Handwerkskammer Region Stuttgart

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Aktuell - Meisterfeier 2005 - Rückblick

Begrüßungsrede von Kammerpräsident Rainer Reichhold

650 neue Meisterinnen und Meister sind wegweisend

Geprüfte Qualifikation steht nach wie vor obenan

Es gilt das gesprochene Wort

Abbildung: Präsident Reichhold während der Meisterfeier 2005Animation: Kompassnadel

Liebe Jungmeisterinnen und Jungmeister,

neben Ihnen gilt mein besonderer Gruß dem Abgeordneten des Europäischen Parlamentes, Rainer Wieland, und den Landtagsabgeordneten Heide Berroth und Ruth Weckenmann.

Liebe Jungmeisterinnen und Jungmeister,

ich grüße weiterhin sehr herzlich die Präsidenten der Handwerkskammern, Landräte und Bürgermeister aus dem Kammerbezirk und Sie, sehr geehrter, lieber Herr Dr. Hundt, als unseren Festredner.

Verehrte Gäste, seien Sie uns alle herzlich willkommen.

Ihnen, liebe Jungmeisterinnen und Jungmeister vorab ein herzlicher Glückwunsch zur Meisterschaft. Sie haben die Mühen des Meisterkurses und der Meisterprüfung auf sich genommen. Heute feiern wir Ihren Erfolg.

Sie, die rund 650 neuen Meisterinnen und Meister sind wegweisend.

Wegweisend für unser Handwerk, in dem geprüfte Qualifikation nach wie vor oben ansteht; wegweisend für die Wirtschaft insgesamt, in der spezielles fachliches und unternehmerisches Wissen immer wichtiger wird, wegweisend auch für unsere Gesellschaft; denn mehr denn je braucht sie Menschen von Ihrem Schlag, mit einem Geist von Selbstständigkeit und Unternehmertum, mit der Bereitschaft, Wissen auch an die nächste Generation weiterzugeben.

Möge Ihr Beispiel vielen Handwerksgesellinnen und -gesellen Orientierung geben, damit auch sie Meistervorbereitung und Meisterprüfung in Angriff nehmen. Dann können wir hier bald wieder, wie noch vor einigen Jahren, weit über 1000 Jungmeisterinnen und Jungmeister begrüßen.

Dank und Anerkennung gilt heute all denen, die Sie auf dem Weg zu Ihrer Meisterschaft unterstützt haben. Den Vertretern der Meisterschulen, der Meisterprüfungsausschüsse, Ihren Partnerinnen und Partnern und Ihren Familien.

Dass Sie, liebe Jungmeisterinnen und Jungmeister sich nicht lange auf Ihren Lorbeeren ausruhen werden, dass Sie die neuen Perspektiven, die sich Ihnen eröffnen, auch ergreifen werden, davon bin ich überzeugt. Meisterschaft steht schließlich für ständige Weiterqualifizierung. Um Ihr unternehmerisches Wissen weiter zu vertiefen, bieten wir Ihnen den berufsbegleitenden Studiengang zum Betriebswirt des Handwerks in unserer Akademie in Stuttgart-Weilimdorf an.

Ich freue mich, dass wir mit dieser Meisterfeier auf dem Killesberg heute wieder die Vielseitigkeit und Leistungsfähigkeit des Handwerks unserer Region unter Beweis stellen können. Sicher waren die meisten von Ihnen schon in der spannenden Ausstellung in Halle 5.2. Auch nach unserem Festakt gibt es noch Gelegenheit dort zu flanieren.

Allen Ausstellern von hier ein herzliches Dankeschön für Ihre Kreativität und Ihr Engagement, nicht zu vergessen, das Engagement unserer Sponsoren, die mit Ihren Beiträgen diese Feier in dieser Form erst möglich gemacht haben.

Bevor ich das Wort unserem Festredner, Herrn Dr. Hundt, übergebe, ein paar Gedanken zur dringend erforderlichen politischen Neuorientierung in unserem Land:

Leere Kassen von Bund und Ländern - Renten- und vor allem Krankenversicherungssysteme in der heutigen Form auf Kollaps programmiert? Das Ausbleiben einer echten programmatischen Diskussion in den großen Parteien und trotzdem die Hoffnung, dass mit einer Wahl im September alles besser wird. Dies kennzeichnet die derzeitige Diskussion.

Lassen Sie mich in sieben Punkten sagen, welche Wegweisung wir seitens des Handwerks von künftiger Politik einfordern:

  1. Der Staat soll sich auf seine Kernaufgaben beschränken, nach der Devise: "Privat vor Staat!"
  2. Unsere Systeme der sozialen Sicherung müssen zukunftsfähig gemacht und so umgebaut werden, dass der Block der Sozialversicherungsbeiträge deutlich unter die zwischenzeitlich erreichten 42 Prozentpunkte fällt. Wenig originell und für die ohnehin notleidende Konsumfreude äußerst gefährlich ist es, die Mehrwertsteuer um 2 Prozentpunkte zu erhöhen, um so die Arbeitslosenversicherungsbeiträge von 6,5 auf 4,5 Prozent zu senken. Mit dem Handwerk kann man über ein solches Thema allenfalls dann sprechen, wenn es gleichzeitig zu einer deutlichen Verminderung der Mehrwertsteuer auf die Arbeitsleistung der Handwerker kommt.
  3. Staatliche Überregulierung gehört beseitigt, damit die mittelständische Wirtschaft vom Monstrum der Bürokratie befreit wird. Politiker lassen sich mit neuen Gesetzen aber immer größere Bürokratiebelastungen einfallen, so mit dem "Gesetz zur Vorfälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge". Es ist der Gipfel der Verbürokratisierung der Lohnabrechnungen. Ein Ansteigen des Rentenversicherungsbeitrages um 0,5 Prozent soll damit vermieden werden. Dass unseren Betrieben mehr an Bürokratie und damit wesentlich höhere zusätzliche Kosten aufgebürdet werden, das will in Berlin offensichtlich niemand sehen.
  4. Wir brauchen eine Steuerreform, die die Betriebe und Bürger entlastet und das Steuersystem deutlich vereinfacht. Konzepte sind da. Jetzt sind der Mut und die Fantasie gefordert, diese umzusetzen.
  5. Das Arbeitsrecht gehört auf den Prüfstand. Es überreguliert das Thema Beschäftigung und verhindert einen Arbeitsmarkt, der den Namen "Markt" auch verdient. Unsere Betriebe brauchen Flexibilität statt Hindernisse. Dann sind sie, wenn die Konjunktur hoffentlich demnächst wieder anzieht, auch in der Lage und willens, Mitarbeiter einzustellen.
  6. Die Politik muss verstärkt einen Fokus auf Energie und Umwelt lenken. Es gilt, unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen; mit unserem Handwerk, das beispielsweise bei der Wärmeisolierung, der Gebäudesanierung, den regenerativen Energien und nachhaltigen Produktionsweisen an vorderster Front steht.
  7. Eine oberste politische Priorität muss dem Thema Schulbildung gewidmet sein. Es muss sicher gestellt werden, dass Schule wieder ein sicherer Grundstein für die berufliche Qualifikation ist.

Wenn eine neue Politik die Ärmel hochkrempelt, wenn sie rasch und mutig handelt, dann dürfte sich auch das Gründungsklima in Deutschland wieder verbessern. Eine solche zupackende Politik würde gerade unseren Jungmeisterinnen und Jungmeistern, die Existenzgründungen oder Betriebsübernahmen anpeilen, zugute kommen. Denn - "Meister wissen wie’s geht" - Meister sind wegweisend und wollen zeigen wo’s langgeht. Man muss sie nur auch lassen.

Nun aber zum Vortrag von Senator Dr. Hundt, zum Thema "Reformbaustelle Deutschland". Lieber Herr Dr. Hundt, wir sind gespannt, welchen Kurs Sie, als einer der großen Wirtschaftskapitäne Deutschlands weisen, damit unser Land für die Zukunft fit ist.


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