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Bildungspolitik: Ausbildungsreife ist das A und O

Aktuelle Studien sind ernüchternd: Viele Schüler haben Probleme mit Rechnen, Schreiben und Lesen. Hier erfahren Sie, welche Forderungen wir deshalb an die Politik richten.

Viele Schulabgänger nicht fit fürs (Berufs-)Leben

Egal ob es um das Schulfach Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung (WBS) , die schlechten Ergebnisse der VERA 8-Studie oder das neue IGEL-Projekt geht – in der aktuellen Debatte um den Leistungsstand der Schüler in Baden-Württemberg hagelt es Begriffe, mit denen Laien in der Regel wenig anfangen können. Die wesentlichen Erkenntnisse lassen sich aber ganz einfach auf den Punkt bringen:

Zu viele Schüler im Land haben Probleme mit den Grundrechenarten, mit Rechtschreibung sowie Lesen und Verstehen – von den sozialen Kompetenzen mal ganz abgesehen.

Bereits in der Grundschule verlieren Kinder den Anschluss – was zur Folge hat, dass viele Schulabgänger der 9. und 10. Klasse schlichtweg nicht ausbildungsreif sind. Wie schnell man bei der Ausbildung an seine Grenzen stößt, wissen Betriebe aus dem Handwerk nur allzu gut, die junge Menschen an einen Beruf heranführen möchten.

Was ist also zu tun, dass junge Menschen reif dafür sind, einen Beruf zu erlernen?

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Moritz Wussow - stock.adobe.com

Erste Maßnahmen sind bereits in Arbeit

Das Ausbildungsbündnis Baden-Württemberg, zu dem auch der Baden-Württembergische Handwerkstag (BWHT) gehört, hat Ende Mai das Landeskonzept berufliche Orientierung verabschiedet. Außerdem sieht das kürzlich von Kultusministerin Susanne Eisenmann vorgestellte Qualitätskonzept für das Bildungssystem die Einrichtung eines Zentrums für Schulqualität und Lehrerbildung vor. Ein Institut für Bildungsanalysen soll darüber hinaus Erfolge und Misserfolge von Bildungswegen aufzeigen und Anreize für die Lehrerausbildung schaffen.

Dies ist aus Sicht des Handwerks ein richtiger, wenn auch längst überfälliger Schritt.

Thomas Hoefling, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, erklärt: „Wir fordern seit langem, dass sich Qualität von Bildung daran bemisst, dass alle Schüler grundlegende Kompetenzen wie Lesen und Verstehen, Rechtschreibung sowie  die Grundrechenarten erwerben.“ Dass bereits in der Grundschule zu viele Kinder den Anschluss verpassen und Lehrerstellen fehlen, sei nicht neu. Von der Politik werde deshalb nun erwartet, dass Förder-  und Unterstützungsangebote rasch geschaffen und Wissensvermittlung stärker in den Mittelpunkt des Unterrichts gerückt wird.

Traumnoten verlangten die wenigsten Arbeitgeber vom künftigen Azubi, weiß der Kammerchef aus vielen Gesprächen. „Aber grundlegende schulische Kompetenzen, Lernbereitschaft und ordentliche Umgangsformen sind einfach unverzichtbar, damit die Ausbildung ein Erfolg wird.“

Was die Kammer darüber hinaus fordert

Neben dem, was Azubis mitbringen müssen, gibt es noch ein weiteres politisches Ziel des Handwerks: Die Möglichkeiten einer dualen Ausbildung müssen Schüler als gleichwertige Alternative zur akademischen Bildung während der Phase der Berufsorientierung kennenlernen. „Nur wenn Jugendliche die ganze Palette der beruflichen Möglichkeiten auch kennen, können sie die passende Berufswahlentscheidung treffen“, zeigt sich Julia Behne aus unserer Stabsstelle Politik überzeugt.

Die Einführung des Fachs „Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung (WBS)“ sei daher ein guter Schritt. Weitere müssten jedoch folgen, um das Handwerk auch angemessen in den Bildungsplänen sowie in der Lehrerfortbildung zu verankern.

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Julia Behne

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