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Jenseits des garstigen Grabens

Bischof Fürst plädiert für ein Unternehmertum mit sozialer Verantwortung

Theologische Themen sind nicht gerade an der Tagesordnung im Zukunftsforum der Handwerkskammer Region Stuttgart. Der 15. Februar 2007 bestätigte diese Regel durch eine markante Ausnahme: Bischof Gebhard Fürst sprach über Glaube, Ethik und Unternehmertum.

Porträt: Bischof Gebhard Fürst

Der schwarz gekleidete Herr am Rednerpult tut alles, um gleich zu Beginn sämtliche Zweifel an der Kompetenz seiner Person aus dem Weg zu räumen. Obwohl - wer hätte die schon gehabt an diesem Abend im Forum der Handwerkskammer? Glaube - Ethik - Unternehmertum - das ist ein Thema, wie es dem Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart nicht besser anstehen könnte. Und so wäre der Hinweis auf das eigene unternehmerische Vermögen des Referenten gar nicht nötig gewesen. Dafür spricht aber, dass Bischof Dr. Gebhard Fürst die eindrucksvolle Zahl 45.000 nennen kann: so viele Beschäftigte zählt seine Diözese.

Bisher, so kann Bischof Fürst später einer Zwischenfragerin erwidern, habe er noch keine Arbeitsplätze streichen müssen. Und ja, es sei ihm bewusst, dass die Pflegekräfte der katholischen Kirche nicht gerade gut verdienen in ihrem Beruf. Nicht diese materiellen Rahmenbedingungen sind es aber, die Fürst in den Mittelpunkt seine Betrachtungen stellt, sondern das, was er die "Kultur der gegenseitigen Wertschätzung" nennt. Sein Bischöfliches Ordinariat habe sich in den letzten Jahren ein Leitbild gegeben, in dem es die Prinzipien gegenseitiger Wertschätzung zwischen Arbeitgeber und Beschäftigten festgeschrieben habe. Eine Vorgehensweise, die Fürst auch allen Unternehmen dringend empfiehlt. Denn unter den wachsamen Augen einer skeptisch gewordenen Öffentlichkeit gerieten Unternehmen inzwischen unter einen "erheblichen ethischen Legitimierungsdruck". Ethik im Unternehmen? Glaube? Der Bischof greift auf ein Zitat Lessings zurück, wenn er darauf hinweist, zwischen der Botschaft Jesu und der Weltwirtschaft klaffe oft ein "garstig breiter Graben".

Den produktiven Umweg finden

Gebhard Fürst steht der Diözese Rottenburg-Stuttgart seit Juli 2000 als deren elfter Bischof vor. Das Themenfeld Glaube und Ethik beschäftigte den 1948 in Bietigheim geborenen Katholiken spätestens seit seiner Priesterweihe im Jahr 1977 in vielen seiner Schriften. Von 2001 bis zum Jahr 2005 gehörte er dem Ethikrat der Bundesregierung an.

Im christlichen Glauben sieht Gebhard Fürst die Skizze eines "produktiven Umwegs" vorgezeichnet, mit dem sich Lessings Graben überwinden lasse. Theologie und Wirtschaft seien eben keine zwei Primadonnen, die nicht miteinander könnten. Durchaus gebe es ein Miteinander. Auch in der Marktwirtschaft solle es gerecht zugehen, mahnt der Bischof. Dafür allerdings sei eine "regulative Idee von Gerechtigkeit" die Voraussetzung. Damit ist Fürst bei Immanuel Kant angelangt, verlässt den Befürworter der autarken moralischen Instanz im eigenen Ich aber gleich wieder, denn dem Bischof steht der Glaube als Gerechtigkeits-Garant naturgemäß näher als der kategorische Imperativ.

So etwas wie ein Leuchtturm könne der Glaube sein, schlägt Fürst vor, oder auch ein Kompass für Grundfragen der Zeit. Die aber seien gerade Fragen nach der Gerechtigkeit: "Wenn wir nicht mehr gerecht sein wollen, verlieren wir die Humanität." Ganz richtig fordere daher schon die Präambel des bundesdeutschen Grundgesetzes "Verantwortung vor Gott und den Menschen."

Gesundes Wirtschaften

Dann erzählt Bischof Gebhard Fürst von einem Aufenthalt in Singapur, wo er beobachten konnte, wie es aussieht, wenn Arbeitskräfte instrumentalisiert und damit ihrer Würde beraubt werden. Menschen aber seien keine Instrumente, sonden Personen: "Jeder Mensch ist ein Geschöpf Gottes, und daher kann er nicht nach seiner Leistung verrechnet werden!"

Den Handlungsspielraum der Wirtschaft sieht Fürst aber als beschränkt. Handwerk und Industrie seien auf gesellschaftliche Vorgaben angewiesen, die sie sich selbst nicht erschaffen könnten. Gerade deshalb sei soziale Gerechtigkeit nur in einer gerechten Gesellschaft möglich, und die erfordere tragfähige Grundwerte. "Christliche Werte sollten die tragfähigen Grundideen eines gesunden Wirtschaftens sein."

Bischof Fürst verheimlicht darum nicht seine Betroffenheit darüber, dass Baden-Württembergs Landesregierung Mitte Februar 2007 die völlige Freigabe der Ladenöffnungszeiten beschlossen hat. "Wenn wir vor lauter Wirtschaften unsere Grundorientierung verlieren sollten, dann hätten wir unsere Zukunft verspielt!"

Diözese Rottenburg-Stuttgart


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Bischof Gebhard Fürst, Diözese Rottenburg-Stuttgart, Katholik, katholische Kirche, Glaube, Ethik, Moral, Unternehmertum, Glaubensfragen, Zukunftsforum, 15. Februar 2007