Aktuell - Sonderthema 7/2001
Kennen Sie Ihren Bewegungsapparat?
Anatomisches Grundwissen
Der aufrechte Gang unterscheidet uns vom Tier. Grundvoraussetzung für die langsame Entwicklung zum Zweibeiner war eine optimale Anpassung unseres Bewegungsapparats: Skelett und Muskeln wurden auf die veränderten Belastungen und die Verlagerung des Körperschwerpunkts ausgerichtet.

Körperbau und Beweglichkeit hängen also unmittelbar zusammen. Lernen Sie Ihren Bewegungsapparat besser kennen, damit Sie wissen, was für eine gesunde Haltung wichtig ist.
Der menschliche Bewegungsapparat
Unser komplexes Bewegungssystem besteht aus dem aktiven und dem passiven Bewegungsapparat. Aktive Komponenten sind Muskeln und Sehnen, zum passiven Apparat gehören Knochen, Gelenke und Bänder. Bei einem gesunden Menschen arbeiten aktiver und passiver Bewegungsapparat nach einem fein abgestimmten Plan zusammen.
Der aktive Bewegungsapparat
Muskeln und Sehnen verleihen dem Körper Stabilität und halten ihn gleichzeitig beweglich. Der Trainingszustand der Muskulatur ist deshalb von großer Bedeutung. Vor allem von der Kraftfähigkeit der Bauch- und Rückenmuskulatur hängt es ab, ob die Wirbelsäule ausreichend geschützt und stabilisiert wird.
Die Wirbelsäule - Stütze des passiven Bewegungsapparats
Unsere Wirbelsäule ist ein zentraler Teil des Bewegungssystems. Form und Aufbau der Wirbelsäule ermöglichen die Beugung, Streckung, Seitneigung und Drehung des Oberkörpers und geben ihm - zusammen mit Muskeln und Bändern - Stabilität.

Der bewegliche Teil der Wirbelsäule besteht aus 24 einzelnen Segmenten, den Wirbelkörpern. Zwischen den Wirbelkörpern liegen die elastischen Bandscheiben. Man unterteilt die Wirbelsäule in die Halswirbelsäule (sieben Halswirbel), die aus zwölf Brustwirbeln bestehende Brustwirbelsäule und die Lendenwirbelsäule mit ihren fünf Lendenwirbeln. An die Lendenwirbelsäule schließt sich mit Kreuz- und Steißbein (insgesamt neun Wirbel) der unbewegliche Teil der Wirbelsäule an.
Die Wirbelsäule - Stoßdämpfer unseres Körpers
Zwei Eigenschaften machen die Wirbelsäule zum wichtigsten Stoßdämpfer unseres Körpers: Zum einen fängt ihre doppelte S-Form durch leichtes Schwingen von Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule (Halslordose, Brustkyphose und Lendenlordose) Erschütterungen des Körpers ab. Zum anderen haben die elastischen Bandscheiben, die als Puffer zwischen den einzelnen Wirbelkörpern liegen, ausgezeichnete Dämpfungseigenschaften und mindern auch schwerere Stöße und Belastungen ab.
Die Bandscheiben - elastische Elemente zwischen den Wirbeln
Die Bandscheiben - auch Zwischenwirbelscheiben genannt - bestehen aus einzelnen Knorpelschichten, die zwiebelschalenartig um einen Gallertkern herum angeordnet sind.

Bei Entlastung, zum Beispiel im Liegen, saugen sie wie ein Schwamm Flüssigkeit auf. Dadurch werden benachbarte Wirbel auf Abstand gehalten und die Wirbelsäule bleibt beweglich. Der Gallertkern fängt senkrechten Druck auf und federt ihn über den Knorpelring ab. Bei Belastung werden die Bandscheiben zusammengedrückt und geben die im Ruhezustand aufgenommene Flüssigkeit wieder ab; Aufnahme und Abgabe von Körperflüssigkeit erfolgen also in permanentem Wechsel.
Da sich die Bandscheiben von Stoffen ernähren, die in der aufgesogenen Flüssigkeit enthalten sind, können sie bei zu wenig Bewegung regelrecht "aushungern". Eine solche Unterversorgung kann auf Dauer zu ernsten Schäden führen: Die Bandscheiben werden porös und degenerative Veränderungen der Wirbelsäule sind die Folge. Ein verantwortungsvoller Umgang mit der Bandscheibe ist deshalb unverzichtbar.




