Beratung und Service - Innovationsberatung
Absichern für die Zukunft
Ein Unternehmer schickt Außenspiegel in den Paternoster und gestaltet damit seinen Betrieb um
Innovationen können Selbstzweck sein und aus sportlichem Ehrgeiz entstehen. Sie können aber auch organisch aus dem heraus wachsen, was schon da ist. Der Maschinenbauer Bernhard Hörl hat eine gute Idee zur Marktreife gebracht, die andere nicht hatten. Nun könnte es sein, dass diese Idee sein ganzes Unternehmen auf neue Beine stellt.

Bernhard Hörl aus Erligheim kann selbstbewusst über die Straße gehen. Hört er das Brummen eines Fahrzeugs, darf er in vielen Fällen davon ausgehen, dass er selbst etwas damit zu tun hat. Zumindest ein Stück weit. Der Unternehmer aus dem kleinen Ort bei Bietigheim-Bissingen hat 1986 einen Betrieb für Maschinenbau und Systemtechnik gegründet. 24 war er damals. "Am 10. Juli habe ich das Meisterzeugnis erhalten und am 1. August habe ich mich selbstständig gemacht mit einer Fräsmaschine."
Der Mut von damals war berechtigt. Heute sind in der Hörl GmbH 17 Mitarbeiter beschäftigt, darunter drei Konstrukteure und ein Technischer Zeichner. Die sind auch dringend nötig, denn die Produkte des mittelständischen Unternehmens sind durch die Bank Sonderentwicklungen. Genauer gesagt: Sondermaschinen. Auf den Anlagen, die Bernhard Hörls Betrieb fertigt, entstehen später Zubehörteile für namhafte Automobilhersteller. Viele der Außenspiegel, Trittbretter, Wischblätter oder Pedale von Fahrzeugen der Marken BMW, Porsche oder Mercedes wurden auf Maschinen gefertigt, die sich die Fachleute aus der Werkstatt von Bernhard Hörl ausgedacht haben. Deshalb darf sich Hörl so freuen, wenn er beim Spazierengehen das Brummen eines Fahrzeugs hört.
Doch mehr als bloß ein Schlagwort
Der schwäbische Unternehmer könnte sich vielleicht zurücklehnen und sich über das Erreichte freuen, gerade das aber hält Bernhard Hörl für einen tödlichen Fehler. Innovation, sagt er, sei nur ein Schlagwort. Aber auch: "Die Fähigkeit zur Innovation trägt jeder in sich." Und programmatischer: "Innovation ist Absicherung für die Zukunft. Es geht darum, die Zukunftsfähigkeit des Betriebs zu erhalten." Da zeichnet sich dann schon ab, worum es Hörl geht, denn - auch das ist seine Meinung: "Innovation ist Weiterentwicklung bestehender Produkte."
In diesem letzten Satz ist jedes Wort wichtig. Der Erligheimer Maschinenbauer weiß, womit er in den vergangenen Jahren sein Geld verdient hat, kennt seine Stärken und erahnt mögliche Problemfelder. Deshalb will er seine Stärken nutzen, um sich einen neuen Markt zu erschließen, der ganz organisch aus dem Bestehenden wächst. Weiterentwicklung als Innovation.
Für einen ihrer Kunden hatte die Hörl GmbH eine Fertigungslinie für die Produktion von Fahrzeug-Außenspiegeln entwickelt. Beim Umrüsten von linken auf rechte Spiegel oder umgekehrt hatten die Mitarbeiter des Kunden alle Hände voll zu tun, und das sollte sich ändern. So entwarf Hörl eine Einrichtung, die in der Lage ist, einzelne Werkstückträger vorübergehend aus der Montagelinie zu nehmen und sie so lange zwischenzulagern, bis sie dort wieder erwünscht sind. "Speichergerät für Werkstückträger" nennt Bernhard Hörl seine Erfindung ganz prosaisch. Sie funktioniert wie ein Paternoster - nur sind dessen Fahrgäste Bauteile, die eine Warterunde drehen, bis sie wieder gebraucht werden.
Die Idee war so gut, dass sie Bernhard Hörl im Frühjahr 2007 auf der Internationalen Handwerksmesse einen Bayerischen Staatspreis einbrachte. Nun setzt der innovative Macher auf die Vielseitigkeit seiner Entwicklung. Dem Speichergerät ist es nämlich egal, ob es halbfertige Außenspiegel zwischenlagert oder Teile, die in ganz andere Branchen gehören. Dann wäre der Speicher nicht ein Auftrag wie jeder andere, sondern für die Hörl GmbH eine Fahrkarte in eine Zukunft mit mehreren Standbeinen: "Das Speichergerät soll unser Hauptumsatzträger für die Zukunft werden. Dadurch wollen wir uns aus unserer Abhängigkeit von der Automobilbranche lösen." Die Zeichen stehen dafür gut. Inzwischen gibt es Hörls Apparatur nämlich auch in Ausführungen, die ihr Lagergut beheizen oder kühlen können. Falls es sich dabei zum Beispiel um Elektronikbauteile handeln sollte.





