Beratung und Service
Erfolgsfaktor Familienfreundlichkeit
Wer Beruf und Privatleben gut vereinbaren kann, leistet mehr
Was bindet Mitarbeiter dauerhaft an Unternehmen? Umfragen zeigen, dass nicht nur das Gehalt eine entscheidende Rolle spielt. Viele gut ausgebildete Fach- und Führungskräfte suchen ganz gezielt einen Arbeitgeber, der familienfreundlich ist. Denn was nützt eine gut gefüllte Lohntüte, wenn es die Jobkonditionen unmöglich machen, sich Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen angemessen zu widmen?

Bild: Michael Kempf @Fotolia.com
Knapp 80 Prozent der Bevölkerung und rund 88 Prozent der jungen Eltern erhoffen sich laut Familienmonitor, dass Unternehmen mehr tun, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern. Dazu können flexible Arbeitszeitmodelle, Kinderferienprogramme oder finanzielle Zuschüsse für die Kinderbetreuung beitragen.
Immer mehr Betriebe erkennen, dass sich Familienfreundlichkeit für sie rechnet. Das Allensbach-Institut fand heraus, dass 74 Prozent aller Personalverantwortlichen in Unternehmen davon überzeugt sind, dass durch Angebote, die Beruf und Familie in Balance bringen, betriebswirtschaftliche Vorteile entstehen. Diese Einschätzung teilen die Vertreter aller Wirtschaftszweige unabhängig von der Firmengröße. Auch die Handwerkskammer Region Stuttgart ist aus diesem Grund im Jahr 2008 dem Unternehmensnetzwerk Erfolgsfaktor Familie beigetreten, das vom Bundesfamilienministerium ins Leben gerufen wurde.
Die Einsicht in die Logik wächst: Arbeitnehmer, die private und berufliche Interessen ausbalancieren können, bleiben dem Unternehmen oft lange treu und sind leistungsfähiger sowie motivierter. Die Mitarbeiter familienfreundlicher Unternehmen sind nachweislich seltener krank und kehren nach der Geburt ihres Kindes schneller an den Arbeitsplatz zurück. Die zusätzlichen Angebote und Unterstützungsleistungen bringen den Unternehmen außerdem einen Imagegewinn ein. Dieser zahlt sich auch als Attraktivitätsbonus des Arbeitgebers beim Wettbewerb um die besten Köpfe aus. Nur die wenigsten Betriebe werben allerdings aktiv mit dem Prädikat "familienfreundlich".
Junge Familien wollen mehr Zeit für sich haben
Doch auch wenn das Thema noch nicht offen in den Personalgesprächen diskutiert wird, hat sich mit der Einführung des Elterngeldes die betriebliche Realität in Deutschland bereits merklich verändert. Väter nehmen vermehrt die Chance wahr, zwei oder auch weitere Monate Auszeit vom Job zu nehmen und sich um das eigene Kind zu kümmern. Dies zeigt, dass Väter mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen wollen, wenn die Rahmenbedingungen ihnen das ermöglichen.
Das Modell des Jobsharings - die Eltern üben beide einen Teilzeitjob aus und kümmern sich abwechselnd ums Kind - ist Untersuchungen zufolge für viele Paare eine attraktive Option. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: In Deutschland ist die Frauenerwerbsquote - der Prozentsatz der Frauen im arbeitsfähigen Alter, die einer Beschäftigung nachgehen - vergleichsweise niedrig. In Skandinavien oder Frankreich beispielsweise, arbeiten deutlich mehr Frauen und dies oft auch noch in größerem zeitlichem Umfang. Auch bemerkenswert: Schwedische und dänische Väter verbringen mehr Zeit auf dem Spielplatz als dies deutsche Väter tun. Auch die einstündige Auszeit, um den Sprössling vom Kindergarten abzuholen, ist für die Kollegen "normal". Außerdem ist es problemlos möglich, den Nachwuchs tagsüber gut unterzubringen.
"Hier muss sich die Region Stuttgart noch entwickeln, da sind wir weit weg von der Spitzenklasse", kritisiert Kammerpräsident Rainer Reichhold die Maßnahmen zur Kinderbetreuung im Land. Mit der von der Landesregierung angestrebten Erhöhung der Betreuungsquote auf 34 Prozent sei es nicht getan. Nur eine Aufstockung der Plätze bei gleichzeitiger Qualitätssicherung mache das Angebot für Eltern und damit für die Region attraktiv.




