PolitikLandtagswahl 2026: Die Forderungen des Handwerks

Am 8. März wählt Baden-Württemberg einen neuen Landtag. Lesen Sie hier, was das baden-württembergische Handwerk und wir als Kammer von der neuen Landesregierung fordern.



Das Handwerk – Motor unserer Region

Das Handwerk macht die Region Stuttgart stark: als Ausbilder, Arbeitgeber und Innovationstreiber. Regional verwurzelt, praxisnah und zukunftsorientiert schafft es Arbeitsplätze und Perspektiven für junge Menschen.

Bei der Landtagswahl entscheidet sich auch die Zukunft des Handwerks in Baden-Württemberg. Von zehn Wahlberechtigten arbeitet durchschnittlich eine Person im Handwerk, über 140.000 Betriebe prägen das Land – das Handwerk zählt.

Unsere Forderungen an die Landespolitik:

  • Fachkräfte sichern: Ausbildung stärken, Weiterbildung ausbauen.
  • Bildung fördern: Moderne Berufsbildungsstätten und praxisnahe Angebote
  • Infrastruktur stärken: Verkehr, Digitalisierung und regionale Versorgung ausbauen.

Nachfolgend haben wir unsere regionalen Forderungen in ausführlicher Fassung für Sie zusammengestellt:







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Infrastruktur stärken – Zukunft sichern

Eine moderne und leistungsfähige öffentliche Infrastruktur ist die Grundlage für wirtschaftlichen Fortschritt, Versorgungssicherheit und gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land. Deshalb muss sie umfassend modernisiert, saniert und ausgebaut werden – insbesondere in den Bereichen Verkehr-, Stromnetze und Breitbandversorgung, die für die Energiewende und die Digitalisierung unverzichtbar sind.

Die Mittel aus den Sondervermögen für Infrastruktur müssen schnell und handwerksfreundlich vergeben und investiert werden.
Damit diese Vorhaben nicht an bürokratischen Hürden scheitern, braucht es einen gezielten Ausbau der Kapazitäten in Planungs-, Genehmigungs- und Vergabeverfahren. Nur mit ausreichend Personal und klaren Prozessen können Infrastrukturprojekte zügig und effizient umgesetzt werden.
Das Vergabeverfahren bei öffentlichen Aufträgen muss zudem handwerksfreundlich gestaltet werden. Das bedeutet: Fach- und Teillosvergaben sollten der Regelfall sein, so können einzelne Gewerke separat ausgeschrieben und vergeben werden. Damit auch kleine und mittelständische Handwerksbetriebe faire Chancen auf öffentliche Aufträge erhalten.
Ausbildung als Hochbaufacharbeiter
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Baukonjunktur beleben – Wohnraum schaffen

Die öffentliche Hand muss durch gezielte Anreize die Baukonjunktur, insbesondere für bezahlbaren Wohnraum, stärken. Denn Bautätigkeit schafft nicht nur dringend benötigten Wohnraum, sondern sichert auch Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung.

Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit sind öffentliche Bauinvestitionen ein wichtiger Konjunkturmotor. Frei werdende Flächen wie z.B. im Rosensteinquartier müssen für qualitativ und quantitativ hochwertigen Wohnungsbau genutzt werden. Die städtebaulichen, gestalterischen und technischen Innovationen, die im Rahmen der IBA27 in der Region entstehen, wollen wir für einen Entwicklungsschub für das Bauen und Sanieren nutzen. 
Die neuen Möglichkeiten der Landesbauordnung (LBO) Baden-Württemberg – etwa zur Vereinfachung von Genehmigungsverfahren, zur Erleichterung des Dachausbaus oder zur Nachverdichtung im Bestand – müssen konsequent genutzt werden. Sie bieten Chancen, schneller und flexibler zu bauen.


amh-online.de/Manfred Gründwald

Wärmeplanung und Sanierung – gemeinsam mit dem Handwerk

Kommunale Wärmeplanung muss frühzeitig und in enger Zusammenarbeit mit dem Handwerk erfolgen. SHK-, Elektro- und Schornsteinfegerbetriebe bringen technisches Know-how und praktische Erfahrung ein – und sichern durch ihre Beteiligung auch ihre wirtschaftliche Grundlage. Nur mit handwerklicher Expertise entstehen realistische und umsetzbare Wärmepläne.
Kommunale Aktivitäten dürfen nicht zu einer Verdrängung privatwirtschaftlicher Angebote führen. Die Wärmewende gelingt im Zusammenspiel – nicht durch kommunale Alleingänge. Das Handwerk fordert aktive Einbindung, damit auch individuelle Heizungslösungen weiterhin möglich bleiben. 
Energetische Sanierungen im Gebäudebestand sind zentral für die Wärmewende. Wohnungseigentümergemeinschaften und Immobilienverwaltungen müssen gezielt geschult und begleitet werden, damit Sanierungsmaßnahmen effizient und konfliktfrei umgesetzt werden können – mit Unterstützung durch regionale Handwerksbetriebe.
HWK

Gewerbeflächen und Mischgebiete erhalten

Die Betriebe benötigen eine dauerhafte Sicherheit vor sich seit Jahrzehnten immer mehr verschärfenden Nachbarschaftskonflikten und Verdrängung. Gewerbeflächen und Mischgebiete müssen erhalten bleiben, geeignete Nutzungsmischungen von Wohnen und Handwerk sind zu fördern.

Das Handwerk ist unverzichtbar für eine Stabilisierung der ökonomischen und gesellschaftlichen Strukturen. Seine Angebote und Leistungen schaffen urbane Vielfalt und ermöglichen damit eine Stadt der „kurzen Wege“ und funktionierende Gemeinden. 


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Gewerbeaufsicht stärken

Die Zusammenarbeit zwischen Ordnungsamt, Zoll, Polizei und Kammern ist weiter auszubauen, um Schwarzarbeit zu bekämpfen und dadurch Wettbewerbsverzerrungen entgegenzuwirken. Der Handlungsspielraum der Verwaltung, von Befragungen durch den Zoll bis hin zu Betriebsuntersagungen durch kommunale Behörden, ist konsequent zu nutzen.
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Wirtschaftsverkehr entlasten

Ein regionaler Handwerkerparkausweis ist einzuführen. Er erleichtert den Handwerksbetrieben das Arbeiten, da sie nicht mehr für jeden Ort eine eigene Ausnahmegenehmigung zum Parken im öffentlichen Raum beantragen müssen, sondern den gebietsübergreifenden Handwerkerparkausweis in der gesamten Region Stuttgart nutzen können.
Ebenerdige Halte- und Parkflächen für Handwerkerfahrzeuge müssen verfügbar sein. Handwerksbetriebe brauchen ebenso wie Bewohner die Berechtigung zum Quartierparken sowie die Ausweisung von handwerksgerechten Lade- und Servicezonen, denn sie sind für ihre Arbeit auf kurze Wege, schnelle Ladeprozesse und Parkmöglichkeiten in Kundennähe angewiesen.
Die Umweltzone und Fahrverbote in der Innenstadt sind aufzuheben, denn seit mehreren Jahren werden die Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxid in der Luft eingehalten, weshalb Umwelt- und Fahrverbotszonen nicht mehr nötig sind.


ArGe Medien im ZVEH

Fachkräftemangel aktiv entgegenwirken

Gezielte Übergangs- und Vermittlungsmaßnahmen zwischen Industrie und Handwerk sind zentral, um regionale Fachkräftepotentiale besser zu nutzen und den Arbeitsmarkt effektiv zu steuern. Es braucht eine aktive Arbeitsmarktpolitik im Land, die das Handwerk in der wirtschaftlichen Transformation mit einbezieht.

Eine starke Fachkräfteallianz bündelt Qualifizierungsangebote, vernetzt regionale Akteure und stärkt damit langfristig die Wettbewerbsfähigkeit und die regionale Arbeitsmarktstabilität. Die entstehenden Arbeitsmarktdrehscheiben müssen durch das Land unterstützt werden. 
Die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte muss durch vereinfachte Verfahren, Sprachkurse und Anerkennung ausländischer Abschlüsse erleichtert werden. Deren Integration sowie die Einbindung ihrer Familien muss durch wohnortnahe Bildung, Betreuung und Beratung unterstützt werden – für nachhaltige Eingliederung und regionale Bindung. 
Bezahlbare, gut erreichbare Wohnheime stärken Stuttgart als Ausbildungsstandort und bieten Jugendlichen eine unabhängige berufliche Perspektive.
Falk Heller, www.argum.com

Förderung der Berufsbildungsstätten ausbauen

Die berufliche Bildung muss entsprechend ihrem Stellenwert finanziell so ausgestattet werden, dass sie mit akademischen Bildungswegen gleichzieht. Dazu gehören faire Förderbedingungen für berufliche Abschlüsse und gezielte Investitionen in Qualifizierung und Weiterbildung.
Öffentliche Mittel müssen gezielt in Neubau, Modernisierung und Ausstattung von Berufsbildungsstätten fließen, um weiterhin fundierte und kompetenzorientierte Ausbildung zu sichern. Nur mit zeitgemäßer Infrastruktur und verlässlicher Finanzierung können Berufsbildungsstätten den Anforderungen von Klimaschutz, Digitalisierung und nachhaltiger Transformation gerecht werden. Wir brauchen Innovationsräume, in denen alle Bildungssektoren neue Qualifikationen und Berufsbilder der Zukunft entwickeln können.


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Bündnis für Berufliche Bildung stärken

Ein regionales Bildungsbündnis soll durch Berufsvalidierung, innovative Weiterbildungen und sektorenübergreifende Kooperationen gezielt neue Qualifizierungswege eröffnen und dadurch die Transformation des Handwerks aktiv begleiten.
Die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung muss in der Berufsorientierung auch praktisch erfahrbar werden. Dazu braucht es verbindliche Praxisphasen in Handwerksberufen und eine ergebnisoffene Beratung an allen Schulformen.
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Digitale Verwaltung stärken

Die Leistungsfähigkeit der öffentlichen Verwaltung ist zu stärken. Verwaltungsverfahren müssen digitalisiert und vereinfacht werden. Das gilt insbesondere für Kommunen. Strukturen und Kapazitäten müssen durch eine konsequente Digitalisierung, Vereinheitlichung und Verschlankung der Prozesse in der gesamten öffentlichen Verwaltung handlungsfähiger werden. 


Die Forderungen von HANDWERK BW

Auch HANDWERK BW wendet sich mit Forderungen an die neue Landesregierung:

„26 für 26 – So gelingt der Politik ein Meisterstück“

 

Gesine Kapelle

Politikreferentin

Heilbronner Straße 43

70191 Stuttgart

Tel. 0711 1657-262

gesine.kapelle--at--hwk-stuttgart.de

Harald Brendel/hbpictures.de

Sandra Schubert

Politikreferentin

Heilbronner Straße 43

70191 Stuttgart

Tel. 0711 1657-307

Mobil 0151 65037697

Sandra.Schubert--at--hwk-stuttgart.de