Ausbildung - Fachwerkerberufe
Sonderwege ins Handwerk
Die etwas andere Berufswahl
Wenn es im Handwerk nur die Regelausbildung gäbe, bliebe so manche handwerkliche Begabung auf der Strecke. Manchmal stehen persönliche Defizite, Lernschwächen, Behinderungen oder Lebensumstände einer erfolgreichen Ausbildung in einem regulären Lehrberuf entgegen. Fachwerkerberufe sind dann eine Alternative. Sie reduzieren den theoretischen und ein Stück weit auch den praktischen Inhalt einer Regelausbildung.

Fachwerkerberufe sind anerkannte Ausbildungsziele. In einer meist dreijährigen Lehrzeit werden sie in speziellen Ausbildungsgängen unterrichtet und sind oft in einzelne Bausteine gegliedert. In der Region Stuttgart werden im Wirtschaftszweig Handwerk die folgenden Ausbildungsgänge als Rehabilitationsmaßnahmen angeboten:
Fachwerker/-in für Feinwerktechnik
Fachwerker/-in für Metallbautechnik
Auf die Ausbildung in diesen Berufen hat sich eine Reihe von Bildungsträgern spezialisiert. Sie verfügen über geeignete Werkstätten, in denen die praktische Ausbildung stattfindet. Meist bieten sie angegliederte Sonderberufsschulen, die den theoretischen beziehungsweise schulischen Teil der Ausbildung abdecken. Den Kontakt zur Berufspraxis stellen ergänzende Praktika her, die in Betrieben der freien Wirtschaft absolviert werden. In der Region Stuttgart ist der größte Bildungsträger für Fachwerkerausbildungen das Berufsbildungswerk (bbw) in Waiblingen, doch es gibt noch eine Reihe anderer Anbieter:
Bildungsträger für Fachwerkerberufe
Der Weg in den Fachwerkerberuf
Kostenträger und erste Anlaufstelle für Interessenten sind die regionalen Agenturen für Arbeit. Erfahrene Mitarbeiter führen dort eine so genannte Reha-Beratung durch, die als erster Schritt nicht ausgelassen werden darf. Die Anmeldung zu einem der Bildungsträger erfolgt nach diesem Gespräch und mit Zustimmung des Beraters der Arbeitsagentur. Fragen Sie in der Arbeitsagentur Ihres Wohnorts nach dem zuständigen Reha-Team. Diese Mitarbeiter helfen Ihnen weiter.
Das Eignungsprofil
Nach dem ersten Kontakt mit der vom Reha-Team zugewiesenen Bildungseinrichtung, die Fachwerkerausbildungen durchführt, steht die Frage im Vordergrund, für welche Art von Ausbildung sich ein Interessent eignet. Um das herauszufinden, gibt es Aufnahme- und Informationsgespräche, denen sich eine handwerkliche und schulische Erprobung anschließen kann. Am Ende dieser Testphase steht ein individuelles Eignungsprofil. Bildungseinrichtung und Reha-Team der Agentur für Arbeit können auf der Grundlage dieses Eignungsprofils eine Empfehlung über eine Fördermaßnahme oder eine Ausbildung aussprechen.
Zwei Wege öffnen sich
Kommen die Berater beider Einrichtungen zu dem Ergebnis, dass ein Bewerber ausbildungsreif ist und Berufswunsch sowie Eignung für den Beruf übereinstimmen, steht einer Ausbildung in einem Fachwerkerberuf nichts mehr im Wege. Oft herrschen unter den Jugendlichen jedoch noch keine festen Vorstellungen über ihren beruflichen Werdegang. Die Reha-Berater können dann vor der Ausbildung die Teilnahme an einer Berufsvorbereitung empfehlen, einer so genannten BvB-Maßnahme (Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme). Viele Bildungsträger, wie zum Beispiel das bbw in Waiblingen bieten solche BvB-Maßnahmen an und können später auch im passenden Fachwerkerberuf ausbilden.
| Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme |
Ausbildung in einem Fachwerkerberuf |
| BvB-Angebote sind einer Ausbildung zeitlich vorgeschaltet und sollen den Einstieg in die Lehre erleichtern. Kostenträger ist die Agentur für Arbeit. Am Ende einer Maßnahme steht der Einstieg in eine reguläre oder eine durch die Agentur für Arbeit geförderte Ausbildung. BvB-Maßnahmen richten sich an Jugendliche und junge Erwachsene bis zum Alter von 25 Jahren. Sie lernen verschiedene Berufsfelder kennen und werden in den beruflichen Schlüsselkompetenzen geschult. Praktische Werkstattarbeit wird durch Schulunterricht in der Sonderberufsschule ergänzt. Die Dauer einer solchen Maßnahme richtet sich nach den Bedürfnissen der Teilnehmer, ist aber spätestens nach elf Monaten beendet. Welche weiteren Voraussetzungen zu erfüllen sind, um an einer BvB-Maßnahme teilnehmen zu können, wissen die Mitarbeiter des Reha-Teams. | Auch für die Fachwerkerberufe gilt das duale Ausbildungsprinzip. Die praktische Ausbildung in den Werkstätten des Bildungsträgers wird durch Unterricht in der Sonderberufsschule ergänzt. Zusätzlich verfügen die meisten Bildungsträger über fachkundige sozialpädagogische Mitarbeiter, die die Jugendlichen auf ihrem Ausbildungsweg unterstützen. Praktika in Betrieben der freien Wirtschaft ergänzen die Lehrzeit. Details zur Ausbildung finden sich in den Beschreibungen der einzelnen Berufe, die oben aufgelistet wurden. Unter gewissen Umständen kann eine Ausbildung in einem Fachwerkwerberuf auch in Kooperation mit einem Handwerksbetrieb und einem Bildungsträger erfolgen. Informationen dazu geben die Reha-Berater. |
Und dann?
Wie es nach der Teilnahme an einer BvB-Maßnahme oder nach Abschluss einer Fachwerkerausbildung weitergeht, hängt von den Voraussetzungen jedes Einzelnen ab. Im Idealfall münden diese Angebote in ein intaktes Berufsleben, das nur noch wenige oder gar keine Unterschiede mehr zu den klassischen Wegen in den Beruf aufweist.


