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Voraussetzungen für die Existenzgründung

Zu Beginn jeder Selbstständigkeit im Handwerk stellt sich eine entscheidende Frage: Brauche ich einen Meisterbrief oder geht es auch ohne? Zwingend erforderlich ist er in vielen Gewerken nicht - aber nach den Gesetzen des Marktes ist es von großem Vorteil, ihn zu haben.



Der Meisterbrief als Gütesiegel

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Der Meisterabschluss war im Handwerk schon immer etwas Besonderes. Das ist bis heute so geblieben. Denn der Meisterbrief steht für Werte, die ohne diesen Abschluss schwer unter Beweis zu stellen wären: Fachkompetenz, technisches Know-how, Führungswissen und soziale Kompetenz.

Der Imagegewinn ist also enorm. Und daher lohnt sich der Meisterbrief für jeden Handwerker, der sich mit dem Gedanken trägt, irgendwann sein eigener Chef zu werden.

Zwar ist der Qualifikationsnachweis nur noch in den 41 Berufen des sogenannten "Vollhandwerks" zwingende Voraussetzung, um ein Unternehmen gründen und führen zu dürfen. In den übrigen - den "zulassungsfreien Handwerken" und "handwerksähnlichen Gewerben" - geht es auch ohne ihn. Im Prinzip! Denn für die Kunden des Handwerks hat der Begriff "Meisterbetrieb" eine Strahlkraft wie der Doktorgrad für einen Mediziner: Wer zum Arzt geht, möchte zum Doktor, wer einen Handwerker braucht, fragt nach einem Meister.

Und es gibt weitere Gründe für den Erwerb des Meisterbriefs:

  • Wer Meister ist, darf Azubis ausbilden. Mit seinem Meisterbrief erwirbt sich ein Handwerker also das Recht, sein Wissen offiziell weiterzugeben. Meister können sich für ihr Unternehmen genau die Fachkräfte aufbauen, die sie benötigen: Experten aus dem eigenen Betrieb für den eigenen Betrieb.

  • Meister verfügen mit ihrem Abschluss über eine Qualifikation, die ihnen auch in einer abhängigen Beschäftigung als Arbeitnehmer Vorteile bringt: Sie verdienen ganz einfach besser. Außerdem stehen Meistern auch viele weiterführende Studiengänge unterschiedlichster Bildungsträger offen.

Es spricht also vieles für den eigenen Meisterbrief: Mehr Know-how, ein höheres Ansehen bei der Kundschaft, die Option, selbst auszubilden, eine höhere Qualifikation. Und zuletzt: Wenn ein Handwerker nicht beabsichtigt, ein eigenes Unternehmen zu führen, verbessert er mit dem Meisterbrief dennoch seinen Wert auf dem Bewerbermarkt. Handwerksmeister sind auch in der Industrie geschätzte und begehrte Fachkräfte. Und im Handwerk sowieso.



Infos zum Meisterbrief

Die Handwerksordnung (HwO) unterscheidet zwischen den Berufen der zulassungspflichtigen und denen der zulassungsfreien Handwerke. Wer sich in einem Handwerk selbstständig machen möchte, das zulassungspflichtig ist, benötigt dafür entweder selbst einen Meisterbrief, oder einen entsprechend gleichwertigen Qualifikationsnachweis oder aber einen bei ihm angestellten Betriebsleiter, der über einen solchen verfügt. Deshalb geht es zunächst einmal darum, herauszufinden, ob ein Handwerk zulassungspflichtig oder zulassungsfrei ist.

  • Zulassungspflichtige Handwerke nach Anlage A

    Die Handwerksordnung enthält eine Liste, die alle zulassungspflichtigen Handwerke aufführt. Diese Liste trägt die Bezeichnung "Anlage A". Sie nennt alle Berufe, in denen die Handwerksordnung die Leitung eines Handwerksbetriebs nur dann zulässt, wenn es im Unternehmen einen Inhaber oder einen Betriebsleiter gibt, der eine entsprechende Qualifikation hat:

    Anlage A der HwO
  • Zulassungsfreie Handwerke nach Anlage B

    Nach den Vorgaben des Gesetzgebers braucht in den Berufen der zulassungsfreien Handwerke niemand zwingend einen Meisterbrief, um sich mit einem Unternehmen selbstständig zu machen. Meister zu werden, ist in diesen Handwerken auch möglich, für Existenzgründer aber nicht zwingend erforderlich. Nach den Gesetzen des Marktes ist es aber von großem Vorteil, den Meisterbrief zu haben. Die zulassungsfreien Handwerke sind in der Anlage B der Handwerksordnung in ihrem ersten Abschnitt aufgeführt.

    Berufe des zulassungsfreien Handwerks nach Anlage B HwO
  • Handwerksähnliche Gewerbe

    Für diese Berufe gilt das im Abschnitt "zulassungsfreie Handwerke" ausgeführte entsprechend. Sie sind in der Anlage B der Handwerksordnung in ihrem zweiten Abschnitt aufgeführt.
  • Ausnahme Altgesellenregelung

    Die Handwerksordnung erfuhr im Jahr 2004 ihre letzte große Überarbeitung. Seitdem kennt die HwO auch eine Ausnahme, die unter Umständen für erfahrene Gesellen des Vollhandwerks interessant sein kann: Gesellen, die in dem von ihnen erlernten Gewerk mindestens sechs Jahre tätig waren und dabei zumindest vier Jahre in einer leitenden Tätigkeit abhängig beschäftigt waren, können sich auch dann im Vollhandwerk selbstständig machen, wenn sie keinen Meisterbrief haben, sofern ein Antrag auf Ausübungsberechtigung nach §7b der Handwerksordnung gestellt und ein Bewilligungsbescheid erteilt wurde. Wir erteilen Ihnen gerne Auskünfte zu anerkannten gleichwertigen Qualifikationsnachweisen.

    Altgesellenregelung nach § 7b HwO


Voraussetzungen für den Meisterbrief

Für wen der Meisterbrief erforderlich ist, dürfte nun klar sein.  Aber wie bekomme ich ihn? Die Voraussetzungen dafür sind von Handwerk zu Handwerk verschieden.

Wir haben für jedes Handwerk, für das bei uns ein Meisterprüfungsausschuss besteht, ein Informationsblatt zusammengestellt, das beschreibt, welche Wege dort zum Meisterabschluss führen können, und welche Regeln jeweils gelten. Momentan gibt es bei der Handwerkskammer Region Stuttgart für folgende Gewerke Prüfungsausschüsse:

  • Bäcker
  • Behälter- und Apparatebauer
  • Buchbinder
  • Elektromaschinenbauer
  • Elektrotechniker
  • Feinwerkmechaniker
  • Fliesen-, Platten- und Mosaikleger
  • Friseure
  • Galvaniseure
  • Informationstechniker
  • Installateur und Heizungsbauer
  • Klavier- und Cembalobauer
  • Klempner
  • Konditoren
  • Kraftfahrzeugtechniker
  • Landmaschinenmechaniker
  • Maler und Lackierer
  • Maßschneider
  • Maurer und Betonbauer
  • Metallbauer
  • Modisten
  • Müller
  • Ofen- und Luftheizungsbauer
  • Orgel- und Harmoniumbauer
  • Orthopädietechiker
  • Raumausstatter
  • Sattler und Feintäschner
  • Schilder- und Lichtreklamehersteller
  • Stuckateure
  • Tischler/Schreiner
  • Zahntechniker
  • Zimmerer

Die Infoblätter zu den Meisterprüfungen in diesen Berufen bieten wir auf einer gesonderten Seite zum Herunterladen an:

 Info-Blätter zur Meisterprüfung

Christoph Arnold

Teamleiter Prüfungswesen

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