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Bildungskongress: Die Forderungen des Handwerks

Am 31. Mai 2017 fand in Stuttgart der "Bildungskongress Berufliche Bildung" statt. Lesen Sie hier, welche Forderungen wir an das Kultusministerium richten.

Kammer bemängelt fehlende Gleichwertigkeit beruflicher Bildung

"Es ist überfällig, dass sich innerhalb der Gesellschaft wieder ein stärkeres Bewusstsein dafür entwickelt, was die duale Ausbildung für Deutschland bedeutet", sagte die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann Ende Mai im Vorfeld des Bildungskongresses Berufliche Bildung in einem Interview der Stuttgarter Nachrichten . Aufgrund ihrer diesjährigen Präsidentschaft der Kultusministerkonferenz (KMK) hatte die Ministerin die berufliche Bildung zum Schwerpunkt des länderoffenen Kongresses in Stuttgart erklärt.

Rainer Reichhold, Präsident der Handwerkskammer und des Baden-Württembergischen Handwerkstags (BWHT) , schätzte diese inhaltliche Ausrichtung, fordert aber konkrete Maßnahmen: "Es genügt nicht, den Akademisierungswahn nur zu beklagen. Die Gleichwertigkeit allgemeiner und beruflicher Bildung muss in konkretem Regierungshandeln zum Ausdruck kommen", so der Kammerpräsident. Die Fortschritte in der Berufsorientierung an allgemeinbildenden Schulen seien zwar positiv, an den Berufsschulen gebe es aber noch Handlungsbedarf - beispielsweise sei das Unterrichtsdefizit noch viel zu hoch. "Ein vergleichbarer Unterrichtsausfall an allgemeinbildenden Gymnasien würde zur Chefsache erklärt", beklagt Reichhold.

Im Gespräch mit dem SWR Fernsehen nennt Julia Behne aus der Stabsstelle Politik der Handwerkskammer ein weiteres Beispiel für die fehlende Gleichwertigkeit: "Wir wollen, dass pro Kopf dasselbe Geld für einen Studenten in die Hand genommen wird wie für einen Berufs- oder Meisterschüler." Die berufliche Bildung sei der akademischen zwar formal, aber nicht im Hinblick auf die finanzielle Förderung gleichgestellt. So wäre der Meisterbonus, wie er in anderen Bundesländern besteht, ein klares Signal der Anerkennung an das Handwerk. Wie der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) auf Bundesebene fordere die Kammer einen Berufsbildungspakt als Äquivalent zum Hochschulpakt.

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Bessere Berufsorientierung und eine höhere Unterrichtsqualität

Damit Ausbildung überhaupt gelingen kann, sind zwei Voraussetzungen elementar: Die angemessene Berücksichtigung des Handwerks in der Berufsorientierung aller Schularten und ausbildungsreife Schulabgänger. Während viele Jugendliche einen höheren Abschluss anstreben und die attraktiven Chancen einer dualen Ausbildung übersehen, bringen andere nach der Schule schlichtweg keine Ausbildungsreife mit.

  • Das Handwerk fordert Lehrkräfte der Gymnasien daher auf, ihren Schülern die Bandbreite an Berufsorientierung auch jenseits typisch akademischer Bildungswege aufzuzeigen und appelliert an die Politik, diese Bemühungen durch entsprechende Lehr- und Bildungspläne verpflichtend zu machen.
  • Wenn Bewerber um eine Ausbildungsstelle abgelehnt werden, so liegt dies bei rund einem Drittel der Fälle an fehlenden Mathematik- und in einem Viertel an mangelnden Deutschkenntnissen. Das Handwerk fordert deshalb eine Steigerung der Unterrichtsqualität. Lehrerinnen und Lehrer benötigten systematische Unterstützung durch Fortbildung und Coaching.

  • Neben der Ausbildungsreife sollten Schüler das Rüstzeug für die derzeitige Digitalisierung der Berufswelt bereits in der Schule erhalten. Das Handwerk fordert deshalb, dass Informatik an allen Schularten verpflichtend ab Klasse 7 unterrichtet wird. Dabei kommt es nicht nur auf  die entsprechende Ausstattung der Schulen an, sondern vor allem auf eine methodisch sinnvolle Vermittlung der Inhalte.

  • Darüber hinaus muss der Brückenschlag zur Praxis gelingen. Weil Lehrkräfte in der Regel selbst keine betriebliche Praxiserfahrung mitbringen, um das Handwerk zu "verstehen", benötigen sie entsprechende "Botschafter". Derzeit werden alle Schulen in der Region Stuttgart über ein Fortbildungskonzept für Lehrer an der Bildungsakademie der Handwerkskammer informiert. Damit der Wirtschaftszweig Handwerk kompetent vermittelt werden kann, müssten solche Fortbildungen für alle Lehrkräfte, die an ihren Schulen für Berufsorientierung zuständig sind, verpflichtend sein.

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Julia Behne

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