Beratung und Service
"Wachsender Bedarf nach flexiblen Betreuungszeiten"
Sozialbürgermeisterin Gabriele Müller-Trimbusch im Gespräch
Ein gewisser Widerspruch ist nicht von der Hand zu weisen: Während Baden-Württemberg in punkto Familienfreundlichkeit Musterländle sein will, ist die Mehrheit der Handwerksbetriebe in der Region Stuttgart mit dem bestehenden Kinderbetreuungsangebot unzufrieden. Gabriele Müller-Trimbusch, Stuttgarts Sozialbürgermeisterin, stellte sich den Fragen der Handwerkskammer und gab eine Betreuungsquote von 50 Prozent für unter Dreijährige als Zielmarge an.

Bild: Stadt Stuttgart
Handwerkskammer Region Stuttgart: Die Stadt Stuttgart will eine besonders familienfreundliche Stadt werden. Wo stehen Sie aktuell?
Müller-Trimbusch: Im Jahr 2000 stand für acht Prozent der Kleinkinder in Stuttgart ein Betreuungsangebot zur Verfügung, im Jahr 2007 bereits für 24 Prozent und im Jahr 2010 wird es für etwa 31 Prozent dieser Altersgruppe ein Betreuungsangebot geben. Wir kommen damit der Erfüllung des bundesweit angestrebten durchschnittlichen Versorgungsgrades von 35 Prozent bei Kleinkindern ein großes Stück näher.
Welche Ziele hat sich die Stadt Stuttgart gesetzt?
Wir haben uns aufgrund der hohen Nachfrage ein Versorgungsziel von 50 Prozent an Plätzen für unter Dreijährige gesetzt, das wir kontinuierlich erreichen wollen. Ebenso ist es unser Ziel, die Ganztagesbetreuung der Kinder zwischen drei und sechs Jahren weiter auszubauen. Es zeigt sich, dass es einen steigenden Bedarf nach flexiblen Betreuungszeiten gibt, beispielsweise nach tageweiser Betreuung, da nicht alle Eltern von Montag bis Freitag eine ganztägige Betreuung für ihre Kinder benötigen. Dieser Bedarf kann über ein Platz-Sharing-System, bei dem einzelne Plätze mit zwei Kindern belegt sind, abgedeckt werden.
Ein weiteres Stichwort ist die Kindertagespflege. Was ist in diesem Bereich geplant?
Wir wollen das Angebot an Betreuungsplätzen in der Kindertagespflege, das heißt Betreuung bei Tagesmüttern oder Tagesvätern, weiter ausbauen. Tagespflege ist als flexible Angebotsform insbesondere für Eltern mit kleinen Kindern eine gute Möglichkeit, ein individuelles und "familienähnliches" Betreuungsangebot zu finden, zum Beispiel für den tageweisen Wiedereinstieg in den Beruf.
Wie wollen Sie sicherstellen, dass jedes Kind eine gute Förderung erhält?
Allen Kindern unabhängig von ihrer sozialen Herkunft gute Entwicklungsmöglichkeiten und Bildungschancen zu ermöglichen, ist unser Anspruch. Wir investieren deshalb viel in die Sprach- und Bildungsförderung. Bereits seit dem Jahr 2006 stehen finanzielle Mittel für die Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen mit einem Anteil von mehr als 50 Prozent an bilingualen Kindern zur Verfügung.
Was tun Sie für Betriebe, die ihre Mitarbeiter bei der Betreuung unterstützen wollen?
Stuttgart fördert Betriebskindertagesstätten finanziell, da sich viele Eltern vor allem für ihre kleinen Kinder arbeitsplatznahe Angebote wünschen. Zudem werden Betriebe nach den neuesten Gesetzesgrundlagen mit 75 Prozent der Betriebskosten vom Jugendamt gefördert, wenn unter Dreijährige betreut werden. 63 Prozent Förderung gibt es bei den Drei- bis Sechsjährigen.




