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Werte sind wichtiger als Marketing
Gespräche und Vorträge über das Alter
Amüsant und anregend zugleich ist der Abend des 3. April 2009 im Forum der Handwerkskammer Region Stuttgart. "Die Zukunft ist alt" ist das Leitthema, zu dem sich Moderatorin Dr. Marlis Prinzing viele provokante Fragen einfallen lässt. Manche ihrer Zuhörer waren in den Stunden zuvor schon Gäste der Veranstaltung Wirtschaftsfaktor Alter, die gleichfalls in der Kammer stattfand. Die Vorträge dazu gibt es auf dieser Seite zum Herunterladen.

Bild: HwK
Nicht nur eine erfrischende Moderatorin schmückt die Veranstaltung; auch ihre sehr individuellen Gesprächspartner glänzen mit originellen Antworten und Ansichten. Drei wesentliche Diskussionsinhalte treten in den Vordergrund: die altbewährten Werte, der respektvolle Umgang mit den Mitmenschen und die Ansicht, dass ohne dieses Fundament weder das berufliche noch das gesellschaftliche Leben funktioniert.
Richtungweisend sind insbesondere Michael Schellberg und Sabine Ball, die "Mutter Teresa von Dresden" und das nicht ohne Grund. Schellbergs Steckenpferde sind wertschätzende Kommunikation und höfliches Benehmen. Der diplomierte Volkswirt leitet mit Moritz Freiherr Knigge die Düsseldorfer Freiherr Knigge OHG und gibt dort in Workshops, persönlichen Coachings oder Büchern die Kunst des rücksichtsvollen Miteinanders weiter. Wer ihn braucht, ist schnell geklärt: "Alle und primär diejenigen, die meinen, diese Eigenschaften entbehren zu können", erläutert Schellberg. "Wer im Morgen ankommen will, muss heute in den Rückspiegel schauen", lautet sein Leitspruch für das Zukunftsforum. "Gutes Benehmen, Stil und Etikette erleichtern den Erfolg im Unternehmen wie den Umgang mit anderen Menschen. Um diese Werte lebendig zu halten, ist der Austausch zwischen Jung und Alt erforderlich."
Liebe verwandelt
Um Werte geht es auch Sabine Ball. Die Frau mit dem "alten Körper, aber einem jungen Herz" erzählt den zirka 180 Zuhörern, wie sie ihr Leben verändert hat. Wie für sie Reichtum bedeutungslos wurde. Wie sie die Frage, warum sie auf der Welt sei, nicht nur zu Gott, sondern vor allem zu den Nöten anderer führte. Unermüdlich setzt sie sich seitdem für diejenigen ein, die ihre Hilfe benötigen: Straßenkinder, Frauen in Notlage, Sterbende, Jugendliche, die nicht mehr wissen, wohin sie sollen. "Es bewegt mich immer sehr, wenn sich Menschen wandeln, weil sie merken, dass sie geliebt werden", umschreibt sie den Lohn ihrer christlichen Nächstenliebe. "Jüngere profitieren, wenn sie sich Älteren zuwenden." Und Sabine Ball unterstreicht damit ihren Hauptgedanken, der sich durch den gesamten Abend zieht: "Wir sind Vorbilder, ob wir wollen oder nicht."
Die Wertschätzung des Kunden ist für den Maler Werner Deck das grundlegende Element seines geschäftlichen Erfolges und danach arbeitet er. "Mein Leistungsangebot optimiere ich mit einem freundlichen Auftreten, sauberer schneller Arbeit, kompetenter Beratung und pünktlichem Wesen", erklärt der gebürtige Karlsruher. "Merke ich, dass ich mich bei einem Termin verspäte, dann rufe ich den Kunden an, und zwar rechtzeitig. Das signalisiert ihm: Ich werde als zahlende Kundschaft geschätzt und ernst genommen. Speziell die Generation 50Plus favorisiert das." Werner Deck hat noch mehr Tipps zur Kundenbindung: Während die Deckschen Mitarbeiter renovieren, dürfen die Kunden dinieren - und zwar auf seine Kosten. Ungewöhnlich ist auch die Idee, nach der sich Deck ins Bewusstsein seiner Mitbürger bringt: "Meine Firma schickt den Geburtstagskindern, die in örtlichen Kreiszeitungen abgedruckt sind, Glückwünsche zu." Davon hat sie nicht nur positive Resonanz, sondern inzwischen auch eine Datei von rund 10.000 Geburtstagsadressen.
"Die Zukunft ist alt?"
Das Thema des Abends hätte die Beschäftigung mit Marketingstrategien nahegelegt. Doch wie sich die Generation 50Plus zur Klientel 50Plus machen ließe, interessiert die Diskussionsteilnehmer weit weniger als die Beschäftigung mit menschlichen Werten. Sabine Ball setzt sich unermüdlich für heimatlose Kinder ein und besucht Jugendliche im Gefängnis. Für Werner Deck steht der Mensch im Mittelpunkt. Nicht nur als Kunde, sondern auch als Personal, denn er bildet Jugendliche weit über Bedarf aus und schult sie im Umgang mit Menschen. Genauso engagiert tritt Michael Schellberg als Botschafter wie Multiplikator dieser Werte und des höflichen Umgangs auf: "Manchmal sollte man auch mal seine Klappe halten können, zuhören und dem anderen Aufmerksamkeit schenken. Das ist Respekt vor dem Gegenüber."
Vorträge "Wirtschaftsfaktor Alter"
Prof. Dr. Frank Wallau: "Zukunft unternehmen" (pdf-Dokument, 82,5 KB)
Gabriele Herbert: "Handwerk mit Zukunft" (pdf-Dokument, 227 KB)
Peter Kranzusch: "Alternde Belegschaften" (pdf-Dokument, 202KB)
Marlies Kuchenbecker: "Zukunftsfähige Arbeit gesund gestalten" (pdf-Dokument, 1 MB)
Olga Suprinovic: "Absatzchancen von KMU" (pdf-Dokument, 213 KB)




