Pressenachricht Nr. 048/2013 vom 19. Oktober 2013

769 "Helden von morgen" erhalten ihre Meisterbriefe

Meisterbonus soll Schieflage beheben

769 Handwerkern wurde bei der Meisterfeier des Handwerks der Meisterbrief überreicht. Rainer Reichhold, Präsident der Handwerkskammer Region Stuttgart, erhob die erfolgreichen Absolventen aus 29 verschiedenen Gewerken am Samstagabend im Internationalen Congresscenter Stuttgart traditionell in den Meisterstand.

Vor 2300 Gästen betonte Reichhold, dass ein Meisterbonus, wie er in Bayern den jungen Handwerksmeistern zu Gute kommt, ein Symbol der Gleichwertigkeit von Meisterbrief und Studienabschluss darstellen würde. "Bei uns kann jeder kostenlos studieren, aber Handwerksgesellen müssen ihre Meisterausbildung selbst finanzieren." Diese Schieflage müsse vom Land rasch behoben werden. "Da sind uns die Bayern mit dem Bonus von 1000 Euro pro Jungmeister weit voraus." Für Reichhold hätte ein solcher Schritt Signalwirkung für den Weg in die berufliche Bildung. "Wenn es die Landesregierung ernst meint mit der vielgepriesenen Gleichwertigkeit der beruflichen und allgemeinen Bildung, dann wäre ein solcher Schritt bei uns in Baden-Württemberg nur konsequent."

Erfreut zeigte sich der Kammerpräsident über die Zunahme der Zahl der bestandenen Meisterprüfungen. "Dies ist ein Ausdruck von Wertschätzung der beruflichen Qualifizierung", sagte Reichhold. "Deshalb kann ich nur davor warnen, den Meisterbrief als Voraussetzung  für die Selbstständigkeit in bestimmten Berufen abschaffen zu wollen." Bei der Komplexität der Materie in den verschiedenen Branchen sei entsprechendes Fachwissen die allerwichtigste Basis für den Erfolg. Dieses Wissen werde in der Vorbereitungszeit auf die Meisterprüfung vermittelt. Deshalb bilde der Meisterbrief sowohl in fachlicher als auch in betriebswirtschaftlicher Hinsicht die Basis für eine erfolgreiche Unternehmensgründung und -führung. Reichhold: "Würde die Europäische Kommission einmal mehr an den Grundfesten des Handwerks rütteln, ist das ein Zeichen, dass hier wenig Ahnung vorherrscht von der stabilisierenden Bedeutung des Meisterbriefs für den Arbeitsmarkt."

Den Jungmeistern gratulierte Präsident Rainer Reichhold zu ihrem erfolgreichen Abschluss. "Mit ihrem Einsatz und ihrem Willen haben sie nicht nur die Basis für ihre eigene Zukunft gelegt, sondern auch einen grundlegenden Beitrag für den Erhalt unseres Handwerks geleistet." Die Absolventen seien wichtige Stützen der Wirtschaft. "Der Meister ist das Herzstück unseres Handwerks - vor allem weil ihm auch die Aufgabe zukommt, Wissen an die Auszubildenden weiterzugeben." Das sei das beste Mittel gegen den Fachkräftemangel. Der Respekt vor der Leistung des erfolgreichen Prüfungsjahrgangs soll auch durch das Motto der Feier belegt werden - die Meister des Jahrgangs 2012/2013 wurden als die "Helden von morgen" bezeichnet.

Aktuell hat sich die Zahl der Absolventen der Meisterschulen in der Region Stuttgart auf einem Niveau von 770 eingependelt. 2008 lag die Zahl bei 712. Die Bandbreite der Meisterberufe reicht vom Bäckerhandwerk, dem Fliesenlegerhandwerk über das Informationstechnikerhandwerk bis zum Zahntechnikerhandwerk. Die meisten Absolventen weist das Elektro- und Metallgewerbe vor. Wenig attraktiv scheint allerdings die Meisterausbildung für Frauen zu sein. Nach dem Höchstwert von 158 Abschlüssen im Jahr 2009 liegt die aktuelle Zahl bei 126 erfolgreich absolvierten Meisterprüfungen - vorzugsweise im Friseurhandwerk.



Rotary-Förderpreis vergeben

Erstmals wurde der Förderpreis des Rotary Clubs Stuttgart vergeben. Modistenmeisterin Lena Schmerschneider aus Knesebeck wurde nicht nur als Bestmeisterin ausgezeichnet, sie durfte bei der Meisterfeier auch einen Scheck in Höhe von 3000 Euro in Empfang nehmen. Mit dem Förderpreis wird die besondere Begabung und Leistungsfähigkeit der jungen Handwerksmeisterin belohnt. Die Meisterprüfung für dieses Gewerk kann deutschlandweit nur noch im Bezirk der Handwerkskammer Region Stuttgart abgelegt werden. Ein entscheidendes Auswahlkriterium war die beabsichtigte Selbstständigkeit. Lena Schmerschneider plant aktuell die Gründung einer eigenen Firma für Hutmode.



Die besten Meister des Jahrgangs 2012/2013

  • Simone Adams, Maler und Lackierer-Meisterin, Meerbusch
  • Ursula Bauknecht, Raumausstatter-Meisterin, Neuffen
  • Thomas Binder, Klempner-Meister, Ingolstadt
  • Kai Fischenich, Stuckateur-Meister, Höchstberg
  • Franziska Habik, Friseur-Meisterin, Urbach
  • Jannik Heßing, Müller-Meister, Straelen
  • Dennis Huttenlocher, Bäcker-Meister, Kirchheim/Teck
  • Lena Schmerschneider, Modisten-Meisterin, Knesebeck
  • Kevin Straub, Informationstechniker-Meister, Heilbronn
  • Stephan Westphal, Schreiner-Meister, Rostock
  • Matthias Winter, Elektrotechniker-Meister, Mundelsheim
  • Evelyn Wunder, Maßschneider-Meisterin, Buxheim
     

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