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Beratung und Service - Innovationsberatung

Was heißt hier innovativ?

Versuch einer Annäherung

Das Innovativste an Gesprächen über Innovation sind oft die Definitionsversuche für den Begriff Innovation: Alle reden darüber, und keiner weiß, was wirklich gemeint ist. Dabei ist doch alles ganz einfach. Innovation ist das, was neu ist. Oder nicht?

Symbolbild: Definition Innovation

Tatsächlich verhalten sich die Dinge nicht ganz so simpel. Wer sich auf ein Gespräch über Innovationen einlässt, kann sich nie sicher sein, dass sein Gegenüber mit ihm über die selben Sachverhalte unterhält, die er gerade meint. Unter Innovation lässt sich vieles verstehen.

Ganz wörtlich

Das lateinische Adjektiv novus steckt im Wortstamm des Begriffes Innovation, und novus bedeutet tatsächlich neu. Eine innovatio ist deshalb etwas neu Geschaffenes, und daher ist eine Innovation eine Neuerung, eine Neuheit. Erfindungen sind im Idealfall solche Neuerungen oder Neuheiten auf dem Markt, weshalb ihnen der Ruf voran geht, immer auch Innovationen zu sein. Ob das wirklich stimmt, ist aber schon wieder eine Frage der Definition.

Was ist neu? Und was ist innovativ?

Wenn ein Unternehmen beispielsweise im Fensterbau tätig ist und bislang ausschließlich hölzerne Fensterrahmen fertigt, kann es für diesen einzelnen Betrieb eine Innovation bedeuten, als zweites Standbein die Produktion von Fensterrahmen aus Kunststoff ins Programm zu nehmen. Vielleicht hat die Beobachtung des Marktes ja ergeben, dass sich zurzeit Fensterrahmen aus Kunststoff besonders gut absetzen lassen. Das Unternehmen hat dann auf das Marktgeschehen flexibel reagiert. Eine technische Neuerung war mit diesem Verhalten aber nicht verbunden, denn Fensterrahmen aus Kunststoff gab es auch vorher schon. War es innovativ, das Produktspektrum zu erweitern?

Exportiert ein inländischer Maschinenbaubetrieb seit Jahren viele seiner Spezialanfertigungen in einen osteuropäischen Staat, könnte die Idee aufkommen, dort eine eigene Vertriebsniederlassung zu gründen. Später könnte sogar eine ausländische Produktionsstätte daraus werden. Oder man kooperiert gleich mit einem ausländischen Partner, der dann in Lizenz fertigt. Auch das klingt innovativ. Aber haben das nicht tausende anderer Unternehmen auch schon getan?

Ein Augenoptiker beschäftigt fünf Mitarbeiter, die bislang in fest eingerichteten Schichten die Kunden betreuten, die an sechs Wochentagen das Ladengeschäft betraten. Jeden Tag nach dem gleichen Muster, obwohl samstags schon immer viel mehr los war als dienstags. Irgendwann finden Inhaber und Mitarbeiter eine neue Zeiteinteilung mit der sie sich besser auf die Gewohnheiten ihrer Kundschaft einrichten können. Der Umsatz steigt sogar. War das neue Zeit- und Personalkonzept eine Innovation? Oder war nur das alte nicht zweckmäßig?

Offenbar gibt es nicht nur verschiedene Lesarten davon, was Innovation ist, sondern auch verschiedene Aktionsfelder, auf denen Innovationen auftreten können. In der Technik, in der Absatzstrategie, in der Personalplanung. Aber auch im Management, in organisatorischen Vorgaben oder in sozialen Gegebenheiten.

Unterscheidungen

Je nachdem, wo sie auftreten, werden Innovationen in Geschlossene und Offene Innovationen unterschieden. Die Entwickler einer Geschlossenen Innovation sind eine homogene Gruppe von Personen - zum Beispiel der Technikerstab eines bestimmten Unternehmens. Sind die Innovatoren bereit, sich mit aller Welt ungehindert auszutauschen, fremdes Wissen zu nutzen und eigenes Wissen an Fremde zu vermitteln, betreiben sie Offene Innovation. Damit ist aber nur etwas über den kreativen Werdegang eines Innovationsprozesses ausgesagt, und noch nichts über die Neuerung selbst.

Der Volkswirt Joseph Alois Schumpeter veröffentlichte 1939 in den USA sein 1961 ins Deutsche übersetztes Buch Business Cycles, das ein Kapitel mit dem Titel Theorie der Innovation enthält. Mit ihm rückte das Schlagwort Innovation zuerst bei Ökonomen und Soziologen in den Blick, ehe sich Unternehmensberater und Manager auf alles stürtzten, was innovativ zu sein versprach. Schumpeter unterschied schöpferische Unternehmer von Arbitrageunternehmern. Letztere versuchen ihren Gewinn auf dem Wege der Preisgestaltung zu optimieren. Nur schöpferische Unternehmer galten Schumpeter als Innovatoren.

Als typische Vorgehensweise der Innovatoren beschrieb Joseph Schumpeter den Prozess der schöpferischen Zerstörung - eine Idee, die er dem nicht unumstrittenen Soziologen Werner Sombart entliehen hatte. Nach dieser Idee geht struktureller Wandel immer aus der Zerstörung bestehender Ordnungen hervor, da nur der Niedergang des Alten Kreativität für Neues freisetzen kann.

Innovationsforschung heute

In der Gegenwart nehmen sich unterschiedlichste technische, wirtschaftswissenschaftliche, soziologische und philosophische Strömungen dem an, was sich unter dem Überbegriff Innovationsforschung zusammenfassen lässt. Dabei geht es nicht mehr so sehr um die Frage, was Innovation eigentlich ist, sondern eher um das Umfeld, das sie hervorbringt.

Ein neues Schlagwort macht die Runde: Pfadabhängigkeit. In welche Richtung sich eine Idee entwickelt, hängt demnach davon ab, wo sie entstand und wie sie bislang gewachsen ist. Was einleuchtend klingt, hat gewichtige Folgen: Die Pfadabhängigkeit begrenzt innovatives Potenzial. Nicht jeder kann jede Innovation hervorbringen, da bestimmte Innovationen einen Entwicklungspfad verlangen, auf dem sich so mancher Interessent eben nicht bewegt.

Grenzen

Damit schließt sich der Kreis. Was Innovation ist, hängt nicht nur davon ab, was neu ist. Was Innovation ist, lässt sich nicht nur dadurch definieren, wo eine Neuerung entsteht und welches ältere Konzept sie verdrängt. Innovationen lokalisieren sich auch durch ihre eigenen Grenzen. Nur am richtigen Ort und in einer ihm adäquaten Entwicklungsrichtung lassen sich echte Innovationen hervorbringen.

Das heißt aber auch, dass sich Innovationen nicht erzwingen lassen. Innovation hat ihren Ort und ihre Zeit. Sie ereignet sich, wenn ihre Zeit gekommen ist. Bei denen, die sich um sie bemühen und die für sie empfänglich sind.


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