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Digitalisierung: Neue Geschäftsfelder

Teil 14 unserer Serie zeigt, wie Sie durch die Digitalisierung und neue Technologien Ihre Geschäftsfelder erweitern können.

Die eigenen Geschäftsfelder erweitern

Der digitale Wandel bietet vielen Unternehmern die Chance, die eigenen Geschäftsfelder zu erweitern oder in den bestehenden wesentlich kosteneffizienter zu arbeiten. Wer sich und seine Vorgehensweise überdenkt, kann gestärkt daraus hervorgehen. Neue Technologien wie der 3D-Druck ermöglichen es, über den regionalen Markt hinaus zu bestehen und Perspektiven für die Zukunft zu sichern.

Einer der Vorreiter in Sachen 3D-Druck im regionalen Handwerk ist die Firma  Modellbau Kurz aus Gerlingen. Bereits seit 1993 setzt der Betrieb neben den klassischen Fertigungsverfahren auf die 3D-Druck-Technologie. "Damals arbeiteten wir mit dem Stereolithografie-Verfahren", erklärt Christian Reinhardt, Leiter Additive Fertigung. "Für uns hat sich damit früh gezeigt, welches Potenzial der 3D-Druck hat".

Gerade im Modellbau könne die Technologie ihre Stärken voll ausspielen und die Kunden aus den Bereichen Automotive und Verbrauchsgegenstände mit Prototypen bedienen. "Wir stellen häufig Bauteile her, die nur einmal benötigt werden. Da stoßen klassische Fertigungsmethoden schnell an ihre Grenze", so Reinhardt. Denn es müsse zunächst ein enorm kostspieliges Werkzeug hergestellt werden. "Mit dem 3D-Druck können wir werkzeuglos aus den Daten Bauteile erstellen. Völlig egal, ob eines oder mehrere tausend", erläutert er.



Und Action: Die 3D-Drucker bei Modellbau Kurz in Gerlingen arbeiten auf Hochtouren.
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Und Action: Die 3D-Drucker bei Modellbau Kurz in Gerlingen arbeiten auf Hochtouren.

3D-Druck ist kein Allheilmittel

"Die Bekanntheit des 3D-Drucks steigt in der Öffentlichkeit immer stärker", weiß Thomas Gebhardt, Digitalisierungsberater bei der Handwerkskammer. "Dennoch muss man vorsichtig sein, denn unter dem Begriff werden unzählige Verfahren vereint, die alle ihre Vor- und Nachteile haben", so der Experte. Einfach von jetzt auf nachher einzusteigen, funktioniere nicht. "Man muss für die eigenen Anforderungen das optimale Modell auswählen", erklärt Gebhardt.

Das unterstreicht auch Christian Reinhardt: "Wir setzen selbst unterschiedliche Verfahren ein, um für die Anforderungen unserer Kunden das Beste auszuwählen oder zu kombinieren." Den aktuellen Hype müsse man richtig einordnen. Denn der 3D-Druck könne nicht alle Probleme der klassischen Fertigung beheben.



Die Mitarbeiter mitnehmen

Eine besondere Herausforderung sei es auch, die Mitarbeiter auf dem Weg mitzunehmen. Thomas Gebhardt weiß aus seinen Beratungen, dass das nicht immer einfach ist: "Es braucht neben technischen Schulungen auch Weiterbildung in Sachen IT-Sicherheit. Außerdem müssen die Unternehmer darauf achten, dass sie Ängste und Sorgen der Angestellten ernst nehmen. Nur dann klappt es mit der Akzeptanz."

Christian Reinhardt ergänzt: "Die Mitarbeiter sind besonders in Sachen Flexibilität und Auffassungsgabe gefordert. Denn die Technologie wandelt sich beinahe täglich und sie müssen mit immer neuen Herausforderungen in kurzer Zeit umgehen. Es ist ein dauerhafter Lernprozess, für den man die nötige Bereitschaft mitbringen muss."

Aus Sicht von Reinhardt überwiegen aber die Chancen, die das Handwerk durch den 3D-Druck habe. Zwar sei er nicht für alle Branchen und Betriebe geeignet, aber auch kleinere Unternehmen müssten kosteneffizient arbeiten. "Die Konkurrenz kann durch die Globalisierung quer über den Globus verteilt liegen. Wer da jetzt den Anschluss verpasst, verspielt seine Perspektiven für die Zukunft", betont Reinhardt. "Wir als vermeintlich kleiner Handwerksbetrieb werden wegen unserer Erfahrung mit dem 3D-Druck sogar von großen Konzernen für Tests neuer Maschinen herangezogen. Das sind Möglichkeiten, die wir sonst nicht hätten."

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Video: 3D-Druck in der Praxis

Sie wollten schon immer einmal wissen, wie der 3D-Druck in der Praxis funktioniert? Christian Reinhardt von Modellbau Kurz zeigt es in unserem Video-Clip.

Alle Serienbeiträge auf einen Blick

Hier finden Sie alle Beiträge aus unserer Serie "Digitalisierung? Was geht mich das an?" im Überblick:

Archiv: Serie "Digitalisierung? Was geht mich das an?"

Außerdem empfehlen wir Ihnen unsere Serie "Was tut die Kammer für mich?", in der wir über 50 unserer kostenfreien Dienstleistungen für Handwerksbetriebe vorstellen:

Archiv: Serie "Was tut die Kammer für mich?"

 
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Thomas Gebhardt

Beauftragter für Innovation und Technologietransfer (BIT), Schwerpunkt Digitalisierung

Heilbronner Straße 43
70191 Stuttgart