Traditionell stark
Handwerk punktet mit guten Ausbildungszahlen
Freude über eine gestärkte konjunkturelle Situation, eine positive Ausbildungsbilanz im Handwerk, Sorge über den Mangel an Fachkräften - das sind die wesentlichen Inhalte einer gemeinsamen Pressekonferenz der Handwerkskammer und der IHK Region Stuttgart. Am 3. September beleuchteten die Präsidenten beider Kammern die derzeitige Situation der Wirtschaft in der Region Stuttgart.

Auf 3455 neue Ausbildungsplätze - 12,2 Prozent mehr als im Vorjahr - kann die Handwerkskammer Region Stuttgart zum August 2007 hinweisen. Kammerpräsident Rainer Reichhold konnte diese Zahl in einer gemeinsamen Pressekonferenz der Handwerkskammer und der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart (IHK) am 3. September präsentieren: Reichhold: "Das Handwerk der Region Stuttgart hat seine traditionell hohe Ausbildungsleistung nochmals gesteigert." Bis zum Jahresende könne sogar damit gerechnet werden, dass das Vorjahresergebnis von 4987 seinerzeit neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen noch übertroffen werde. "Selbst das Spitzenergebnis aus 2004 von 5175 neu eingetragenen Verträgen ist nicht außer Reichweite", so Reichhold.
Gemeinsam können die beiden Wirtschaftskammern Handwerkskammer und IHK auf 12.800 neue Ausbildungsverträge blicken, wobei die Ausbildungszahlen der IHK-Betriebe allerdings ein Minus von 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnen. 9343 neue Ausbildungsverträge hatte die IHK bis zum Stichtag erfasst, kann aber darauf verweisen, dass noch immer neue Abschlüsse eingingen, wie IHK-Präsident Dr. Günter Baumann feststellte. "Wir sind der festen Überzeugung, dass wir bis Jahresende noch deutlich bei den Ausbildungsverträgen zulegen können. Die Aussicht auf eine mehrjährige konjunkturelle Boomphase wirkt sich insgesamt positiv auf die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe aus", erklärte Baumann.
Die Hälfte der Betriebe sind optimistisch
Positive Beobachtungen macht die Handwerkskammer in ihrer aktuellen Konjunkturumfrage. Knapp die Hälfte aller von der Kammer befragten Handwerker (49 Prozent) beurteilt die derzeitige Geschäftslage positiv. 35 Prozent von ihnen berichten von steigenden Auftragseingängen, 18 Prozent mussten Auftragsrückgänge hinnehmen. Für die zweite Jahreshälfte werden weitere Steigerungen erwartet.
Gut 44 Prozent der an der Umfrage beteiligten Unternehmen gaben an, eine Betriebsauslastung zwischen 80 und 100 Prozent zu erreichen, weitere 13 Prozent sprachen sogar von einem Auslastungsgrad von über 100 Prozent. Diese Zahlen wirken sich nach Sicht der Handwerkskammer auch auf die Beschäftigungssituation und die Investitionsbereitschaft ihrer Mitgliedsbetriebe aus: 56 Prozent der Betriebe konnten in den vergangenen Monaten Investitionen tätigen, 20 Prozent ihr Investitionsvolumen gegenüber dem vorigen Quartal steigern. Stellenabbau war nur noch in 5 Prozent der Unternehmen ein Thema.
Kritik an Reformkonzept
Das von Baden-Württembergs Kultusminister Helmut Rau vorgeschlagene Konzept zur Reform der Hauptschule greift nach Ansicht der beiden Kammerpräsidenten viel zu kurz und kann das Problem nicht lösen, dass viele Schulabgänger nicht als ausbildungsreif bezeichnet werden könnten. Eine Reihe von Maßnahmen halten die beiden Kammern deshalb für erforderlich. So verlangen sie unter anderem mehr Ganztagsschulen, eine leistungsgerechte Bezahlung der Lehrkräfte, weitgehende Autonomie der Schulen, was Personalauswahl und Budgetverwendung anbelangt sowie eine externe Evaluierung der Schulen. Die beiden Kammern machen sich zudem für eine frühzeitige individuelle Förderung der Schüler stark und fordern die Aufhebung der bisherigen Schulbezirke, um eine Wettbewerbssituation zwischen den einzelnen Schulen zu erzeugen.
Fachkräftemangel bekämpfen
Nachhaltige Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel fordern IHK und Handwerkskammer Region Stuttgart von der Politik. Insbesondere verlangen die Präsidenten beider Kammern einen Verzicht auf die Mindestverdienstgrenze von 85.000 Euro für ausländische Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten. Zudem müsse Deutschland als Zuwanderungsland für Fachleute aus aller Welt attraktiver werden.




