alle um das Gleiche. Um eine gute Ausbildung mit passablen Noten und da zählt nur die Leistung." Brouwer sieht auch keine Unterschiede in der Leistungsstärke der ausländischen Handwerker: "Es gibt Highlights und Schlusslichter wie überall bei unseren Kandidaten."

"Haben keine Probleme"

Wichtig sei vor allem das Beherrschen der deutschen Sprache. Doch ein hoher Prozentsatz der als "Ausländer" eingestuften Jugendlichen im Handwerk ist nicht mehr an der Sprache zu erkennen, sondern nur noch am Namen - und am Pass. So auch Paolos Alexandritis (21) aus Kornwestheim. In Deutschland geboren will der Grieche Kfz-Mechaniker werden. Keine Probleme hat er damit im Ausbildungsbetrieb, dem Autohaus Meurach in Ludwigsburg-Eglosheim. "Meine Kollegen dort kommen aus Polen, Ghana, Jugoslawien und der Türkei. Wir haben mit niemandem Probleme - mit uns auch niemand", sieht der Autofachmann die Situation. "Wir haben aber auch das Glück, in einem Klasse Betrieb zu sein."

Auch der Sprung in die Selbstständigkeit ist für viele Ausländer Reiz und Risiko zugleich. Sigrun Klenk vom Meisterprüfungsreferat der Handwerkskammer kann jedoch keine steigenden Teilnehmerzahlen bei den Meisterprüfungskursen erkennen. "Den Schritt in die Selbstständigkeit wagen vor allem Italiener und Türken mit einem Friseursalon oder einer Kfz-Werkstätte." Das sei aber nichts Neues. Der Anteil der Ausländer war im wirtschaftlichen Ballungsraum um Stuttgart schon immer relativ hoch. Wer sich dann mit der Weiterbildung zum Handwerksmeister zu seinem eigenen Chef hoch gearbeitet hat, hat viel erreicht: Unabhängigkeit, höheres gesellschaftliches Ansehen und langfristige Perspektiven für die Kinder - trotz ausländischem Pass. Damit könnte als weiteres Ziel erreicht werden, dass auch diese Betriebsinhaber für die Berufsausbildung gewonnen würden.

Auch Armin Schäffer, Obermeister der Mechaniker-Innung Ludwigsburg, schätzt die hohe Arbeitsqualität ausländischer Mitarbeiter. Von einer bunten Mischung in seiner Firma in Bissingen spricht er und weist auf sein Credo hin: "Mitarbeiter, die Leistung bringen, sind akzeptiert und anerkannt, da gibt es im Handwerk keine Vorurteile. Klar ist, dass dies auch für die Deutschen gilt."


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