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Handwerkskammer fordert neuen Energiepakt

Atommeiler länger nutzen - regenerative Energien unterstützen

Die Auseinandersetzungen, die Russland und die Ukraine zu Beginn des Jahres 2006 um die Erhöhung des Preises für russisches Erdgas austrugen, hat in der Bundesrepublik zu einer Wiederbelebung der Diskussion um die Energiepolitik geführt. Für das Handwerk der Region Stuttgart meldete sich nun der Präsident der Handwerkskammer zu Wort. Rainer Reichhold regt verlängerte Laufzeiten für die sichersten deutschen Atomkraftwerke an und schlägt die Einrichtung eines Fonds zur Förderung regenerativer Energien vor.

Symbolbild: Längere Laufzeit für Atomkraftwerke

Weitere 10 bis 15 Jahre sollten die sichersten der deutschen Atomkraftwerke betrieben werden, die Förderung regenerativer Energieformen müsse aber langfristig Priorität haben. Deshalb sollen die Gewinne, die den Energieversorgungsunternehmen aus der Verlängerung erwachsen, nach Vorstellung des Kammerpräsidenten in einen Fonds fließen, dessen Mittel regenerative Energieformen zur Marktreife gebracht werden könnten.

Alle politischen Bemühungen sowie die Aktivitäten der Wirtschaft und Verbraucher  müssten sich auf eine effektivere Nutzung der vorhandenen Energieressourcen konzentrieren. Beispielhaft nannte Reichhold die Installation von energiesparenden Techniken sowie bauliche Verbesserungsmaßnahmen, beispielsweise durch modernste Wärmedämmung. Mit der stark nachgefragten Zusatzqualifikation  zum Gebäudeenergieberater seien viele Handwerker für diese Aufgaben exzellent vorbereitet. Bewährt habe sich in dem Zusammenhang seit Jahren der Energiesparcheck  für private Wohngebäude, der  zusammen mit dem Wirtschaftministerium Baden-Württemberg initiiert wurde. "Wer weniger Energie verbraucht, schont seinen Geldbeutel und die Umwelt", sagt Handwerkspräsident Reichhold.

Einen entscheidenden Beitrag kann das Handwerk auch bei der Nutzung regenerativer Energien leisten, vor allem durch die Installation von Solaranlagen, Wärmepumpen und Anlagen zur Kraftwärmekopplung. Deshalb sollte dem Ausbau dieser Energieformen klare Priorität zukommen. Das Handwerk begrüßt es, dass die energetische Nutzung von Biomasse ins Blickfeld der Überlegungen getreten ist. Reichhold schätzt das Ausbaupotenzial bei Holz, Pflanzenresten oder Biogas als "bedeutend" ein. "Allerdings hängt die Nutzung der regenerativen Energien stark von den finanziellen Rahmenbedingungen ab." Deshalb plädiert das Handwerk für ein Weiterführen der vorhandenen Förderprogramme. All diese Maßnahmen müssten künftig deutlich forciert und energiepolitisch in erster Priorität behandelt werden.

Gleichzeitig sei es, so Handwerkskammerpräsident Rainer Reichhold, aber auch sinnvoll, die Atomkraft neu zu bewerten. "Es ist unsinnig, unsere vom technologischen Standard und von der Sicherheit her führenden Atommeiler vom Netz zu nehmen, wenn im Ausland, wie in Tschechien, Frankreich und der Schweiz solche Kraftwerke  noch weiter betrieben werden." Solche Laufzeitverlängerungen seien keineswegs gleichzusetzen mit einem Wiedereinstieg oder gar dem Neubau von Atomanlagen. Kernenergie sei schon deshalb eine nur vorübergehende Lösung, weil die Reichweite des Energieträgers Uran von Experten auf nur 37 Jahre gesetzt werde. An dem zwischen der Energieversorgung und der rot-grünen Vorgängerregierung in Berlin ausgehandelten ehrgeizigen Zeitpunkt für die Abschaltung aller Atommeiler festzuhalten, würde aber die immer dramatischere Abhängigkeit von Energieexporten nur noch verstärken.

Der Appell von Rainer Reichhold: "Wenn die neue Bundesregierung die Laufzeiten der sichersten deutschen Atommeiler um 10 bis 15 Jahre verlängert, der Energiewirtschaft gleichzeitig aber abverlangt, ihre Profite aus dieser Verlängerung  jedenfalls zu einem erheblichen Teil bereits jetzt in einen Fonds für Projekte zur Energieeffizienz und regenerativen Energie einzubringen, dann würde diese neue Bundesregierung in hervorragender Weise Aktionsfähigkeit, Pragmatismus und Zukunftsorientierung dokumentieren. Profitieren würden die Versorgungssicherheit und Versorgungsunabhängigkeit, der Umweltschutz in Bezug auf die CO2-Emissionen und die regionale mittelständische Wirtschaft, insbesondere das Handwerk, das seine Kompetenzen in diesem Bereich gerne voll zur Geltung bringt."

Enersparcheck

Energieberatungszentrum Stuttgart


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