BetriebsführungFührungskräfte und Resilienz: Fünf Fragen an High Performance Coach Silke Specht
Emotionale Kompetenzen, Resilienz und ein Feingefühl für den richtigen Ton zwischen Anweisung und Empathie. Welche Tipps hat High Performance Coach Silke Specht für Führungskräfte im Handwerk? Das hat sie uns in einem kurzen Interview verraten.
1. Mit welchen Themen sehen Sie sich am häufigsten konfrontiert, wenn Sie mit Führungskräften im Handwerk sprechen?
Im Handwerk sind Führungskräfte oft sehr nah an der operativen Arbeit. Zu den häufigsten Themen, die zur Sprache kommen, gehört deshalb die Mitarbeitendenführung im Spannungsfeld zwischen menschlicher Nähe und Autorität. Viele Führungskräfte im Handwerk ringen mit der Vereinbarkeit von Menschlichkeit und Effizienz. Sie wollen gute Chefs sein – fühlen sich dabei aber oft zwischen den geschäftlichen Anforderungen und der Realität aufgerieben.
Häufig berichten Führungskräfte auch von Kommunikationsproblemen, vor allem mit jüngeren Generationen oder in multikulturellen Teams, sowie unausgesprochenen Konflikten, die im Team schwelen und sich anstauen. Häufig mangelt es an Zeit- und Kapazität, um sich mit den Führungsaufgaben bewusst und gezielt auseinanderzusetzen. Gleichzeitig setzt bei vielen Erschöpfung ein, weil das Gefühl entsteht, „alles immer selbst machen zu müssen“.
2. Was birgt für Führungskräfte im Arbeitsalltag am häufigsten Herausforderungen?
Dauerhafte Erreichbarkeit und Reaktionsdruck zählen zu den am häufigsten genannten Sorgen. Aus dem bereits erwähnten Gefühl, alles selbst erledigen zu müssen, resultiert fehlende Zeit für echte Führungsarbeit. Zuhören, Entwickeln und Begleiten kommt dann zu kurz.
Doch auch an der eigenen Selbstwahrnehmung rüttelt das: Häufig ist ein Mangel an Selbstreflexion erkennbar, weil das operative Geschäft alles auffrisst. So wird oft auch die eigene emotionale Belastung nicht thematisiert oder gar nicht erst wahrgenommen. Zudem kommen herausfordernde Situationen wie der Umgang mit psychisch belasteten oder demotivierten Mitarbeitenden hinzu, die nicht immer leicht zu verarbeiten sind.
Kurz gesagt: Die größte Herausforderung ist oft die innere Überforderung bei äußerem Funktionieren. Wer viel gibt, aber nicht regeneriert, wird irgendwann leer.
3. Welche Tipps haben Sie für diese Führungskräfte, wenn Sie mit Ihnen in Kontakt sind?
Folgende fünf Leitgedanken gebe ich gerne mit auf den Weg:
Führung beginnt bei Dir selbst.
Nur wer sich selbst führt, kann andere führen. Das bedeutet: Eigene Grenzen erkennen, eigene Bedürfnisse ernst nehmen und das eigene Verhalten regelmäßig reflektieren.
Achtsame Kommunikation ist eine Schlüsselkompetenz.
Wer es schafft, ruhig, klar und wertschätzend zu sprechen – auch in stressigen Situationen – stärkt die Beziehungsebene und vermeidet Eskalation.
Führung ist Beziehung, nicht Kontrolle.
Vertrauen entsteht durch Verlässlichkeit, echtes Interesse und gemeinsames Lernen – nicht durch Druck oder ständige Überwachung.
Fehler sind Wachstumsfelder.
Zeig Dich menschlich, steh zu Irrtümern – das macht Dich glaubwürdig und nahbar.
Zeit für Führung muss bewusst geschaffen werden.
Plane regelmäßige Reflexionsräume – auch für Dich selbst.
4. Was macht emotionale Kompetenz aus?
Emotionale Kompetenz ist die Fähigkeit, mit eigenen und fremden Gefühlen bewusst und konstruktiv umzugehen. Sie umfasst:
Selbstwahrnehmung: Wie geht es mir wirklich – und was hat dazu geführt?
Selbstregulation: Kann ich mit Druck, Ärger oder Enttäuschung souverän umgehen?
Empathie: Kann ich mein Gegenüber wirklich verstehen – nicht nur fachlich, sondern menschlich? Was sind seine Beweggründe bzw. Bedürfnisse oder Werte?
Beziehungsmanagement: Wie gestalte ich ein Arbeitsklima, in dem Vertrauen wächst?
Reflexionsfähigkeit: Bin ich bereit, mich selbst zu hinterfragen und dazuzulernen?
5. Welchen Tipp geben Sie jungen Führungskräften, die sich im Handwerk selbständig machen?
„Baue Dein Unternehmen nicht nur auf Fachwissen – sondern auf Haltung.“ Mein wichtigster Tipp:
Arbeite früh an Deiner inneren Stabilität und Deinem Menschenbild. Resilienz bedeutet nicht Härte, sondern Beweglichkeit. Nimm Herausforderungen an – und verliere nicht Dich selbst dabei. Finde Deinen eigenen Führungsstil, der zu Deinen Werten passt. Und: Lerne, um Hilfe zu bitten und Dir Unterstützung zu holen, statt alles allein lösen zu wollen. Suche Dir einen Mentor.
Sie haben weitere Fragen zum Thema Personalführung oder Organisationsentwicklung?
Das Personal ist die zentrale Stellschraube. Um einen gut funktionierenden Betrieb zu haben, sind die passenden Mitarbeitenden unerlässlich. Wer sich mit Personalfragen noch nicht näher auseinandergesetzt hat, sollte dies also gerade in Zeiten des Fachkräftemangels schleunigst nachholen.
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