Meisterfeier-Splitter 2016

Ein Vorgeschmack auf die Meisterfeier des Handwerks am 14. Oktober 2016 in Stuttgart

Pressenachricht Nr. 044/2016 vom 6. Oktober 2016

Eben noch Geselle, heute Meister. Und morgen? Innovationsmacher und Branchenpionier, kreativer Dienstleister oder Designexperte. Das - und noch viel mehr - sind die Perspektiven für viele junge Handwerksmeister. Und am Freitag, 14. Oktober werden die rund 800 jungen Handwerker aus 32 Gewerken ihre Meisterbriefe im feierlichen Rahmen überreicht bekommen. Die erfolgreichen Führungskräfte von morgen feiern unter dem Motto "Willkommen im Ideenreich" ab 17 Uhr im ICS – Internationales Congresscenter Stuttgart.



Die Meisten sind aus dem Kraftfahrzeugtechniker-Handwerk

 Die TOP-TEN der stärksten Gewerke mit den zahlenmäßig meisten Absolventen führt das Kraftfahrzeugtechniker-Handwerk an. Die Maler und Lackierer und die Installateure und Heizungsbauer folgen dahinter auf Platz 2 und 3.

  • 129 Kraftfahrzeugtechniker
  • 76 Maler und Lackierer
  • 71 Installateure und Heizungsbauer
  • 51 Feinwerkmechaniker
  • 50 Friseure
  • 49 Elektrotechniker
  • 44 Metallbauer
  • 40 Schreiner
  • 26 Landmaschinenmechaniker
  • 22 Zimmerer

 

Meistertalk mit Gedankenspaziergängen

 Wie und warum Handwerker kreativ und auch innovativ sein müssen, wird beim Festakt auf der Bühne vor über 2500 erwarteten Gästen aus Handwerk, Politik, Verwaltung und Wirtschaft geklärt. Bei der Talkrunde dabei sind Kammerpräsident Rainer Reichhold, Ofenbauermeister Bernd Hermann aus Marbach am Neckar und Axel Schenke von den „Malertekten“ in Esslingen. Alle können aus ihrem Erfahrungsschatz berichten und erzählen, wie ihre Kreativität und Innovationskraft Einfluss auf den eigenen Betrieb nimmt und den jungen Meistern manchen Rat mit auf den Weg geben.

 

Ideenreiche Meisterstücke

 Zahlreiche Meisterstücke stehen stellvertretend für die vielen Arbeiten der jungen Meistergeneration im Foyer vor der Kongresshalle. Damit können sich die Besucher ein Bild von der herausragenden Qualität und vor allem der Kreativität der Arbeiten machen. Hier ein paar ausgewählte Objekte:

„Meine Absicht war es, ein Meisterstück zu bauen, welches einzigartig ist in seiner Form und Ausführung. Die seitlichen Falzlinien verlaufen nicht mittig, alle Segmente sind Einzelstücke.“ Das ist Klempnermeister Sebastian Czipke aus Weissach im Tal mit dem Alphorn aus Titanzink allerbestens gelungen. Entwicklung, Planung und Fertigung nahmen rund 500 Stunden in Anspruch. Von Februar 2015 bis Februar 2016 besuchte Czpike die Robert-Mayer-Schule in Stuttgart und legte dort erfolgreich die Meisterprüfung zum Klempner ab. 

Nach dem Realschulabschluss und der Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin folgte eine zweite Ausbildung: Daniela Rapp qualifizierte sich zur Sattlerin in der Fachrichtung Fahrzeugsattlerei. Nach dem Abschluss wechselte sie in den eigenen Familienbetrieb in Waldachtal und besuchte nebenher in Voll- und Teilzeit die Meisterschule für das Sattler und Feintäschner-Handwerk an der Kerschensteinerschule Stuttgart. Und das Meisterstück? Ein Trabant 601 S. Das ostdeutsche Kultfahrzeug verbindet zugleich zwei Familien mit unterschiedlichen Wurzeln. Bei der Innenausstattung des Fahrzeugs kamen unter anderem der Automobilstoff Fischgrat, Kunststoffleder, grauer Veloursteppich und anthrazitfarbenes Kunstleder zum Einsatz.

Das Thema des Meisterstücks von Nadine Bisswang war die Gestaltung eines neuen Corporate Design für das „Haus der Floristik“ in Simmersfeld. Es soll beste Verarbeitung, erstklassige Materialien, Eleganz und Tradition wiederspiegeln. Für die Meisterin im Schilder- und Lichtreklamehersteller-Handwerk aus Simmersfeld keine unlösbare Aufgabe. Als Meisterstück entstand an der Bundesfachschule für Werbegestaltung in Stuttgart-Feuerbach in 12 Stunden als Meisterstück eine beleuchtete Acrylglasscheibe - das Logo wurde in der Farbe schwarz, alle anderen Farben transparent lackiert. Den Rosenstrauß in der Mitte des Werbeschilds hat Nadine Bisswang im Duplex-Druck aufgebracht. Bei der Entwicklung der Leuchtreklame wurde versucht, die Werte und die Philosophie der Firma abzubilden.

Zwei Dinge waren Jakob Stigler bei seinem Meisterstück besonders wichtig: Zum einen wollte der Metallbauer etwas anfertigen, das er später selbst nutzen kann. Zum anderen sollte so viel wie möglich selbst hergestellt sein. Und eine Kraftstation wollte Jakob Stigler immer schon bauen. Sein Meisterstück besteht aus nichtrostendem Stahl, der bei der Verarbeitung besonderes Können erfordert. Die acht Kilogramm schweren Gewichte sind ebenfalls aus Stahl. Sie wurden mit Säure behandelt – dadurch wurde der Rostvorgang beschleunigt und es entstand ein ästhetischer Kontrast. Am Gerät sind mehr als zwanzig Übungen möglich. Der Metallbauer Fachrichtung Konstruktionstechnik aus Großbottwar besuchte die Robert-Mayer-Schule in Stuttgart und schloss dort im Juli 2016 mit dem Meister ab.

 

Tanja Angstenberger sammelt weiteren Titel

 Die 24-jährige Wasseralfingerin gehört zur Elite des deutschen Bäckerhandwerks und repräsentiert die rund 275.000 Mitarbeiter der Branche in Deutschland auf charmante Art und Weise. Tanja Angstenberger ist in Berlin in die Nationalmannschaft der Bäcker berufen worden, ist nebenher Württembergische Brezelkönigin, hat den Titel der Junioren-Europameisterin gewonnen und hat jetzt selbstredend in Stuttgart die Meisterprüfung im Bäckerhandwerk mit Bravour abgelegt. Auslandserfahrung hat sie in Griechenland gesammelt. In Athen hat sie den Kollegen in der Backstube über die Schulter geschaut. Ihr berufliches Ziel?  „Irgendwann könnte ich dann die Bäckerei der Eltern übernehmen“, sagt sie.



"We are the champions" – die Bestmeister 2016
  • Feinwerkmechaniker-Meister Christopher Greim, Tamm
  • Sattler und Feintäschner-Meisterin Daniela Rapp, Waldachtal
  • Installateur und Heizungsbauer-Meister  Samuel Häfele, Amstetten
  • Fliesen-, Platten- und Mosaikleger-Meister Benjamin Brändle, Wendlingen
  • Maler und Lackierer-Meisterin Mareike Wurster, Bad Urach
  • Informationstechniker-Meister  Michael Grauer, Leonberg
  • Informationstechniker-Meister Andreas Baumann, Heroldstatt
  • Raumausstatter-Meister  Dominik Wolf, Miltenberg
  • Landmaschinenmechaniker-Meister Manfred Böckler, Oberschönegg
  • Modisten-Meisterin Anja Magdalena Zerhoch, Landsberg
  • Maßschneider-Meisterin Heike Dietrich, Buchen
  • Metallbauer-Meister Tobias Fezer, Heiningen
  • Schilder- und Lichtreklamehersteller-Meisterin Nadine Bisswang, Simmersfeld
  • Müller-Meister Willi Erich Frießinger, Bad Wimpfen
  • Orgel- und Harmoniumbauer-Meister Tobias Herold, Berlin
  • Tischler-Meister Christian Teufel, Straßberg
  • Bäckermeister Pascal Berroth, Schwäbisch Gmünd

 

Rotary Club unterstützt die meisterlichen Pläne

Einer der Bestmeister wird sich besonders freuen können: Der Rotary Club Stuttgart hat einen Förderpreis in Höhe von 3.000 Euro ausgelobt, der ebenfalls im Rahmen der Meisterfeier überreicht wird. Ausgezeichnet wird ein junger Handwerker oder eine Handwerkerin, die sich neben der herausragenden fachlichen Leistung auch durch gut durchdachte Zukunftsplanungen hervorhebt. Und sollte die unternehmerische Selbstständigkeit im Handwerk ein Ziel sein, stehen die Chancen schon sehr gut. Das Geheimnis wird auf der Bühne von Rotary-Präsident Rainer Johannes Homburg. Er ist musikalischer Leiter der Stuttgarter Hymnus-Chorknaben und amtierender Präsident des Rotary-Clubs Stuttgart.

 

Voraussetzungen für den Meistertitel

Um sich für die Meisterprüfung anmelden zu können, wird grundsätzlich eine bestandene Gesellenprüfung vorausgesetzt. Wenn Handwerker den Meister im gleichen Beruf anstreben, können sie die Fortbildung im Prinzip direkt an die Ausbildung anschließen. Die Meisterprüfung besteht aus vier Teilen: praktischer Teil (I), fachtheoretischer Teil (II), betriebswirtschaftlicher und rechtlicher Teil (III), berufspädagogischer Teil (IV). In der Regel findet am Ende jedes Kursteils der Vorbereitungsfortbildungen die Prüfung statt. Es ist allerdings nicht verbindlich vorgegeben, in welcher Reihenfolge die Prüfungen absolviert werden müssen.

 

Ein Leichtgewicht und doch ein Wertpapier

Er ist 30 Zentimeter breit, 42 Zentimeter hoch und wiegt 50 Gramm. Vom Papier her ein Leichtgewicht, doch inhaltlich gehört er zu den Schwergewichten deutscher Wirtschaftsgeschichte. Der Meisterbrief verbindet Fachkompetenz mit theoretischem Wissen. Arbeitspädagogik gehört ebenso zu seinen Inhalten wie betriebswirtschaftliches Wissen oder eben die Perfektion handwerklicher Arbeit. "Gute Vorbereitung ist alles", weiß Christoph Arnold, Leiter der Prüfungsabteilung bei der Handwerkskammer. "Mit unserem Lehrgangsangebot oder den Vorbereitungskursen der Handwerksorganisationen bietet sich die Möglichkeit, sich optimal auf die Prüfung vorzubereiten und so die Zukunftschancen zu nutzen. Arnold: "Wir machen die Meister."

 

Die Kanzlerin will für die Meisterausbildung kämpfen

Angela Merkel hat die duale Berufsausbildung und den Meisterbrief im Blick: Die Kanzlerin setzt sich gemeinsam mit dem deutschen Handwerk dafür ein, dass die Regelungen der EU sich dem erfolgreichen Berufssystem in Deutschland nicht entgegenstellen. Das verkündete die Kanzlerin in ihrem wöchentlichen Video-Podcast im Februar. „Der Meisterbrief soll nicht an Wert verlieren“, sei das oberste Prinzip. "Wir müssen jetzt aufpassen, dass wir das duale Berufsausbildungssystem als gleichrangige Säule neben dem der Hochschulausbildung weiter etablieren und in Europa dafür kämpfen", betont Merkel. Da die EU-Kommission weiterhin Hürden zu reglementierten Berufen abbauen könnte, besteht im Handwerk die Sorge, dass der Meisterbrief dadurch an Wert verliert. Zudem steht der hohe Qualitätsstandard des Handwerks auf dem Spiel.

 

Meisterbrief ist Standortfaktor

Auch Thomas Hoefling, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, ist vom Meisterbrief und dem damit verbundenen Qualitätsniveau überzeugt: „Nur auf einem guten Fundament können nachhaltige Strukturen entstehen, die in einem scharfen – auch internationalen – Wettbewerb Bestand haben. Der Meisterbrief qualifiziert ganz gezielt zum Unternehmertum und sichert damit Ausbildung und Arbeitsplätze.“ Dennoch konstatiert das Handwerk seit einigen Jahren eine bedenkliche Entwicklung auf europäischer Ebene. Die Europäische Kommission will den Mitgliedstaaten weitgehende Vorgaben machen, welche Berufe einem Qualifikationsvorbehalt unterliegen sollen. Hierdurch wird nicht nur stark in die Souveränität der Mitgliedstaaten eingegriffen. Auch ist erkennbar, dass dem anglo-amerikanischen Modell gefolgt werden soll, das stärker auf Zertifizierungen setzt und gerade keine Ausbildungsverantwortung übernimmt. Was eine verfehlte Deregulierungspolitik bedeutet, hat das Handwerk bereits schmerzlich erfahren müssen, als 2004 53 Handwerksberufe zulassungsfrei wurden. Kammerchef Thomas Hoefling: „Wir haben damit keine positive Erfahrungen gemacht. Im Gegenteil: Stattdessen konstatieren wir eine Atomisierung der Betriebsstrukturen und einen Rückgang der Ausbildungsleistung sowie der Qualifikation der Betriebsinhaber. Das Handwerk wurde geschwächt. Dies darf sich durch eine verfehlte Politik aus Brüssel nicht wiederholen!“

In Deutschland profitiert die gesamte Wirtschaft vom Handwerk, das traditionell über den eigenen Bedarf hinaus ausbildet. Die Qualifizierung und Integration von jungen Menschen mit Migrationshintergrund in den Arbeitsmarkt klappt im Handwerk und auch für junge Flüchtlinge werden gerade tausendfach Qualifizierungsangebote geschaffen.



Fortbildung zahlt sich aus

In seiner jüngsten Studie hat das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur Gleichwertigkeit der beruflichen und akademischen Bildung veröffentlicht. Demnach verdienen knapp 30 Prozent der Meister und Techniker mehr als ein durchschnittlicher Akademiker. Es gibt also durchaus eine nennenswerte Zahl von Meistern, deren Gehalt höher liegt als das eines Arztes oder Ingenieurs. Umgekehrt verdienen sogar 25 Prozent der Akademiker weniger als ein durchschnittlicher Meister oder Techniker. Die meisten Meister und Techniker liegen beim Gehalt mit Bachelor-Absolventen etwa gleich auf. Es muss nicht immer das Abitur sein: 25 Prozent der "Top-Verdiener" unter den Meistern und Technikern haben einen Hauptschulabschluss, etwa 50 Prozent einen Realschulabschluss. Die unmittelbar nach dem jeweiligen Qualifikationsabschluss bestehenden Gehaltsunterschiede zwischen akademisch und beruflich Qualifizierten sind relativ gering – und nach fünf Jahren Berufserfahrung noch einmal deutlich niedriger.

 

Arbeitslosigkeit? Kennen Meister nicht

Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigt, dass der Meisterabschluss die beste Voraussetzung zur Vermeidung von Arbeitslosigkeit ist. Die Erwerbslosenquote für Meisterabsolventen liegt bei 2Prozent. Das ist nach volkswirtschaftlich gängiger Definition Vollbeschäftigung. Nicht einmal akademisch Qualifizierte (2,5 Prozent Erwerbslosenquote) erreichen einen besseren Wert. Im Jahr 2005 lag die Erwerbslosenquote bei Personen mit Meisterqualifikation noch bei 6,7 Prozent (Hochschulabsolventen 5,4 Prozent). Die Arbeitslosigkeit bei Meistern ist folglich nicht nur geringer als bei Akademikern, sie ist in den vergangenen Jahren auch stärker gesunken. Gesellen haben mit rund 5 Prozent eine im längerfristigen Vergleich historisch niedrige Arbeitslosenquote. Mitte der 2000er Jahre war sie noch fast doppelt so hoch.



Attraktiv: das neue Meister-BAföG

Seit 1. August 2016 gilt die Novelle des Meister-BAföG. Kammerchef Thomas Hoefling äußert sich zufrieden: „Der Kurs des neuen Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetzes ist richtig. Es bietet ein attraktives Paket zur Verbesserung der finanziellen Förderung von Meisterschülern und sonstigen Teilnehmern an beruflichen Aufstiegsfortbildungen. Ein großer Schritt hin zur Gleichstellung von Studium und Beruflicher Bildung ist die hälftige Bezuschussung der Unterhaltsförderung für Besucher von Vollzeitlehrgängen. Das Handwerk begrüßt auch, dass die Förderung der Kosten des Meisterprüfungsprojekts angehoben und künftig ebenfalls bezuschusst wird. Für die Zukunft wünschen wir uns, dass die Förderung auch mehrfach in Anspruch genommen werden kann. Denn beruflich Qualifizierte bleiben nicht auf ihrem einmal erworbenen Wissens- und Leistungsstand stehen, sondern nutzen die attraktiven Angebote der Aufstiegsfortbildung im Handwerk im Sinne des lebenslangen Lernens, um ihre Berufskarriere zu gestalten."

 

Hier finden Sie weitere Infos zur Meisterfeier 2016.



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